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Ost und West · 1902-04-01 · Heft 4 (April 1902) · p. Seite 269 - 270

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 4 (April 1902)
Article
Ein jüdischer Sozialpolitiker [Rezension]
Date
1902-04-01
Page
Seite 269 - 270 (sequence 2)
Language
German
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269 Litterarisches. 270 geklärt betrachten zu dürfen. Zu dieser notwendigen Klärung nun trägt das Nossig'sche Buch sehr viel Material heran, und dies in so musterhaft klarer Darstellung, dass schon vom rein ästhetischen Standpunkt aus seine Lektüre einen hohen Genuss bereitet. In der That ist die stärkste Seite des Buches sein Stil, der ein ungemein ausgebildetes Gefühl für ordnendes Denken verrät; und wenn der vorher gekennzeichnete Grundfehler nicht hineinspieite, könnte das Nossig'sche Buch beinahe als das Muster eines Lehrbuches bezeichnet werden." „So kann unser Schlussurteil denn auch nur sein, dass sein Buch zwar für ein spezielles Gebiet der Frage der wirtschaftlichen Entwickelung empirisches und grundsätzliches Revisionsmaterial in guter Durcharbeitung erbringt und insoweit auch durchaus Anspruch auf Beachtung und Anerkennung von seiten der Sozialdemokratie erheben darf, dass es aber sonst das vom Sozialismus zu leistende Werk viel zu beschränkt, viel zu einseitig unter dem Gesichtswinkel einer Klasse auffasst." Bernstein scheint es — nebenbei gesagt — zu übersehen, dass der vorliegende Band der Nossigschen „Agrarfrage" nur einen Teil der Aufgabe löst, indem er die Frage der Haltbarkeit des landwirtschaftlichen Kleinbetriebes in monographischer "Weise untersucht. Der Verfasser scheint uns weit davon entfernt zu sein, das ganze Werk der Sozialreform mit diesem Problem zu identifizieren. Für die gebildeten Kreise des Judentums aber bietet gerade dieser Teil seines Werkes ein besonderes Interesse, weil das System der iüdischen Kolonisation im Orient von der Entscheidung des volkswirtschaftlichen Streites über die Existenzfähigkeit oder Unhaltbarkeit der Kleinbetriebe abhängt. Wir gedenken daher in einem der nächsten Hefte von „Ost und West" auf das Nossig'sche Buch1) noch zurückzukommen. «■ ♦ * Das soeben erschienene IX. Heft (78 Seiten) der „Mitteilungen der Gesellschaft für jüdische Volkskunde in Hamburg" enthält einen Beitrag „Zur Geschichte der jüdischen Vornamen" von M. Landau, eine „Beleuchtung jüdischer Sagen und Bräuche" von K. Kohl er, sowie eine grundlegende Arbeit von A. Wolf „Ueber jüdische Kunst und ältere jüdische Künstler". Besondere Beachtung verdient die folgende Anzeige am Schlüsse des Heftes: „Seit Jahren ist immer lebhafter der Wunsch rege geworden, für unsere Sammlungen Photographien einzelner für uns wichtiger Gegenstände zu beschaffen, die im Kunsthandel nicht zu erhalten sind. Solche allein für uns herstellen zu lassen, würde unsere'Mittel überschreiten. *) Dr. Alfred Nossig, „Die moderne Agrarfrage* (Revision des Sozialismus, 2. Band)", Berlin-Bern, 1902. Akademischer Verlag für soziale Wissenschaften, 587 S., 8°. Ua sich aber, uenn eine grössere Anzahl Kopien hergestellt werden, die Kosten auf ein Minimum verringern, bitten wir Interessenten, sich mit uns ins Einvernehmen zu setzen. In Aussicht genommen sind Aufnahmen von bisher unbekannten, künstlerisch hochbedeutsamen Grabsteinen, Yolkstypen etc. etc.'; * * Der Jüdische Verlag plant für 1902 u. a. die folgenden Publikationen, von denen einige voraussichtlich bereits im Monat Juni vorliegen weiden: 1. Jüdische Künstler. Eine Essays-Sammlung mit reichem, illustrativem Material (Inhalt: Jüdische Kunst. Josef Israels. Moriz Gottlieb. Lesser Ury. Max Liebermann. Ephraim Mose Lilien. Jehuda Epstein. Hermann Struck.) 2. Das Problem der jüdischen Nationalkultur. Eine Sammelschrift mit Originalbeiträgen von Achad-Ilaam, Mathias Acher, Dr. M J Ben1yc7e\vski, Israel Zangwill u. A. E. M. Lilien. Signet des Jüdischen Verlages. 3. Jüdisches Jahrbuch. Literarisch-künstlerischer Almanach für 5663, unter Mitwirkung der hervorragendsten jüdischen Schriftsteller, Maler und Komponisten. 4. Ausgewählte Essays von Achad-Haam (Uebertragung aus dem Hebräischen von Dr. Isral Friedländer). 5. Ausgewählte Erzählungen von J. L. Perez, aus dem Jüdischen übersetzt und eingeleitet von Mathias Acher. 6. Eine Anthologie aus moderner jüdischer Dichtung (Originalbeiträge und Uebertragungen). 7. Studien zur Anthropologie des jüdischen Stammes (preisgekrönte Abhandlung). Ueberdies werden für die nächste Zeit einige wissenschaftliche Monographien zur Judenfrage und ein Palästinabuch geplant. Als geschäftliche Basis des Jüdischen Verlages ist die der Subskription in Aussicht genommen. Im Laufe des Jahres sollen Bücher etc. zum Ladenpreise von 30 M. herausgegeben werden, welche den Subskribenten zum Vorzugspreise von 20 M. berechnet werden. Die Einzahlung der Subskriptionsbeträge erfolgt pränumerando an die Adresse der provisorischen Zahlstelle: Verlagsbuchhandlung S. Calvary & Co., Berlin NW. 7, Neue Wilhelmstr. 1.

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