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Ost und West · 1902-12-01 · Heft 12 (Dezember 1902) · p. Seite 843 - 844

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 12 (Dezember 1902)
Article
Rjabtschik
Date
1902-12-01
Page
Seite 843 - 844 (sequence 8)
Language
German
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843 Scholem Aleichem: Rjabtschik. 844 jeder Fleischer seinen Hund hat, und jeder Hund seinen Fleischer . . . . ■ — Es ist aber doch schrecklich, dass ein Hund unter Hunden verderben, dass ein Hungriger unter Satten dem Tode anheimlallen kann! — Ich kann Dir nur mit einem Seufzer helfen, — äusserte Schuck, gähnte und versank in einen Halbschlaf. — Uebrigens, wenn es so eingerichtet ist, will ich einmal zu den Fleischern hinübergehen, vielleicht werde ich mir einen Knochen ausfechten, wenn ich tüchtig belle. — Mit Gott! wünschte Schuck. Wage Dich aber nur nicht an meinen heran, sonst mache ich aus Deinem Wedel das, was mit meinem, den ich längst nicht mehr habe, passiert ist. Siehst Du? X. Unverzüglich lief Rjabtschik zu den Schlächtern. Bald hub er an zu schmeicheln, zu wedeln und in verwegener Weise umher zu springen. Aber sein Pech verfolgte ihn auch diesmal: ein breitschultriger, robuster Fleischerbursche warf nach ihm ein Beil, und hätte Rjabtschik nicht springen können, so wäre er zweifellos in zwei Hälften zerfallen. — Du tanzt ja gar nicht schlecht! — bemerkte spottend Rudeck, sogar besser als Suseck. Suseck, komm mal her, schau zu, wie man tanzen muss! Suseck sprang herbei und hopste Rjabtschik direkt ins Gesicht. Das war zuviel für Rjabtschik, Er packte Suseck mit den Zähnen, warf ihn zu Boden und biss ihn in den Bauch. Seine ganze Wut liess er gegen ihn aus. Dann aber lief er weit, weit bis zur Stadt hinaus. — Rjabtschik war lange im Felde umhergerannt, als er sich endlich auf einer grünen Wiese ausstreckte. Aber seinen Kopf versteckte er, weil er sich vor der Sonne schämte, tief ins Gras. — „Du schwarze Erde!" — dachte Rjabtschik. — Ein Hund soll unter den Seinigen, unter Eingeborenen, noch nicht einmal einen Tag leben können? Da soll ja die Welt untergehen!! . . UNSERE ILLUSTRATIONEN. M. van Hove: „Andacht in der Synagoge. Ein Werk von einer Stimmung des Malerischen, in einer Art koloristischer Verklärung gesehen. Der unmittelbare Impuls des Lebens wie hinweggerückt, in ein reizvolles Wechselspiel von Licht und Schatten gesetzt. Das Werk scheint reich an Gegensätzen und Nuancen. Die Andacht, die in Gesängen des Weihetages durch den Raum schwebt, scheint dem Künstler in der Form in die Erscheinung getreten zu sein, wie das Licht sich über einen Raum legt, alles mit Leben und Schönheit übergiesst und Schwere und Starre beseelt. Die Komposition von geistreich gehobener Einfachheit; in der Linie von freier Breite, in der Lichtwirkung lose spielend, zwanglos einem Mittelpunkte zugeleitet; in den Lichtmassen und ihrer Verteilung über die organischen Gruppen von stark dekorativer Wirkung. Ein dunkler Raum in weiter Dehnung. Durch eineBogenöffnung eines Fensters schwaches, einsames Licht, schwer unterbrochen, zaghaft einfallend. Dann ragt es vertikal in die Höhe und durchquert belebend den dunklen Höhenteil des Raumes. In vermittelndem Gegensatz durchschneiden diese Leuchter den Raum, nach unten hin reflektieren die ornamentierten Gestelle das aufgefangene Licht und leiten zur Helle über, die über die weissen Gestalten der Betenden breit und satt darniederfällt. Jetzt beginnt der dunkle Teil zu leben, er tritt aus seiner Neutralität heraus und schafft mit an der Belebung der Gegensätze. Jetzt lagert das Dunkel auf den leuchtend bewegten Massen und löst die Spannung aus zu einer dekorativen Wirkung des Ganzen. Darunter eine starke Lebendigkeit der Gestalten und des Lichtes auf der abgeschlossenen Erhöhung, unterbrochen von dem matteren Lichte der schwerlinigen Kanzelbrüstung, dann setzt sich das fort, bis es sich in den Hintergründen in feinem Spiel der Schattierung und Belebung langsam verliert. Im Mittelpunkte alles ganz in Licht und ganz in Gebet, dann beschauliche Halbandacht und Helldunkel, Umrisse, gesenkte Brauen, Schattenbilder. Und in dieser Gliederung immer die Centrale der Komposition und des psychischen Zusammenhangs gewahrt. Links zwei sitzende Männer, in ihr Gebetbuch vertieft, wie zu eigner Andacht abgesondert. Vor ihnen aber in massigen Schatten eine stehende Gestalt, die ihre Sonderung aufhebt und sie gleichsam dem Mittelpunkt zuschiebt. Oder der Aufbau rechts. Erst die einsam abgewandte Gestalt im Hintergrunde, dann die Gruppe der anderen Männer in seitlicher Wendung; diese leitet wieder den Kopf des stehenden Mannes im Vordergrunde in seiner betonten Beleuchtung dem Mittelpunkte zu, bis der Kreis dann von der sitzenden Rembrandt'schen Figur zu einheitlicher Stimmung rückgeleitet wird. Nun beten sie alle zusammen. M. Leon: „Das Aufrollen der Thora." Eine fein belauschte Szene von einem Schüler van Hove's, der im jugendlichen Alter starb. Intim und weihestill spielt sich der Vor-

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