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Ost und West · 1903-03-01 · Heft 3 (März 1903) · p. Seite 207 - 208

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 3 (März 1903)
Article
Kaukasische Bergjuden
Date
1903-03-01
Page
Seite 207 - 208 (sequence 2)
Language
German
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207 Kaukasische Bergjuden. 2ü8 sehen Gebiet und im Daghestan (1000 Juden). Nördlich von Baku und Kuba liegt Derbend, in dessen Bezirke die sogenannten Bergjuden, die sich am reinsten schon in älterer Zeit als Juden erhalten haben, zu Anfang des 9. Jahrhunderts gekommen sind. Ein anderer Zuzug soll um 1180 aus Jerusalem stattgefunden haben. Noch heute erhalten die Kinder der kaukasischen Juden solche althebräischen Namen, wie dieselben unter den europäischen Juden selten noch in Gebrauch sind. Sie bevorzugen Namen, welche zur Zeit der Richter und zur Zeit der Könige in Israel gebraucht worden sind. Wenn ein Chacham aus Russland oder Palästina in ein jüdisches Dorf kommt, so beeilt sich fast jeder Einwohner, dringend den Reisenden zu bitten, zu ihm zu kommen. Gewöhnlich kehrt der Chacham beim Rabbiner oder bei einem reichen Hausbesitzer ein. Der Wirt weist den Gast in das Gastzimmer und wräscht ihm die Füsse oder sorgt dafür. Ist diese Ceremonie beendet, so treten die angesehenen Glaubensgenossen des Dorfes in das Haus und begrüssen den Gast mit: „Schalom alechem" oder baruch-habo! Der Gast antwortet, wie bei uns, „Alechem schalom". — Die Kau: kasischen Bergjuden verheiraten ihre Kinder sehr früh. Die Trauung findet unter einer Chuppa, wie bei uns, statt, aber das junge Paar reitet zur Trauung. Nachdem der Rabbiner alle Gebete u. s.w. verlesen hat, führen die Brautjungfern die Braut unter dem Baldachin hervor, die Jünglinge schiessen, während die Braut das Ross besteigt, ihre Gewehre ab. Eine Schwester der Braut oder eine andere Verwandte mit einem brennenden Lichte in. der Hand besteigt gleichfalls ein Pferd und folgt der Braut, deren Pferd der Bruder führt. Die übrige Jugend folgt zu Fuss und geleitet die Braut bis zum Hause des Bräutigams. Unterdes bleibt der Bräutigam noch unter dem Baldachin, während der Rabbiner mit den Gästen ein Hochzeitslied singt. Nach Beendigung der Ceremonie geleiten der Rabbiner und die Gäste den Bräutigam nach Hause. Die Braut wird auf ihrem Wege von der Chuppa bis zum Hause, in dem sie künftig wohnen soll, von allen Frauen, welche aus ihren Häusern hervorkommen, mit Reis beworfen, das geschieht, weil Reis Fruchtbarkeit bedeuten soll. Die Gebete sollen bei den Kaukasischen Bergjuden dieselben sein, wie bei uns. Sie verrichten ein Morgengebet bei Sonnenaufgang, ein Abendgebet bei Sonnenuntergang, sobald die Sterne sich am Himmel zeigen. Die Synagogen sind durchweg nach demselben Plan in tatarischem Stil gebaut. Die Frauen pflegen GEBIRGSJUDE AUS KAUKASIEN. die Synagoge nicht zu besuchen, doch stellen sich einzelne unter die Fenster der Synagoge, bis der Gottesdienst beendigt ist. Während der Rabbiner mit seinen Schülern laut vorbetet, hören die übrigen Anwesenden meist schweigend zu. Der Rabbiner hat sein Antlitz nach der Richtung zum heiligen Tempel in Jerusalem gewandt. Die Schriftzeichen der Kaukasischen Bergjuden sind die quadratischhebräischen. Ihre Sprache ist ein Jargon, eine Mischung aus. Altpersisch, Althebräisch und den zahlreichen Dialekten der sie umgebenden Volksstämme. Wie v. Erckert mitteilt, wird das verdorbene Persisch, das die Tat (in den Städten Sarten genannt) sprechen, im Gebiet der Tabassaranen als „jüdische Sprache" bezeichnet. Auch die Tschetschenzen erinnern in ihrer Art zu sprechen an Juden. Auch der Typus unter diesen übrigens auffallend schönen Gestalten ist jüdisch. E. meint: „Aus der Verbreitung des Judentums unter den Chasaren lässt sich diese auch im Daghestan und sonst im Kaukasus auffallende Erscheinung teilweise erklären. Eigentümlich tritt es hervor, dass besonders gebildete Tschetschenzen und höhere Befehlshaber noch aus der Zeit von Schamyl mit am meisten den jüdischen Typus zeigen.Um zu

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