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Ost und West · 1902-03-01 · Heft 3 (März 1902) · p. Seite 209 - 210

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 3 (März 1902)
Article
Litterarisches
Date
1902-03-01
Page
Seite 209 - 210 (sequence 3)
Language
German
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209 Litterarisehes. 210 dem Götzenaltar erhebt, um zu eifern für den Herrn. Ein anderes älteres Bild „David vor Saul" hatte ich Gelegenheit, bei Theodor Herzl zu bewundern. Diese farbenstarken Werke mit ihrer straffen, seelenvollen Komposition stellen ihn in die erste Reihe unserer Künstler. Ich hätte noch viele zu erwähnen. Hier kann ich nur noch einige Namen nennen: In erster Linie S. J. Solomon, der in die traditionelle, moderne englische Malerei eine eigentümliche jüdische Nuance hineingebracht hat und von dem uns hier namentlich „Die Gefangennahme Simsons" und sein Porträt Israel Zangwills interessieren; den Porträtmaler Leopold Horowitz, der eine edle und verständnisvolle Auffassung des modernen jüdischen Gesichtstypus bewiesen hat; Isidor Kaufmann, dessen feine Gruppen, und Scenen aus dem jüdischen Leben bekannt sind; Bendemann, der biblische Scenen in pathetischer, vielgelobter Weise gemalt hat; Alfred Lakos, dessen „Trauernde Juden" hier ausgestellt sind; den sehr begabten jungen Radierer Hermann Struck, der ein seltenes Verständnis für seelenvolle Darstellung jüdischer Köpfe besitzt und von dem noch viel schönes zu erwarten ist; Hirszenberg, der vortreffliche realistische Stimmungen des modernen Judenlebens und einen ergreifenden Ahasver gegeben hat; Kischinewski, der russische Juden in scharfer, charakteristischer Weise gezeichnet hat; Henry Levy, der zahlreiche Original-Lithographien aus dem jüdischen Leben geschaffen hat: Wilhelm Wachtel, von dem wir hübsche dekorative Blätter kennen. Von unseren Bildhauern sind zu nennen: Marc Antokolsky, der unstreitig bei weitem bedeutendste, der Weltruhm erlangt hat und von dessen Werken jüdischen Inhalts das interessanteste wohl sein „Spinoza" ist; Henryk Glitzenstein, ein reichbegabter Künstler, Laureat der Münchener Akademie, dessen „Abel" eine Symbolisierung des duldenden jüdischen Idealismus ist; Frederic Beer, dessen Kongressmedaille Sie alle kennen; Aaronson, dessen Gruppe „Le berceau d'amour" eine altjüdische Sage in zarter, reizvoller Weise darstellt; Bernstein - Sinaieff, der unter anderem einen „Esra" gescharfen hat; Alfred Nossig, dem wir einen „Ewigen Juden", einen „Makkabäer" und einige Porträts-Plaquetten, darunter die Max Nordau's verdanken, und dessen Bestes wohl die hier ausgestellte Maske des Königs Salomo ist; Boris Schatz, von dem namentlich ein „Mattitjahu" zu erwähnen ist, und andere mehr....... MISCELLEN. - APHORISMEN. MAXIM GORKI. Der nachstehend veröffentlichte Brief Maxim Gorkis ist seine Antwort gelegentlich einer Enquete, die ein gewisser Dr. Gordon aus Kiew an verschiedene hervorragende russische Schriftsteller gerichtet hat. Wie liebevoll und eingehend Gorki sich mit der Judenfrage beschäftigt, geht im übrigen auch daraus hervor, dass er sich mit einem vorzüglichen Beitrage an dem Sammelwerke „Pomoschtsch" beteiligte, welches im vorigen Jahre zu Gunsten der hungernden Juden Südrusslands herausgegeben wurde. Zur Zeit ist er damit beschäftigt, eine Anzahl der besten Erzählungen der jüdisch-deutschen Litteratur in russischer Sprache herauszugeben. — Seine Ballade „Sturm" und der Brief, den wir hier reproduzieren, ergänzen einander gleichsam: Jedes von beiden wird durch das andere verständlicher und gewinnt so an innerem Werte. — Der Briet lautet: Ich bin mit dem Zionismus zu wenig vertraut, um mit voller Berechtigung meine Meinung über ihn zu äussern. Aber ich empfinde die innerste Sympathie für das vielgeprüfte jüdische Volk, bewundere die Kraft seiner von jahrhundertelang dau ernden Misshandlungen gefolterten Seele, die noch mit aller Glut und Mut nach

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