Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 2 (1902)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1902)
- Article
- Unsere Illustrationen [Rezension]
- Date
- 1902-12-01
- Page
- Seite 845 - 846 (sequence 2)
- Language
- German
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845 Unsere Jllustrationen. 846 das ist sein ganzes gang ab. Eiii alter Mann mit dem Betkleide «angethan, hält seine Thora, und ein junges Kind fasst die heiligen. Rollen. Dem alten Mann ist 'es eine tief bedeutsame Handlung des Lebens, er senkt seine Augen und senkt seine Seele in sein Thun. Er hält nur fest Handeln in der Erscheinung, und doch leben jetzt alle Tiefen seiner Seele auf, und ein Traum durchzieht sein Wesen, -ein Traum von h eiliger Tröstung und von Liebe der Geschlechter. Ruhig steht er da, und nur seine Haltung, seine Miene erzählt etwas , etwas von einem leisen Flüstern einer heimlichen Wonne, und ■die Hände deuten die Erzählung und das Flüstern. Weich und liebend fassen sie und sagen durch Tasten, wovon die Lippen schweigen. Und das Kind bei ihm soll es auch lernen; gasten lernen, wie er getastet, und schweigen lernen, wie er geschwiegen,einSchweigen, das Gebet ist. Es neigt sich auch ehrfurchtsvoll, still geschäftig „im Dienste Gottes", umfangen von der Stimmung, die von dem Greise h erübeiieuchtet. Nur mehr als stören, Stimmung. denn das Geistreiche 'tötet die % *$*S i 0mmm* .: lk#f jfsgg r%M ' *> ■ ..->:.. J^;%jfe' r /; f#lpp: :U * -V.& 'ttm-m-' -jm %mmmm ■ ■ -Mi-fk Im Mi rfj ^.i^^iäHP' ^^1^^^^' >*Jmm ^■-mmW^M 'W ^MmJmm^ '-mW "*~~'^%s <&BBB!r^Mi6^* l^s 'kr' Ä•ÖSJ?.(sfc. psil^ ^«s^ fö4Ü fe. ' ttk ' v A> ' X ^4;Vv 5!* / LJESSER URY. Moyse: ,,Th' filin." Es ist Morgen. Die Sonne wirft die ersten Strahlen über Erde und Menschen, und noch ist's still. Die „Boten Gottes" künden Tag über die Welt, so ist's Zeit zum Beten. Dort liegt dasBuch, darin die Gebete alle auf den viel umblätterten Seiten,daneben der Beutel. Das wird herbeigeholt, die Schaufäden werden geküsst und Gott gedankt, dass „er uns durch Gesetze geheiligt". Dann werden die Riemen um den Arm geschlungen, um den Kopf, und nun wird ein Gelöbnis uralter Jugendliebe gesprochen: „Und ich verlobe Dich mir für ewig". Das spricht der Mann jetzt. Er hat die sieben Streifen am Arm gezählt, die Form desBrauches beobachtet, nun kommt derTondes Herzens. Bräutliche Liebe, zwischen Gott und Mensch, einst und jetzt, und dann für ewig bräutliche Liebe. Die Vorist reich r*^Sä mmm Kunstverlag Piönix, Berlin 1NTW. Stellung an Bedeutung, an der zweite Knabe rückt etwas ab von dieser Einheit. Halb hineingezogen in den suggestiven Zauber der Stimmung, blickt er gedankenverloren ins Unbestimmte. Und da ist's, als steige leise Verwunderung heraus aus seiner jungen Seele, eine Verwunderung über den Gegensatz von Lebenslust der Jugend und Treue des Alters. Er blickt etwas störend hinein in diese sakramentale Idylle, dieser Knabe mit dem frischen Mund und den leuchtenden Augen. Oder sollten diese Augen eine Frage aus einer andern Welt bringen, eine Frage nach der Bedeutung und dem Werte dieser Stimmung? Das wäre geistreich und würde Moses zerschmettert die Gesetzestafeln. (Entwurf zu einem Gemälde.) Schönheit und Verklärung. Wie weit die vorgeschriebene Form den Geist in Anspruch nimmt, wie weit die lebendige Liebe gottesseliger Prophetenzeit über ihm leuchtet, in der diese Vorstellung die Herzen entflammt hat, verschwimmt in der individuellen Erscheinung und darum auch in der Darstellung dieser Erscheinuno;. Lesser Ury: „Moses zerschmettert die Gesetzestafeln. Der Prophet steigt auf den Berg, das Volk bleibt in der Niederung. Und je höher der Prophet steigt, desto ferner kommt er dem Volke, er und