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Ost und West · 1903-03-01 · Heft 3 (März 1903) · p. Seite 175 - 176

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 3 (März 1903)
Article
Die Frau im jüdischen Sprichwort
Date
1903-03-01
Page
Seite 175 - 176 (sequence 5)
Language
German
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175 Binjarain Segel: Die Frau im jüdischen Sprichwort. 176 Eine ausgeheiratete Tochter gleicht einem abgeschnittenen Stück Brod. Die abgeschnittene Brodstulle lässt sich mit dem Laib nicht mehr vereinigen; die ausgeheiratete Tochter ist von ihrer Familie abgetrennt. Eine einzige Tochter soll man freien — einem einzigen Sohne soll man leihen. Da nämlich die Eltern seine Schulden bezahlen werden. Die Meinung geht also dahin, dass den Mädchen die Verhätschelung wohlthut. Wenn der Sohn heiratet, giebt er der Frau eine Kethubah und der Mutter einen Get. „Kethubah" ~ Ehebrief; „Get" ~ Scheidebrief. * * -* Ein Vater ernährt zehn Kinder, und zehn Kinder nicht Einen Vater. * * * Stiefmütter — geben schütter. Nicht aus vollem Herzen, mit Missgunst. *- * -* Für eine gute Stiefmutter hält Gott im Himmel einen besonderen Thron bereit. Wenn der Vater dem Sohn schenkt, freuen sich beide, wenn der Sohn dem Vater schenkt, trauern beide. * * -* Lieber schenkst Du Deinem Kinde mit der warmen als mit der kalten Hand (beim Leben als nach dem Tode). Schwiegermutter und Schnur (Schwiegertochter) — fahren nicht mit derselben Fuhr'. * * -* Die Schwiegermutter vergisst, dass sie einmal selber Schnur gewesen. * * ■* Schwiegermutter und Schnur sind wie zwei Katzen in einem Sack. * * * Einen guten Schwäher ist schwer zu haben — einen schlimmen schwer zu begraben. * * * Eine Schnur und ein Eidam — das sind ein Paar Schedim, „Schedim" böse Geister, Teufel. * * * Die Tochter schilt man und meint die Schnur damit. * * * Hat man Kinder, Gesundheit und Geld — braucht man nichts Schöneres in der Welt. * * Will einer sich ein eigenes Haus bauen oder * * ein Kind ausheiraten, so hat Gott dafür einen be- Besser ein Sohn, der Bader, als eine Tochter, sonderen Schatz (aus dem er die Mittel dazu gewährt). . die Rabbinerin ist. Dem Sohne fällt nämlich das .Recht und die Pflcht zu, naeh dem Tode der Eltern Kaddisch zu sagen. * * * Die Tochter (steht bei) in der Not — der Sohn nach dem Tod. * * ■fr Von Einem Elternpaare können zehnerlei (verschiedene) Kinder abstammen. * *- -X- Ein einziger Sohn ist ein halber Meschumed (verdorben durch Verhätschelung). * * Ein Bruder ein Feind ist ein Todfeind. * * * Die Zinsen sind lieber als das Kapital. Man liebt die Enkel mehr als die Kinder. * * *r Der Sohn — wie er gerät; der Eidam — wie man ihn wählt, * * *- Kinder und Glas kann man nie zuviel haben. Weil das gebrechliche Dinger sind. * * * Gott behüte uns vor Einem Kinde und Einem Hemde. Schlussbemerkung: Ohne mich in Folgerungen aus den obigen liehe Untreue und Leichtfertigkeit der Frau be¬ Sprichwörtern einzulassen, will ich nur darauf hinhandeln, — ein Thema, welches anderwärts den weisen, dass ich bei den Juden so gut wie gar allermeisten Stoff zu den Sprichwörtern über die keine Sprichwörter gefunden habe, weiche die ehe- Frau liefert.

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