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Ost und West · 1902-07-01 · Heft 7 (Juli 1902) · p. Seite 437 - 438

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 7 (Juli 1902)
Article
Die Anfänge des jüdischen Kapitalismus
Date
1902-07-01
Page
Seite 437 - 438 (sequence 3)
Language
German
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437 Dr. Franz Oppenheimer: Die Anfänge des jüdischen Kapitalismus. 438 RICHARD GOLDBERG-LEOBSCHUETZ. Sonnenstudie. Die Rassenfanatiker haben natürlich ihre Erklärung sofort bei der Hand: es war der unzerstörbare „Handelsgeist" des Volkes der Schacherer. Wir wollen nicht über diese Eselsbrücke eines denkfaulen Historismus gehen. Mir scheint eine andere Erklärung so einleuchtend, dass wir der Rassenhypothese entraten können, die grundsätzlich nur in den Fällen äusserster Not herangezogen werden darf. Schon vorher habe ich darauf hingewiesen, dass die jüdischen Händler durch ihre Sprache und ihren Kultus davor bewahrt wurden, in dem allgemeinen hellenistischen Kulturbrei aufzugehen, dass sie sich deshalb allein als scharf abgegrenzte ethnische Gruppe aus der übrigen Kaufmannschaft der antiken Welt heraushoben, und dass sie aus diesem Grunde der Konkurrenzneid der Mitbewerber besonders traf. Diese selbe ethnische Abgrenzung ist es meiner Ueberzeugung nach gewesen, die sie für die Funktion als Träger des Welthandels im frühen Mittelalter prädestinierte. Denn die griechische Weltsprache war, wie schon gesagt, aus ihrer beherrschenden Stellung verdrängt; man verstand sie nur noch im oströmischen Reich, erst die Renaissance brachte sie dem Westen wieder nahe: da gab es nur eine lebende Sprache, die in allen Handelsstädten des Orients und Occidents wenigstens von einigen Menschen gesprochen und geschrieben wurde, und diese Sprache war die hebräische! Das gab dem jüdischen Kaufmann einen Vorsprung vor allen anderen. Wohin immer er als Hausierer oder Karawanenführer kam, vom Indus und Baktrien bis zu den Säulen des Herkules, von Schottland bis zu den Oasen der Sahara, überall fand er sprach- und glaubensverwandte Fachgenossen, die der Landessprache und der Landessitten kundig waren, die ihm als Agenten und Faktoren, als Korrespondenten und Bürgen zur Verfügung standen. Ein solcher ungeheuerer Vorsprung auf einem so wichtigen wirtschaftlichen Felde war allein genügend, um die über alle Welt zerstreuten Juden, soweit sie eben Juden blieben, vorwiegend dem Handel zuzuführen, um so mehr, als sie als ethnische Fremde und religiös Andersgläubige kaum irgendwo Zugang zu dem fast einzigen Beruf einer naturalwirtschaftlichen Zeit finden konnten, zu dem Ackerbau. Denn alles bauwürdige Land war ja anfangs in den Händen halb völkischer, halb religiöser Genossenschaften, zu denen der Fremde keinen Zutritt hatte. Diese Erwägungen erklären m. E. zur vollen Genüge, auch ohne Heranziehung eines Rassen-

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