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Ost und West · 1902-05-01 · Heft 5 (Mai 1902) · p. Seite 331 - 332

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 5 (Mai 1902)
Article
Die Anfänge des jüdischen Kapitalismus
Date
1902-05-01
Page
Seite 331 - 332 (sequence 5)
Language
German
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331 Dr. Franz Oppenheimer: Die Anfänge des jüdischen Kapitalismus. 332 Nachdem er auseinander gesetzt, wie prächtig ein Jahrhundert zuvor in der grossen Zeit der Republik die öffentlichen Gebäude, und wie einfach die Wohnungen der Feldherren gewesen, klagt er: „Jetzt giebt es aber Staatsmänner, deren Privatwohnungen viele öffentliche Gebäude an Pracht übertreffen, und die so grosse Landgüter zusammengekauft haben, dass die Felder von Euch allen, die Ihr hier versammelt seid, ihnen an Ausdehnung nicht gleich kommen. "Was dagegen jetzt von Staatswegen gebaut wird, ist so unbedeutend und ärmlich, dass man sich schämen muss, davon zu reden." Ueberall in der ganzen antiken Welt, so weit sie auf Sklavenwirtschaft aufgebaut war, finden wir die gleiche Entwickelung: Niedergang der Bauernschaft und der freien Handwerker, Zusammendrängung eines ungeheuren Lumpenproletariats in den Hauptstädten, das für Revolten und Staatsstreiche ein immer bereites Rekrutierungsmaterial darbot, das nichts zu verlieren und alles zu gewinnen hatte; als seine wirtschaftlichen Ausbeuter und politischen Führer eine reiche in Luxus und überaus verkommene Aristokratie von grossen Grundbesitzern, Hofbeamten und höheren Priestern verbunden mit empor gekommenen Kaufleuten, Steuerpächtern und Industriellen. Und als Schlussergebnis eine gewaltsame Entvölkerung des Landes, sein finanzieller und militärischer Bankrott und seine Unterjochung durch eine frische Militärmacht, die noch nicht ihren Bauernstand durch das Latifundienwesen zerstört hat. So war es in Mesopotamien und Egypten, so in Attika, Sparta, Boeotien und Makedonien, so in Rom, und nicht anders in Juda. Wenn das einst so mächtige Reich, das unter Salomo das Zünglein an der Wage der damaligen Weltpolitik darstellte, unter seinen Nachfolgern so tief verfiel, dass es zum Spielball der Assyrer, Perser, Aegypter, Griechen und zuletzt Römer werden konnte, dass seine Bevölkerung zum grossen Teil ins Exil fortgeführt werden konnte, dann ist in erster Linie das Institut der Sklaverei und das Latifundien-Unwesen schuld daran. Und das verstanden seine grossen Männer, die Propheten, sehr genau. Wie in Griechenland ein Solon, in Rom die Grachen den verderblichen Prozess der Enteignung und Besitzanhäufung durch ihre Landgesetze zu hemmen o o versuchten, so ist auch das niemals durchgeführte Institut des Jubeljahres eine Seisaahthia, eine Lastenabwälzung, die das alte Gleichgewicht der Vermögensteilung und politischen Machtverteilung immer wieder herstellen sollte, wenn es verloren war. Aber liier, wie überall sonst, blieb das Gesetz ein papierener Buchstabe; die Macht der Besitzenden war viel zu gross, als dass die segensreichste Massregel gegen ihre scheinbaren Interessen hätte durchgeführt werden können; sie zeigten genau denselben Charakter, dieselbe kurzsichtige und volksverderbende Auffassung, wie ihre Standesgenossen in allen Ländern der antiken Welt, und Israel ging daran zu Grunde. Ihr Luxus überschritt alle vernünftigen Grenzen. Ihre Häuser und Kleider waren mit Schmuck beladen, hier hatte das Königtum zersetzend auf die alte Einfachheit der Sitten eingewirkt, namentlich seit Salomo, der sein Handelsmonopol für seine Baulust und Prachtliebe gründlich ausnützte. Jesaja, der grosse Ankläger, rief aus: „Darum, dass hoffärtig sind die Töchter Zions, und einhergehen mit gerecktem Halse und frech die Augen werfend, und mit den Fussspangen klirren sie, so wird der Herr die Scheitel der Töchter Zions kahl machen, und Jehova ihre Scham entblössen. Am selbigen Tage entrückt der Herr den Schmuck der Fussspangen und die Netze und kleinen Monde und die Ohrgehänge und die Armkettchen und die Schleier, die Kopfbäncler und Fusskettchen und Gürtel und Riechflaschen und Amuletts, die Fingerringe und Nasenringe, die Feierkleider und die Röcke und die Mäntel und die Taschen, die Spiegel und die Hemdchen und den Turban und die Flore." Er klagt über die prächtigen Wagen der Ueppigen, und an anderer Stelle hören wir von mit Elfenbein eingelegten Häusern. Die Reichen liegen bei ihren Gelagen auf mit Elfenbein geschmückten Lotterbetten, von Salben triefend, verzehren Mastkälber und fette Lämmer und trinken sorgfältig behandelte Weine. Die Völlerei und Unzucht stehen in voller Blüte; Jesaja klagt die Säufer an: „Wehe denen, die früh aufsind am Morgen, starken Getränken nachlaufend, Wein erhitzt sie! Und Laute und Harfe, Pauke und Flöte und Wein macht ihr Gelage; aber auf Jehovas Werk sehen sie nicht und seiner Hände Thun schauen sie nicht." (Jes. V. 11.) (Schiuss folgt.)

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