Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 2 (1902)
- Issue
- Heft 4 (April 1902)
- Article
- Grundakkorde jungjüdischer Kunst
- Date
- 1902-04-01
- Page
- Seite 233 - 234 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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233 Dr. med. Theodor Zlocisti: Grundakkorde jungjüdiscrier Kunst. 234 Wie einstmals wird sie auch in der Zukunft sein das ewige Gefäss jüdischen Geistes... * * * Es ist ein stilles Gelände in das ich Sie geführt habe, fernab von den breiten Strassen, auf denen die Menge flutet. Aber auch hier wird es bald blühen, denn im heimlichen Schooss der Erde liegen Milliarden junger Keime, die sich emporbohren und bald in Knospen stehen werden. . . Es ist ein eigen Ding um alle, um unsere Kunst. Die wunderbaren Mächte, die der Allschöpfer in das Getriebe der Welt gesenkt, wirken auch in der Kunst. Ausgang und Ende treffen einander. Und alles Sterben und Vergehen ist nur junges Werden. So stellt die Kunst den Höhepunkt in der Entwickelung eines Volkes dar, die Zusammenfassung aller Triebkräfte; und sie ist wie eine reife Frucht am Lebensbaum des Volkes. Aber wie jede Frucht umhüllt sie zugleich den Samen für immer neu sich gebährendes Leben. Dierick Bouts. Feier des Passah festes. Die jüdische Kunst, wie sie sich gigantisch in unserm Schrifttum offenbart hat, war einst die höchste Leistung unseres gereiften Volkstums Die jüdische Kunst birgt aber die Keime, aus dem unser Volkstum zu neuer Kraft und Schönheit und Freiheit erblühen wird. So muss es kommen, so wird es kommen. Nach Naturgesetzen. Und es bleibt nicht uninteressant, dass vor nunmehr 66 JahrenDelitzsch, trotz aller volkszersetzenden Tendenz in der jüdischenPoesievom Anfang des XIX. Jahrhunderts — von ihrer Bedeutung für die Zukunft als Wunsch und Hoffnung sagen konnte: ,,Die mittelalterlich jüdische Poesie ist das Dokument von der Freiheit des Volks in der Sklaverei, die moderne (1836!) von der Sklaverei des Volkes in der Freiheit und die zukünftige möge sein das lebendige Lebensbild von der Freiheit des Volkes in der Freiheit/' Kunstverlag Phönix, Berlin. (Text S. 274—275.)