Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 2 (1902)
- Issue
- Heft 11 (November 1902)
- Article
- Revue der Presse
- Date
- 1902-11-01
- Page
- Seite 789 - 790 (sequence 1)
- Language
- German
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789 790 REVUE DER PRESSE. Der bekannte Redakteur des hebräischen Tageblattes „Hazefirah." (Warschau), Herr N. Sokolow, schreibt in der letzten Nummer der „Welt*4 über die soeben in Wien abgehaltene Jahreskonferenz der Zionisten n. a.: „Der Verlauf der Jahreskonferenz hat gezeigt, dass es Entstellung, Fälschung und völlige Umkehrung feststehender Thatsachen ist, wenn man von der Phantasterei des Zionismus noch jetzt hie und da spricht. Nur unter dem Druck der Zeitverhältnisse und der Notwendigkeit können Institutionen entstehen, nur wo ein realer, von Wirklichkeitssinn durchdrungener Boden vorhanden ist, kann man Arbeitskonferenzen, bar von jeder Schaustellung, Rednereffekten und Massensuggestion, abhalten. Eine Bewegung, die nicht von sittlichem Ernst und edlem Eifer getragen ist, würde, ihrer Dekorationen beraubt, in erbärmlicher Nacktheit eines eigennützigen Treibens oder höchstens als krauses Zeug einen abstossenden Eindruck machen. Nun hat HERMANN STRUCK. Nach einer Originalradierung. Galizischer Jude. aber der ernste, anregende Verlaui de u Konferenz gezeigt, dass der Zionismus nicht nur idealistischer, moderner und fortschrittlicher ist, als die Quacksalberei des wirklich donquixotischen Assimilantentums, die an der Judenfrage herumpfuscht, sondern dass er, von einem gesunden und recht modernen politischen Grundgedanken ausgehend, auch praktisch arbeiten kann. Während die Zustände anderswo in einer heillosen Weise zerfahren sind, besitzt der Zionismus eine geregelte, unternehmende und arbeitslustige Verwaltung. Ja, man erinnere sich, welch geschwollener Sturzbach von Hohn und Spott sich über die „Phantasten" ergossen hat, und man stelle ihnen einen Geschäftskongress entgegen, wie wir ihn jetzt abgehalten haben. Und noch eins muss hervorgehoben werden. Eine ganze Fabel wurde über die internationale, gegen die Interessen der Länder gerichtete Thätigkeit des Zionismus ausgesponnen. Die Mythenbildner, die augenscheinlich von dem bekannten Grundgesetze ausgehen: lügst du schon, so lüge dick, citieren die Kongresse und Konferenzen der Delegierten verschiedener Länder als Bestätigung dieser Anklage. Nun beweist aber diese Argumentierung, wie sie die Dinge auf den Kopf stellen. Die Beteiligung der Delegierten verschiedener Länder beweist eben das Gegenteil von dem, was sie behaupten, und namentlich, dass man die Thätigkeit den Gesetzen und Bedürfnissen der Länder anzupassen bemüht ist. Sämtliche Faktoren des Zionismus sind darin einig. Dieses war auch der vornehmste Grundzug der Beratungen der Jahreskonferenz. Die mit Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit geförderte Interessengemeinschaft des jüdischen Volkes soll nichts enthalten, was irgend einen Gegensatz nach aussen schaffen könnte." Die Universität zu Kiew hat, wie die „Nowoje Wremja" meldet, das Unterrichtsministerium ersucht, die Aufnahme von sechzehn Juden zu gestatten, welche das Gymnasium mit der silbernen Medaille absolviert haben. Wiewohl das akademische Jahr bereits begonnen hat, ist dieses Gesuch der Universität bis jetzt noch nicht erledigt worden. Die „Oesterreichische Wochenschrift" schreibt: Die Frage der rumänischen Juden wird demnächst im englischen Parlament diskutiert werden. Der englische Abgeordnete Major Gordon hat in den letzten Wochen Rumänien bereist, um sich mit eigenen Augen von der Behandlung der Juden zu überzeugen. Sein Urteil geht dahin, dass dort die