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Ost und West · 1902-10-01 · Heft 10 (Oktober 1902) · p. Seite 705 - 706

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 10 (Oktober 1902)
Article
Sabbatnachmittag
Date
1902-10-01
Page
Seite 705 - 706 (sequence 5)
Language
German
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705 Theodor Zlocisti; Sabbatnachmittag. 706 Ihr Köpfchen hat sie tief in Grossvaters Schooss gepresst und nun liegt sie still da und träumt und alle träumen yon den armen Juden ... Minuten verstreichen und der fiebrige Gestaltensturm erstirbt . . . Jetzt hebt das Enkelkind wieder sein Köpfchen hoch. Aber es senkt es schnell. Minuten verstreichen Und wieder hebt es sein Köpfchen und blickt scheu und verstohlen, ängstlich, doch allmählich immer sicherer schon zum Himmel auf. Da breitet sich längst tiefschwarze Nacht. Aber aus dem Dunkel hebt sich hie und da ein weisses Pünktchen. Sterne, Sterne! — Sie leuchten ihr zu . . . lächeln und glitzern und funkeln und nicken, als wollten sie dem Kinde was sagen ... Aber das Mädchen versteht sie nicht. Verstehst du uns nicht?—! Immer neue Sterne brechen aus dem Dunkel hervor, und sie leuchten immer heller und sie funkeln in immer bunterer Pracht und nicken immer dringlicher und winken bittender immer: „Verstehst du uns nicht?" „Ach ja — ach ja! Schabbes ist aus." Und sie fasst schnell Grosspapa am Kaftan und zupft ihn, dass er aus seinem Traum erwache, und dann ruft sie ganz laut, dass es nur niemand im Stübel überhöre: „Seideleben, die Sternlachs steihn schoin am Himmel, 's ist Zeit, Mahriw ze dawnen." UNSERE PREISAUSSCHREIBEN. Aut die in unserer Zeitschrift veröffentlichten Preisausschreiben sind eine Anzahl von Arbeiten eingelaufen, deren grosse Mehrheit jedoch den von uns gestellten Anforderungen nicht entsprochen haben. Wir haben uns daher entschlossen, nur den zweiten Preis, sowohl des litterarischen als auch des künstlerischen Preisausschreibens, zu vergeben, und behalten uns vor, den ersten Preis nochmals auszuschreiben oder aber die ausgesetzten Beträge in einem dem Zweck unserer Preisausschreiben entsprechenden Sinne zu verwenden. Sobald eine Entscheidung hierüber getroffen sein wird» soll dieselbe unseren Lesern bekannt gegeben werden. Von den litterarischen Einlaufen wurde nach dem Urteil der Preisrichter mit dem zweiten Preise von 100 Mark bedacht die Novelle „DER RABBI" von ERNST GOGGENHEIM die, obwohl sie den Bedingungen des Ausschreibens in Bezug auf das Problem nicht vollkommen entspricht, wegen der durchaus modernen Form der Darstellung und des litterarisch wertvollen Inhalts für preiswürdig erachtet werden konnte. Von den künstlerischen Einlaufen wurde nach dem Urteil der Preisrichter mit dem zweiten Preise von 100 Mark bedacht die Zeichnung mit dem Motto: „UWO LEZION GOEL« von JULIUS COHN. Auch diese Arbeit entspricht nicht ganz den dem Preisausschreiben zu Grunde hegenden Anforderungen. Jedoch waren die Juroren der Ansicht, dass trotz des mangelhaften Einlaufs in jedem Falle die relativ beste Arbeit zu prämiieren sei. Die beiden preisgekrönten Arbeiten werden im November-Beft von „Ost und West'* publiziert werden. Die nicht prämiierten Arbeiten stehen gegen Angabe des Mottos den geehrten Einsendern zur Verfügung. Die bis 1. November dieses Jahres nicht zurückverlangten Arbeiten werden an diesem Tage nach Oeffnung des Begleit-Couverts an die Autoren zurückgesandt werden. Indem wir den geehrten Einsendern, und vor allem den Herren Preisrichtern für ihre Mühewaltung, unseren verbindlichsten Dank sagen, hoffen wir, dass vielleicht durch diese Veranstaltung manche Anregung gegeben wurde, die — über das momentane Ergebnis hinaus — von Nutzen sein wird, sei es durch gesteigerte jüdischlitterarische oder künstlerische Produktion, zu der hier der Anstoss gegeben wurde, sei es durch gesteigertes Interesse im Publikum. BERLIN, 1. Oktober 1902. VERLAG UND REDAKTION VON ,OST UND WEST".

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