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Ost und West · 1902-09-01 · Heft 9 (September 1902) · p. Seite 627 - 628

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 9 (September 1902)
Article
Makarka
Date
1902-09-01
Page
Seite 627 - 628 (sequence 6)
Language
German
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627 R. M. Chin: Makarka. 628 in denselben mit fürchterlicher Schnelligkeit und alles, alles war verschwunden . . . * * Ein Arbeiter, der am Früh morgen in den Schuppen nach Holz gekommen war,. entdeckte dort Makarka. Er glaubte i eine menschliche Stimme vernommen zu haben, schaute sich um und erblickte im Wagen Makarka in halbsitzender Haltung, mit den Händen gestikulierend. Er .trat an ihn heran, versuchte mit ihm ein Gespräch anzuknüpfen, und als er merkte, dass jener ihn nicht verstand, dachte er: „es ist wohl gar . von Sinnen, das Herrlein", — und lief hin, um die Herrin zu wecken. Als Channa Makarka erblickte, prallte sie entsetzt zurück. Er lag ausgestreckt im "Wagen, "mit/ nackter Brust und nackten Beinen, und murmelte etwas rasch und undeutlich vor sich hin. Auf seinen brennenden Wangen waren Thränenspuren zu sehen.' •.../.. — „Fjodor, trag ihn . nach Hause, ich werde Dir helfen," befahl sie dem Arbeiter. ■ :— „Ich. werde ihn auch allein tragen können," — antwortete " er, den Knaben mit beiden Armen um* fassend. — . „Wie' er glüht, der Herzensjunge. Eure Natter hat dieses Kerlchen aufgerieben," — fügte er ganz offenherzig hinzu. Channa antwortete nicht und wankte, in Thränen aufgelöst, dem Arbeiter nach.. Auf der Treppe stiessen sie auf Abram Markowitsch. . Er war im Begriff, wegzugehen, als er aber diese Gruppe bemerkte, blieb er unwillkürlich stehen. Die Frau wandte ihm ihr ganz entstelltes, zorniges Gesicht zu. — „Freu' Dich," sagte sie — „Du brachtest ihn ans Grab." . . — ' „Schönt er wird nicht krepieren," — antwortete der Vater abgehackt, ,aber auf seinem mürrischen Gesichte erzitterte etwas, als vor seinen Augen ganz kraftlos Makarka's Beine vorbeibaumelten. Diese armen, nackten Beine schnitten ihm ins Herz wie mit einem Messer. Er ging einigemal durch den Hof, die neben dem Wasserfass liegenden Stiefel Makarka's erklärten ihm wortlos, um was es sich handelte. Er eilte in den Pferdestall, spannte selbst das Pferd an und in aller Eile jagte er zum Arzte hin. Bei Makarka bildete sich ein Typhus. Einige Tage phantasierte er im Fieberzustande ununterbrochen, ohne jemand zu. erkennen. Zum Bewusstsein zurückgekehrt, wunderte sich Makarka, als er merkte, dass er in seinem-Zimmer, in seinem Bette sich befand. Auf dem Tische brannte eine Lampe unter einem papiernen Schirm. Ueber die Wände huschten leise Schatten. Die Mutter beugte sich zu ihm nieder: — „Makarobschka, ist Dil besser?" sagte sie, und ihre harte, vom vielen Arbeiten grob gewordene Hand legte den. Eis-Beutel auf seinem Kopfe zurecht. Er warf ihr einen verwunderten Blick zu und strengte sich an, in Erinnerung zu bringen,, was mit ihm eigentlich vorgefallen sei. Und plötzlich entsann er sich . . . Sein vor Hitze brennendes Gesicht drückte Entsetzen aus: — „Der Vater,u flüsterte er — „ich fürchte ihn; wozu brachtest Du mich nach Hause?'1 ... — „Der Vater ist Dir. nicht mehr böse," — sagte sie, — „er bedauert, so hitzig gewesen zu sein, er liebt Dich ja, Makartschik" . . . — „Lass' doch, lass' doch," — flüsterte er, wieder das Bewusstsein verlierend. Es verstrichen einige Tage. Makarka phantasierte nicht mehr, er war bei vollem Bewusstsein, litt aber mehr als früher. Der Typhus wurde durch eine Lungenentzündung komplizierter. Der Arzt, den eine solche Wendung der Krankheit ängstlich machte, zog noch zwei Kapazitäten hinzu. Sie drehten und wendeten Makarka nach allen Seiten, klopften ihn, horchten, fühlten. den Puls und sprachen dann miteinander: Bei kleinen Abweichungen in der Diagnose stimmten alle darin überein, dass der Kranke hoffnungslos wäre. Als man Abram Markowitsch in Kenntnis davon setzte, erzitterte er wie ein Blatt. — „Er wird sterben . . . bald?" fragte er rasch, tief Atem holend. — „Nein, er kann noch 5—6 Wochen, sogar 2 Monate leben," — antwortete einer der Aerzte, indem er einen Fünfundzwanzigrubelschein als Bezahlung in die Seitentasche steckte. Abram Markowitsch wurde von dieser Nachricht tief erschüttert. Er hörte ganz genau den ärztlichen Urteilsspruch, glaubte ihm aber nicht; er konnte ihm nicht glauben. „Sie lügen, lügen," — tröstete er sich und eilte zum Sohn, wie wenn er sich persönlich überzeugen wollte, dass sie gelogen hatten. Makarka erkannte die Schritte des Vaters. Sein Herz, begann heftig zu klopfen, und ein stechender Schmerz, der ihn in der letzten Zeit nicht freiliess, wurde ihm so unerträglich, dass er die Augen zumachen und sich auf die Lippen beissen musste. Der Vater setzte sich auf den Rand des Bettes und nahm vorsichtig seine Rand. Makarka erzitterte, öffnete die Augen und begegnete dem gerade auf ihn gerichteten Blicke des Vaters. Und soviel Schmerz, Zaithart und Schrecken lagen in diesem Blicke, dass Makarkas Herz sich noch mehr zusammenkrampfte — jetzt aber schon vor Mitleid mit dem Vater. Die eingefallenen Augen füllten sich mit Thränen, und die trockenen, verbrannten Lippen flüsterten: — „Verzeih', Vater." — „Rege Dich nicht auf, reg' Dich nicht auf," — sagte der Vater, die Decke mit zitternder Hand ausbreitend, — „werde nur erst wieder gesund,. so wird auch alles wieder gut sein." ' Merkwürdig!. Und die Stimme bei Abram Markowitsch und das Gesicht waren nicht, mehr dieselben ... Kannte denn Makarka wirklich nicht seinen Vater? Plötzlich erinnerte er< sich an jenen Augenblick, als er geschlagen und zerblutet dem Vater zuschrie: „ich hasse Sie!"- Wo ist nun dieser Hass? Er ist zerflossen, löste sich von einer unerwarteten Liebkosung des Vaters in Dunst auf. Wie ist er ihm doch dankbar für diese Liebkosung! Makarka-ergriff seine Hand und begann sie mit Küssen zu bedecken. — „Verzeihen Sie mir doch, Vater," — begann er. wieder im Flüsterton, —. „ioh werde lernen Tag und Nacht, ich bin auch früher nicht faul gewesen, aber nichts wollte mir glücken ... Ich werde es aufs Neue versuchen." Und Makarka schluchzte so laut auf, dass man Mühe hatte, ihn zu beruhigen. ■••••.,.* * Der Sommer hatte seinen Höhepunkt erreicht. Makarka lag auf seinem Bette ■ und starb. — Er war von einer Zärtlichkeit umgeben, die für ihn so ungewöhnlich war. Die Mutter verliess ihn nie, besonders aber versetzte ihn der Vater in Erstaunen. Aerzte, Heilmittel, Süssigkeiten, teure Weine . . . Abram Markowitsch sparte nichts. Jede freie Minute brachte er am Bette des Kranken zu, sprach mit ihm, mass die Temperatur, und an dem Zittern seiner Hände konnte Makarka ganz sicher erkennen, dass die Hitze zugenommen hatte. — „Wahrscheinlich vierzig," ■—

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