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Ost und West · 1902-11-01 · Heft 11 (November 1902) · p. Seite 791 - 792

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 11 (November 1902)
Article
Revue der Presse
Date
1902-11-01
Page
Seite 791 - 792 (sequence 2)
Language
German
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m Revue der Presse. 792 Vertragsveipflichtungen gegenüber den Juden in ausserordentlicher Weise verletzt wurden. Major Gordon gedenkt, einen entsprechenden Dringlichkeitsantrag im Parlamente ein? zubringen. « # * Der „Breslauer Zeitung" wird aus Czenstochau über die doitigen Krawalle noch folgendes gemeldet: „Die misshandelten und ausgeplünderten Juden haben die ihnen vom Generalgouverneur aus den Kollekten-Geldern, der dort im Bau begriffenen katholischen Kirche angebotene Entschädigung abgelehnt, da sie aus diesem Fonds sich nicht bezahlt machen wollen. Der Czenstochauer Rabbiner verhängte über den Bierbrauer Schweder, der beschuldigt wird, den Pöbel zu den Ausschreitungen mit angestiftet zu haben, den Boykott. Darauf hat sich der Bierbrauer bereit erklärt, 200 000 Rubel zur teilweisen Schadloshaltung der Geschädigten herzugeben; der Rabbiner hat aber den Boykott nicht zurückgezogen. Auf Anweisung des noch immer in Czenstochau weilenden Gouverneurs aus Petrikau müssen die geschädigten jüdischen Kaufleute buchmässig nachweisen, welchen Schaden sie erlitten haben. Die wegen Anstiftung verhafteten katholischen Geistlichen sind bis auf zwei bereits aus der Haft entlassen. Ein Telegraphenbeamter, der bei Beginn des Aufruhrs die seitens der Bedrohten nach auswärts aufgegebenen Depeschen nicht sogleich weiter beförderte, wurde verhaftet. Sechs Waggons Verhaftete sind in einem Eisenbahnzuge in die Citadelle nach Warschau geschafft worden. 155 Geschäfte sind total ruiniert. Der bis jetzt ermittelte Schaden beläuft sich-auf 2 Millionen Rubel." Zur Statistik der Juden in Rumänien schreibt die „Jüdische Presse*': Nach einer im Jahre 1877 vorgenommenen Zählung lebten in den vereinigten Fürstentümern Moldau und Walachei 218 304 Juden; nach der von 1894 waren es 243 225, nach der von 1899, der letzten, 269 015. Die christliche Bevölkerung hat sich in diesem Zeitraum von 4 582 600 auf 5 912 520, also um 1 329 920 Seelen oder 29 pCt., vermehrt, die jüdische dagegen nur um 50 711 Seelen, gleich 23 pCt. Wohlgemerkt, diese 22 Jahre enden vor dem Termin, an dem die grosse Auswanderung beginnt. Es lässt sich nun leicht nachweisen, dass die natürliche Vermehrung in diesen 22 Jahren eine weit grössere gewesen ist. Die unsere Glaubensgenossen betreifenden Ziffern sind die folgenden: Geburten Todesfälle Ueberschuss 1878 ' . . 7 421 ' 5 727 1694 1879 . . . . 8 604 4911 3 693 1880 . . . . 8 651 4 943 3 708 1881 .. . 9 178 4 858 4 319 1882 . . 9 164 5 915 *3 249 1883 . . 8 865 5 506 3 359 1884 . . 9 729 4 626 5 103 1885 . . 9 542 5 036 4 506 1886 . . 9 453 5 194 4 259 1887 . . 9 385 5 476 3 909 1888 . . . . 9 556 6 171 3 385 1889 . . 9 448 5 624 3 824 1890 . . 9 717 5 339 4 378 1891 . . ... 9 779 5 746 4 033 1892 . . . . 10 085 5 498 4 587 1893 . . . . 10 336 5512 4 824 1894 . . . . 10 317 5 460 4 857 1895 . . . 10710 5 576 5 134 169 940 97 119 72 821 Wird zu den Ziffern von 1877 der Geburten-Ueberschuss von 1878—95 hinzuaddiert, so gelangt man zu folgendem Resultat: 218 304+ 72821 291125 Juden. Dazu kommen die Ueberschüsse der Jahre 1896—99, für welche die Ziffern fehlen, die aber mindestens auf 20000 Seelen zu veranschlagen sind, so dass im Jahre 1899 die Zahl der Juden in Rumänien ohne jede Einwanderung mindestens 311000 Seelen betragen musste. Sie betrug aber thatsächlich nur 269015, das heisst: es sind in den 22 Jahren von 1878—99 mindestens 52 000 Juden aus Rumänien mehr ausals eingewandert! # # In „Scribner's Magazine" lesen wir über die WohnungsVerhältnisse der Juden in London: Das S}rstem der Aftermiete hat unter den Juden in London eine unglaubliche Ausdehnung erhalten Es kommt vor, dass in dem einen Raum, der schon von einer zahlreichen Familie bewohnt wird, noch zwei, drei oder mehr Aftermieter aufgenommen werden. Es kommt häufig vor, dass die Kinder unter dem Bette schlafen müssen, während das Bett selbst vermietet ist. Ferner wird manchmal dasselbe Bett solcher sogenannter Wohnungen an eine Reihe von Mietern vergeben, so dass der eineM dasselbe von 10 Uhr abends bis 6 Uhr morgens zu benutzen das Recht hat, während von 6 Uhr an ein anderer Aftermieter in die Rechte bis 2 Uhr tritt und endlich ein dritter wieder von 2 Uhr nachmittags bis 10 Uhr abends davon Besitz nimmt! *^*j+*^^^*^*jG+^X^^mkJ*+^i4^*^1^mf^^+*^i^^^+lt^*rS*^ Abonnementspreis für das Halbjahr in Deutschland und Oesterreich Mark 3,50, für das Ausland Mark 4für Russland ganzjährig 4 Rubel, halbjährlich 2 Rubel. Einzelhefte ä 35 Kop. ---------«-.---Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes, durch alle Postämter des Deutschen —--—.------~ "—-------Reiches unter No. 5785 a der Postzeitungsliste und durch die Expedition dieser Zeitschrift. —-—-------------— ^^Mnzeigen 50 Pfg> die viergespaltene Petitzeile, grössere Ansteigen nach Tarif, bei Wiederholungen Rabatt. Stellen-Gesuche und -Angebote zum halben Preise. Adresse für die gesamte Korrespondenz: S. CALVARY & Co. (Inh. HUGO BLOCH & Dr. F. GOTTHELF), Verlaganuclihandlung und Antiquariat, Berlin HW., Neue Wilhelmstrasse 1. ■^ii^^^i^^^^i^^^^^^^ii^^^^^^^Vi^^^^^^i^^^i^^^^^^^Vi^^^^^^^^f^^^^^^^i^^^^^i^^ Verantwortlicher Redakteur: Leo Winz, Berlin, Altonaerstr. 36. — Verlag von S. Calvary & Co., Berlin NW. 7. Druck von Pass & Garleb, Berlin W 35.

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