Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 2 (1902)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1902)
- Article
- Jozef Israels
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 295 - 296 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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295 Dr. G. Kutna: Jozef Israels 296 der Ferne, oder tot. Kein Laut ringsum, so ewig still ist alles, vergessen, verschollen; verglimmendes Leben, da? sich in den Tod hinein schweigt. Nur die Katze sitzt; tot' dem Herd und träumt in das Feuer. Das schüft; sie; die" Alte, mit den steifen, zittrigen, knochigen Hän#&/Sie friert, es ist kalt — in Winter und Alter, da will sie sich ein bischen Feuer beleben, freundliches, erwärmendes Feuer, und etwas Röte in die runzligen Wangen.- Und sie schürt und schürt, aber es will nicht recht, — statt des Feuers Rauch, viel Rauch, und;Statt. der Warme Qualm, Nun denkt man, das ist ein trauriges Bild. Aber nein! Da ist ja so viel Glück, soviel Segen und Hallelujah des Dankes. Diese Menschen sind arm, an Habe und Geist und Farben und Leben; aber das wenige, das sie haben, das ist ihnen so viel. Da kam eine Hand und tastete zart und liebend, und ein Schleier bewegte sich bei Berührung der Hand, und sie zeigt uns den Reichtum in der Armut. Und die Menschen sitzen da und wollen so wenig, nur ein bischen Wärme, und um sie ist Heim und Herd und Friede und Traulicbkeit. Ach, wie gesegnet das Auge, das so zu sehen vermag. In dem dunklen Ton ist etwas Leuchtendes, golden schimmert's durch das Braun und Grau, und die Sonne blickt durchs Fenster, wintersschwach und strahlenarm, aber so gütig, mitfühlend und verlangend, Wärme und Licht auszugiessen über die befriedete Einfalt. So eint sich das Künstlerisch-Technische mit dem Seelischen; das Ausdrucksmittel unterordnet sich dem Gehalt, die Hand ist willig, weil das Herz so schön an Liebe Darum ist Farbe und Zeichnung ganz verhalten, das Schaffen, das Malen ist gar nicht sichtbar, und nichts ist darin von wachem Können. Gesicht, Hand, Kleidung ist nicht gezeichnet, es ist wie nachgezittert, als habe die Hand nicht malen gewollt, nur streicheln, alle Falten wegstreicheln und trösten. Daher der lebende Pulsschlag in den Gestalten, Wohllaut in der Farbe und tiefe, pathoslose Andacht in der Gesamtkomposition; — denn Israels komponiert nicht die Dinge in ihrem Nebeneinander, auch nicht die Farben, nur Licht und Schatten und — ebenso eigen wie schön — er komponiert die Stimmung. Es ist eben nicht der Könnende, der ergreift und bis ins tiefe Herz zu uns dringt, und nicht die wahre Wiedergabe macht's, und am allerwenigsten die Korrektheit. Es giebt Wahrheiten, die dürre sind und geizig, und Unwahrheiten giebt es, die hold sind und gütig. Es kommt nur darauf an, welche Seele sie geträumt hat, und ob Gabe darin ist, und wieviel Weihe darin ist, Wreihe. Schaffen heisst nicht zwingen und beweisen und Schweiss auf der Stirne tragen; man kann auch schaffen, indem man lächelt und träumt und lockt