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Ost und West · 1902-10-01 · Heft 10 (Oktober 1902) · p. Seite 719 - 720

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 10 (Oktober 1902)
Article
Revue der Presse
Date
1902-10-01
Page
Seite 719 - 720 (sequence 3)
Language
German
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719 Revue der Presse. 720 furt a. M., entnehmen, haben sowohl das Waisenhaus als auch die Schule in Jerusalem Fortschritte im Vereinsjahr gemacht. Infolge der vermehrten Einnahmen konnte die Zahl der Waisenzöglinge von 29 auf 32 erhöht werden. Der deutsche Konsul, wie auch der österreichische, haben bei vielen Gelegenheiten der Anstalt ihre Teilnahme bewiesen. Durch Einschreiten des deutschen Kcnsuls ist es u. a. gelungen, der Anstalt die Zollfreiheit beim Zollamt in Jaffa, die ihr seit ihrer Gründung gewährt, neuerdings aber entzogen worden war, wieder zu erhalten. Diese Lämmelschule war zu Beginn des Schuljahres 1901 von 147 Schülern gegen 127 im Vorjahre besucht, in diesem Jahre ist die Zahl der Schüler auf 172 aügewachsen. Die Zunahme zeigt, wie notwendig es war, dass ein neues eigenes Schulgebäude errichtet wird, was durch eine Zuwendung von 70 000 Frcs. seitens der Jewish Colonization Association nunmehr geschehen kann. Die Einnahmen des Vereins beliefen sich auf 45 641 M., die Ausgaben auf 37 951 M., der Efektenbestand auf 155 755 M. Zahlreiche Geldgeschenke waren auch in diesem Jahre wieder von privater Seite eingelaufen. * * * Berliner Lokal=Anzeiget\ In der Juden Strasse waltet die Spitzhacke des Maurers. Ein ganzer Häuserkomplex ist niedergelegt, wie lange der andere noch stehen wird, wer weiss es? Es ist ein Stück interessanter Berliner Vergangenheit, das mit der alten Jüdenstrasse' zu Grabe geht. Die Geschichte der Berliner Juden ist eng mit ihr verknüpft. Die Juden waren in unserer Stadt schon unter den Askaniern ansässig, genossen unter den Wittelsbachern als des Maikgrafen „Kammerknechte" sogar nicht unbedeutendes Ansehen. Das Stadtbuch hat ein ganzes Kapitel mit der Ueberschrift: „Hier beginnt der Juden Recht." Das Ghetto Alt-Berlins lag auf dem grossen Jüdenhof, er bestand schon um 1200 und trug schon damals eine Synagoge. Im 13. Jahrhundert standen neun „JudenbudenM darauf. 1348 fand in Berlin die erste Judenverfolgung statt. Die elenden Baracken des Judenhofes gingen in Flammen auf, wer mit dem Leben davonkam, wurde unter entsetzlichen Greueln aus der Stadt vertrieben. Erst nachdem Berlin sich mit dem bayerischen Markgrafen versöhnt hatte (nach der Komödie des falschen Waldemar), durften die Kinder Israels von neuem ihr altes Heim beziehen. Bis 1510 konnten sie in Frieden wohnen, dann stachelte der unsinnige Hostienpiozess die Volkswut und vor allem den Zorn Joachims I. auf, 38 Juden wurden unter fürchterlichen Martern auf dem Neuen Markt verbrannt, die übrigen mussten Berlin und die Mark verlassen. Joachim II. Hess die Verfolgten gegen ein „Schutzgeld" von 42 000 Thalern zurückkehren. Lippold ben Chluchim, „Jude Lippold", gehörte bekanntlich zu seinen Günstlingen. Der Jüdenhof war damals nicht mehr die einzige Wohnstätte der Berliner Juden. Lippold selbst wohnte bereits in der Breiten Strasse (nach anderen in der Stralauer Strasse). Johann Georg, der den Freund seines Vaters bekanntlich ebenfalls verbrennen Hess, wies auch die Juden wieder aus. Sie kehrten indessen bald zurück. — Auf dem Judenhof steht ein Haus von holländischer Bauart, es gehörte im 18. Jahrhundert einem Refugie Duram, der die Oberaufsicht über die Juden führte. Eine Duram wurde durch Heirat später die Grossmutter der Brüder Humboldt, und so stammen denn zwei unserer ersten Geisteshelden quasi auch aus dem Jüdenhof. * * * Coburger Zeitung. Von der Zähigkeit des Judentums handelt eine Arbeit, die Arthur Ruppin in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" veröffentlicht. Es heisst da: Ein Blick auf Deutschland —• von Russland und den Balkanstaaten gar nicht zu reden — zeigt uns, dass die Juden in ihrem Gros noch immer eine zusammenhängende Masse bilden und von ihren Rasseeigentümlichkeiten bisher nicht sehr viel verloren haben.....Zieht man zwischen der Einwirkung der Germanen auf die Juden und der Juden auf die Germanen einen Vergleich, so wird man wahrscheinlich zu dem Ergebnis kommen, dass die Juden bei dieser Wechselwirkung mindestens in gleichem Maasse auf die Germanen verändernd zurückgewirkt haben, als sie selbst verändert worden sind. Die Juden haben auf die Gestaltung der wirtschaftlichen Verhältnisse Deutschlands und der deutschen Geistesbildung bedeutsam eingewirkt, und sie haben als Rasse im Verhältnis zu ihrer Anzahl den Germanen mehr gegeben als von ihnen genommen. Es ist eine nicht zu bezweifelnde Thatsache, dass bei einer Mischung zwischen Juden und Christen fast regelmässig das jüdische Blut durchschlägt, so dass das Kind der Rasse nach weit mehr dem Judentum als dem Germanentum angehört. Erst die Abkömmlinge dieses Kindes, wenn es sich mit einem Germanen oder einer Germanin verheiratet, nähern sich mehr dem Germanentum, doch ist das jüdische Blut oft in der 4. und 5. Generation noch zu erkennen. S^mj+*^^**+mf+*^*^i^mj+*^*fi^*^i^mJ+^^ Abonnementspreis für das Halbjahr in Deutschland und Oesterreich Mark 3,50, für das Ausland Mark 4,— für Russland ganzjährig 4 Rubel, halbjährlich 2 Rubel. Einzelhefte ä 35 Kop. ^-------— Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes, durch alle Postämter des Deutschen----—.-----~- ----~--~——---Reiches unter No. 5785 a der Postzeitungsliste und durch die Expedition dieser Zeitschrift.--------------~ Anaeigen 50 Pfg. die viergespaltene Petitzeile, grössere Anzeigen nach Tarif, bei Wiederholungen Rabatt, Stellen-Gesuche und -Angebote zum halben Preise. Adresse für die gesamte Korrespondenz: S. CALVARY & Co. (Inn. HUGO BLOCH & Dr. F. GOTTHELF Verlagsbuchhandlung und Antiquariat, Berlin KW., Heue Wilhelmstrasse JL •f^m***?**^****!******^^^ Verantwortlicher Redakteur: Leo Winz, Berlin, Altonaerstr. 36. — Verlag von S. Calvary&Co., Berlin NW. 7. Druck von Pass & Garleb, Berlin W 35.

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