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Ost und West · 1902-03-01 · Heft 3 (März 1902) · p. Seite 215 - 216

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 3 (März 1902)
Article
Revue der Presse.
Date
1902-03-01
Page
Seite 215 - 216 (sequence 2)
Language
German
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215 Revue der Presse. 216 Der Sohn des Vize-Präsidenten des Staatsrates, M. Coulon, Schüler des Lyceums Janson-de-Sailly, hatte im November vorigen Jahres die Partei eines jüdischen Mitschülers ergriffen, der ungerechter Weise von seinen christlichen Schulkollegen bedroht wurde. Bis zu diesem Tage hatte er während seiner ganzen siebenjährigen Schulzeit in vollster Eintracht mit seinen Mitschülern verkehrt — von djesem Augenblick an war und blieb er ihnen verhasst. Er wurde von seinen Kameraden aufs unbarmherzigste geprügelt und bei seinem Eintritt in die Klasse mit unfläthigen Redensarten empfangen. Die Klasse wurde bestraft und seitdem war er Gegenstand des erbittertsten Hasses in allen Klassen des Lyceums. Zu Ende Januar wiederholten sich diese Angriffe in der brutalsten Form. Eine Untersuchung wurde eingeleitet und schwere Strafen verhängt. Die Folge war, dass der Rädelsführer Gegenstand der begeistertsten Ovationen seitens seiner Mitschüler wurde ..... Und so war Herr Coulon, Vize-Präsident des französischen Staatsrats, gezwungen, sich an den Minister des Unterrichts zu wenden, um ihn aufmerksam zu machen, dass die Autorität der Schule und der Lehrer machtlos sei gegen den Antisemitismus der Schuljugend, und dass sein Sohn in beständiger Gefahr für Leib und Leben sei, weil er es gewagt hatte, für einen jüdischen Mitschüler Partei zu ergreifen. — Commancement de siecle . . . Die Nationalbibliothek in Jerusalem. Aus dem Inhalt des zu Ende März erscheinenden 2. Heftes von „Palästina" (Zeitschrift für,die wirtschaftliche und kulturelle Erschliessung des Landes) wird uns die folgende Notiz zur Verfügung gestellt, die für die Freunde der National-Bibliothek in Jerusalem von Interesse sein wird. Die genannte Zeitschrift veröffentlicht eine Antwort der „Deutschen Levante-Linie" (Hamburg) auf eine Anfrage, betreffend Büch er Sendungen nach Jerusalem. Danach körinen Bücher (ebenso wie andere Waaren) bis zum Gewicht von 10 Kilogramm als Postpacket reisen. Postpackete aus Deutschland nach Orten der Türkei — darunter Jaffa und Jerusalem — kosten bei einem Gewicht bis zu 1 Kilogramm Mk. L—, von 1— 5 Kilogramm Mk. 1.40, von 5—10 Kilogramm Mk. 2.—. Bei Zehn-Kilo-Packeten tritt das deutsche Inlandsporto für die Beförderung bis Hamburg hinzu. Für Sendungen grösseren Umfanges empfiehlt sich die Expedition nach dem „Tarif des deutschen Levante-Verkehrs über Hamburg seewärts" nach den Hafenplätzen der Levante. Von Berlin aus kosten je 100 Kilogramm Mk. 4.23 bis zum Gewichte von 5000 Kilogramm. Die für alle Fälle zur Erhebung gelangende Minimalfracht beträgt zehn Mark. Soweit die aus dem Antwortschreiben der „Deutschen Levante-Linie" und ihrem prachtvollen „Handbuch 1902" zusammengestellte Notiz in „Palästina". Wir glauben, dass zahl- •**+j**^**&*^mf*ß^+*&****J+*^*^***+J+*m reiche Bücherspenden jahraus jahrein der National-Bibliothek verloren gehen, dadurch, dass die Besitzer die Unbequemlichkeit und die Kosten der Versendung mit den damit verbundenen Erkundigungen etc. scheuen. Die Versandkosten sind, wie man sieht, nicht gross — auch die Umständlichkeiten früherer Jahre sind geschwunden. Wünschenswert wäre nur, dass in allen jüdischen Centren jemand sich der Sache annähme (in den grösseren Centren könnten es auch Komitees sein), der sich für die Sache interessiert und Sendungen aufsammeln würde, bis ein grösserer Versand möglich ist, dessen Kosten sich, wie man sieht, auf weniger als 5 Pfennige per Kilo stellen. * # ■* HeiT Pastor Friedrich Naumann, der augenblicklich im Orient weilt, sehreibt in seiner Zeitschrift „Die Zeit" (No. 22) über die Juden in Constantine (Algerien) u. a.: „Sehr eigentümlich ist die Erscheinung der hiesigen Juden. Ihre Frauen gehören zu den schönsten Menschen, die es auf der Erde geben mag, aber auch ihre Männer sind biegsame, tüchtige Gestalten. Sie tragen ihre eigene Tracht. Die Männer haben faltenreiche Gewänder, die Frauen aber gehen am Sabbat und auch am Sonntag wie Paradiesvögel durch die Strassen. Schwarzes Haar, schwarze Augen, rote nackte Arme, bunte Tücher, viel bunte Seide. Sie anzusehen ist ein farbiger Genuss. Woher die Frauentracht stammt, ist mir nicht klar, oft gleicht sie den Bildern der französischen Frauen aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Es kann aber auch sein, dass spanische Einflüsse vorwalten. Bis ich die Frauen des Kaukasus gesehen haben werde, werde ich glauben, dass hier die reinste Schönheit am meisten Gesamteigentum eines Stammes wurde. Einzelne blendend schöne Erscheinungen giebt es überall in der Welt, hier aber ist Frau und Magd, Mutter und Tochter von derselben Art. Diese schönen Jüdinnen und ihre nicht hässlichen Männer sind eine Art Mittelding zwischen den uns allen bekannten westeuropäischen und den blassen, glatten palästinensischen Juden. Noch bin ich nicht dazu gekommen, mir ein Urteil über die schwere. Frage der Einheit der jüdischen Rasse zu bilden, denn ich kenne-den südrussischen Juden nur in ganz wenigen Exemplaren, aber es scheint mir, dass diese Juden in Constantine es erleichtern, den palästinensischen und den westeuropäischen T}rpus als Einheit zu fassen. Ganz ohne Zusatz fremden Blutes ist natürlich im Laufe so vieler Jahrhunderte auch das Judentum nirgends geblieben. Doch das sind Dinge, über die man schwerlich zur vollen Klarheit kommen wird. Wenn die Zionisten ein Gebiet suchen wollen, wo ihre Nationalität als solche gedeiht, so ist ihnen Constantine viel mehr zu empfehlen als Jerusalem. Natürlich hindert die Schönheit der jüdischen Frauen nicht, dass auch diese Provinz in Paris antisemitisch vertreten ist." Aß^*P*ß*0^ßi^P+ifa *^N*w%*i *&ß+ Abonnementspreis für das Halbjahr In Deutschland und Oesterreich Mark 3,50, für das Ausland Mark 4,— für Russland ganzjährig 4 Rubel, halbjährlich 2 Rubel. Elnzelhefte ä 35 Kop. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes, durch alle Postämter des Deutschen Reiches unter No. 5785 a der Postzeitungsliste und durch die Expedition dieser Zeitschrift. Anzeigen 50 Pfg. die viergespaltene Petitsseile, grossere Anzeigen nach Tarif, bei Wiederholungen Rabatt. Stellen-Gesuche und -Angebote zum halben Preise. Adresse für die gesamte Korrespondenz: S. CALVARY & Co. (Inh. HUGO BLOCH & Dr. F. GOTTHELF) Verlagsbuchhandlung und Antiquariat, Berlin NW., Heue Wilhelmatrasse L +if*^***^+ifmf+m**^+ff^Aiti % 1^1 N^^)i^^N^^>^^^^^^^Nr>^^^ Verantwortlicher Redakteur: Leo Winz, Berlin, Altonaerstr. 36. — Verlag von S. Calvary & Co., Berlin NW. 7. Druck von Pass & Gar leb, Berlin W 35.

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