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Ost und West · 1902-06-01 · Heft 6 (Juni 1902) · p. Seite 379 - 380

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 6 (Juni 1902)
Article
L. Pasternak
Date
1902-06-01
Page
Seite 379 - 380 (sequence 5)
Language
German
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379 Pawetti: L. Pasternak. 380 L. PASTERNAK. Portrait. gegründet wurde, war mit den Jahren selbst recht dogmatisch und intolerant geworden. Ihre Vorliebe für soziale Themen, ihre starke Neigung zur sogen. Armeleutemalerei, das Interesse für das Stoffliche, Litterarische in Bildern auf Kosten des Künstlerischen wurde jungen Künstlern als Ideal gepredigt, und Pasternak gehörte zu den vielen, welche diesem unheilvollen Einfluss nachgaben. Spuren desselben lassen sich leicht in „Nach Hause", „ Schöpf erstünde" und einigen anderen Gemälden nachweisen, in denen das Malerische stark in den Hintergrund trat. Zum Glück jedoch nicht für lange. In den vorzüglichen „Studenten" fand der Künstler endlich sich selbst wieder und schüttelte endlich jede Tendenzmalerei von sich ab. In den letzteren Jahren, bei vollendeter Beherrschung der Form, sind es wiederum rein koloristische Motive, die in den Vordergrund seines Interesses treten. Und war ein solches Problem in dem intimen „Beim Lampenschein" noch nicht vollkommen gelöst, so ist sein letztes Bild „Tolstoj im Familienkreise" von einem malerischen und koloristischen Reiz, wie man ihn bei Pasternak bisher noch nicht gesehen hat. Das helle Licht der durch einen grünlichen Schirm geschützten Lampe durchrieselt das ganze Zimmer und hüllt Menschen und Sachen in seinen zauberhaften Mantel. Alles in allem ist Pasternak, .wenn auch keine stark ausgeprägte Individualität, ein grosser Künstler und Meister, der seinen Werken stets den Stempel hervorragenden Könnens, feinen Geschmacks und hohen künstlerischen Strebens aufdrückt. Er befindet sich jetzt im Vollbesitz seiner reifen künstlerischen Kräfte, welche uns sicher noch manches schöne Werk bescheren werden. Ist Pasternak ein „jüdischer" Maler? Auf den Blättern dieser Zeitschrift ist ja sehr viel über jüdische Kunst geschrieben worden, allein dem Schreiber dieser Zeilen scheint es doch recht schwierig, in den plastischen Künsten, abgesehen vom Thema, nationalen Spuren nachzugehen. Da Pasternak, mit wenigen Ausnahmen, nationale Themen in seinen Werken fast gar nicht behandelt hat, ist das Jüdische in ihnen nicht allzu offenbar. Aber ein aufmerksamer Beobachter dürfte doch einige markante Rassenzüge in seinem Oeuvre kaum übersehen. Ist dieser innige, herzliche Familiensinn, der sich in so vielen seiner Zeichnungen und Gemälde widerspiegelt, nicht echt jüdisch? Man muss das Gefühl für die warme Intimität des Familienlebens stark im Blute haben, um diese nährenden Mütter, diese spielenden und lernenden Kindergruppen, diese Theetischrunden so treffend, so lebenswahr und mit so viel Liebe darzustellen. So bringt L. -fAbXÜKN AK. Studie.

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