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Ost und West · 1902-05-01 · Heft 5 (Mai 1902) · p. Seite 305 - 306

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 5 (Mai 1902)
Article
Jozef Israels
Date
1902-05-01
Page
Seite 305 - 306 (sequence 9)
Language
German
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305 306 JOZEF ISRAbL?. David vor Saul. DIE AUSLAENDERFRAGE IN DEUTSCHLAND. Von Fabius Schach in Karlsruhe. I. Dass die antisemitische Bewegung der letzten 20 Jahre viel soziales Elend und moralische Not in Deutschland geschaffen hat, wer mag es leugnen? Und doch will es mir scheinen, dass das Schlimmste oder doch wenigstens das Beschämendste, was diese Strömung uns gebracht hat, der jüdische Antisemitismus ist. Es ist dies ein dummes und hässliches Wort, aber noch lange nicht so dumm und hässlich, wie der Begriff, den es deckt. Es ist leider nur zu wahr, es giebt viele Juden in Deutschland, die die jüdischen Dinge mit antisemitischen Augen ansehen, die alles, was jüdisch ist, thatsächlich als inferior betrachten. Ich spreche nicht von den Fahnenflüchtigen, die eines wohlklingenden Titels oder einer gesellschaftlichen Stellung wegen alle Pietät vergessen und der jüdischen Gemeinschaft den Rücken kehren. Von diesen wissen wir wenigstens, dass sie nicht mehr zu uns gehören. Sie bilden ein abgestorbenes Glied, das vom Gesamtkörper abgetrennt werden musste. Aber auch viele, die noch zu uns zählen, haben längst verlernt, ihr Judentum mit Würde zu vertreten. Und das ist sicherlich eine Erscheinung, die aus den modernen Vorurteilen gegen Juden und Judentum resultiert. Man braucht nur den Durchschnitt des englischen Juden mit dem des deutschen zu vergleichen, um dieses Phänomen zu begreifen. Der englische Jude schämt sich nie, in offener Gesellschaft von seinem Judentum zu sprechen, ändert nie seinen Namen und begeht sehr selten den schmachvollen Schritt der Taufe. Bei uns dagegen fühlt man sich häufig selbst im jüdischen Salon gedrückt, wenn man jüdische Dinge berührt, und wird ganz nervös, wenn ein Christ dabei ist. Man möchte in gewissen Kreisen noch immer, so gut es geht, sein Judentum verstecken. Ich würde keinem raten, der jüdischen Hausfrau das Kompliment zu machen, dass sie wie eine Judith oder eine Sulamith aussehe. Man wird viel köstlicher belohnt, wenn man von Brunhilde spricht und das Walkürenhafte preist. Und doch sind wir deutsche Juden viel gebildeter als die englischen und spielen auf allen Gebieten des Lebens und des Wissens eine grössere Rolle als jene. Aber die englischen Juden hatten eine lange Periode wirkliche

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