Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 2 (1902)
- Issue
- Heft 9 (September 1902)
- Article
- Revue der Presse
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 647 - 648 (sequence 3)
- Language
- German
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647 Revue der Presse". 648 laufen aus nahezu allen rumänischen Städten ein. Ja! Wie heisst es im rumänischen Volksliede: „Ach, was nützt die schöne Braiu Und dass mein Getreide wächst, 's geht doch alles wie verhext. * * * „Frankfurter Zeitung** (20. August 1902). Der Bürgermeister von Jassy, Herr Penescu, hat gegenüber einem Redakteur des rumänischen Blattes „Universule" erklärt, dass in der Hauptstadt der Moldau grosse Not herrsche, und zwar hauptsächlich unter den Arbeitern, Handwerkern und kleinen Beamten. Am schmerzlichsten aber würde von der Armut ein grosser Teil der jüdischen Bevölkerung betroffen. Er, Penescu, habe persönlich eine Untersuchung veranstaltet und sich davon überzeugt, dass es jüdische Familien gebe, die mit 30 Centimes täglich leben! Auf die Frage, zu welchem Zwecke er diese Untersuchung veranstaltet habe, antwortete Herr Penescu, dass er dem Könige Bericht erstatten solle, der von ihm allerhand Einzelheiten habe wissen ^wollen. Der Bürgermeister von Jassy bemerkte ferner, dass nur die fürchterliche wirtschaftliche Lage die Auswanderung der Juden veranlasst habe. Aus Jassj' seien 6000 Juden ausgewandert, aber er hoffe, dass sich die materielle Lage der Einwohner von Jassy demnächst bessern werde, da man neue Industrien schaffen wolle. Nebenbei sei bemerkt, dass der Schulinspektor Mustazu in dem einen Jahre 1901/1902 fünfzig jüdische Schulen auf administrativem Wege geschlossen hat, weil die Lehrgegenstände „nicht entsprechend dem analytischen Programm" gelehrt werden. Derselbe Inspektor hat bei seinem letzten Besuche der Talmud-Tora von Padul-Iloie'i bei Jassy dieses Institut geschlossen, weil der Unterricht in der hebräischen Sprache nicht entsprechend dein Programm gewesen sei und die Schüler nicht Handbücher mit hebräisch-rumänischem Texte gehabt hätten. Die Auswanderungsbewegung hat nun auch die bessergestellten jüdischen Bevölkerungsklassen ergriffen — Kaufleute und Industrielle liquidieren ihre Geschäfte und waniern nach Amerika aus. Nach der Abreise dieser Familien wird das Elend unter den Zurückbleibenden nur noch grösser werden. Besonders arg scheint die Not unter den jüdischen Handwerkern von Piatra zu sein, wo es an Arbeit fehlt. Die zweite Sektion des Kassaüonshofes hat vor kurzem in einem Streitfalle zwischen Juden ein Urteil gefällt, das insofern interessant ist, als in demselben die Bemerkung vorkommt, dass, obgleich der Bittsteller selbst Jude ist, „dennoch die Juden nicht Fremde sind, ausser wenn nachgewiesen wird, dass sie Unterthanen eines fremden Staates sind." Diese Definition sollte sobald als möglich auch von der Regierung und den Kammern als die einzig richtige anerkannt werden. Uebei die sozialen Verhältnisse der Juden in Preussen und Deutschland giebt die „Politisch-anthropologische Revue" folgende Daten. Die Zahl der Juden auf der ganzen Erde beträgt etwa 7,5 Millionen; davon entfallen auf Europa 6 287 000, und zwar auf Oesterreich 1 142 000, Russland 2 205 000*), Deutschland 570 000, Grossbritannien 160 000, Frankreich 72 000. Bis zum Jahre 1880 stieg die prozentuelle Zunahme der Juden in Preussen beständig; nun ist sie von den damaligen 13,3 v. H. pro Tausend auf 11,4 gesunken, und es ist auch infolge einer fortgesetzt niedriger werdenden Geburtsziffer ein ähnlicher Rückgang in ganz Deutschland zu. konstatieren. Auf 38,15 Geburten bei Christen kommen heute nur noch 22,25 bei Juden. Einer der Gründe dieser seltsamen Erscheinung scheint darin zu liegen, dass der Wohlstand der jüdischen Bevölkerung im 19. Jahrhundert stark gewachsen ist, und dass dadurch das Zweikindersystem bis zu einem gewissen Grad auch aufgenommen wurde. Aber auch die jüdischen Eheschliessungen sind zurückgegangen; auf 1000 christliche Ehen im Jahrfünft 1875 bis 1879 entfielen 11,42 jüdische, von 1895 bis 1899 nur noch 9,49 jüdische. Die Juden haben im Jahrfünft 1893 bis 1897 die ausserordentlich kleine Sterbeziffer von 14,73 pro Tausend erreicht, eine Zahl, die als Mortalitätsziffer der Gesamtbevölkerung heute von keinem Staate der Welt erreicht wird. Interessant ist, dass in den Ehen zwischen christlichen Frauen und jüdischen Männern jährlich nur 1,52 bis 1,58 Geburten, in solchen zwischen christlichen Männern und jüdischen Frauen 1,70 bis 1,83 Geburten auf eine Eheschliessung kommen, während auf eine rein christliche Eheschliessung 4,40 und auf eine rein jüdische 4,57 bis 3,77 Geburten fallen. Die Rassenkreuzungen sind also weniger fruchtbar, als man gemeinhin annimmt. Diese Angaben würden auch zu den Thatsachen stimmen, die Dr. M. Engländer in einem Aufsatze über die Krankheitserscheinungen der jüdischen Rasse mitteilt. Er konstatiert, dass die Juden des Ostens sich zweifellos in einem physischen Verfalle befinden, die bei nicht genügender Nahrung und unter sonst ungünstigen Verhältnissen der Tuberkulose in grosser Zahl verfallen. Die Juden des Westens leiden dagegen sehr an Nerven- und Geisteskrankheiten, Zuckerruhr und Glaukoni (grüner Star), während Alkohol und S)rphilis weniger Verheerungen unter ihnen anrichten, als bei den Christen. Auf 763 Juden kommt ein Idiot, wogegen bei anderen Nationen erst beinahe auf die doppelte Zahl ein Idiot zu setzen ist Die Hauptursachen dieser Entartung sind aufregende Nerven- und Gehirnarbeit im Daseinskampfe, sei es auf geistigem Gebiete oder im Erwerbsleben und auch Verwandtenheirat oder Familien-Inzucht. *j Diese vier Zahlen für die Gesamtjudcnheit, Europa.. Oesterreich und Russland sind falsch. Die Red. iXjwM*^w^r^jir^*TnrLi'^«\p"*"^X^^M"^i<"üiii*i'ü' iJ^i#hb i \p •* i/^jh ^i^j njf itlKJ'frf u TjHfiQi^j^ v q^'»_rili^u ^ij^ir»_i< rij^^^'j^V*^ «yrM""» Abonnementspreis für das Halbjahr in Deutschland und Oesterreich Mark 3,50, für das Ausland Mark 4,— für Russland ganzjährig 4 Rubel, halbjährlich 2 Rubel. Einzelhefte ä 35 Kop. ----------■---Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes, durch alle Postämter des Deutschen —■-^—■-.- -—-—---—---Reiches unter No. 5785 a der Postzeitungsliste und durch die Expedition dieser Zeitschrift. —-—-----——- Anzeigen 50 Pfg. die viergespaltene Petitzeile, grössere Anzeigen nach Tarif, bei Wiederholungen Rabatt. Stellen-Gesuche und -Angebote zum halben Preise. Adresse für die gesamte Korrespondenz: S. C A L VA RY & Co. (Inh. HUGO BLOCH & Dr. F. GOTTHELF) Verlagsbuchhandlung und Antiquariat, Berlin HW., Heue Wilhelmstrasse 1. *f)t+^+>1^*)ß^+^+^ni^*4**^^*+mf**^*m^+^ Verantwortlicher Redakteur: Leo Winz, Berlin, Altonaerstr. 36. — Verlag von S. Calvary & Co., Berlin NW. 7. Druck von Pass & Garleb, Berlin W 35.