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Ost und West · 1902-03-01 · Heft 3 (März 1902) · p. Seite 205 - 206

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 3 (März 1902)
Article
Mordachai Z'bi Manne
Date
1902-03-01
Page
Seite 205 - 206 (sequence 6)
Language
German
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205 Dr. Rosenthal: Mordachai Z'bi Manne. 206 Es scheint ein neues Leben in die hebräische Sprache zu kommen; sie leiht in Dichtungen, ohne sich untreu zu weiden, den Empfindungen der Neuzeit ihre Dichterklänge, wie andererseits die Ergebnisse der Wissenschaft in ihr zu frischem und erkennbarem Ausdrucke kommen. Im Hause seines Wohlthäters Julichsohn machte er sich durch Arbeiten verschiedener Art in russischer und hebräischer Sprache, in der Wiedergabe talmudischei Entscheidungen und Erörterungen nützlich. Er wurde dort so unentbehrlich, dass ihm nur mit grosser Mühe eine Heimreise gestattet wurde. In seiner Heimat empfing man ihn mit grosser Ehrerbietung als einen selbstgemachten Mann, er besuchte von dort aus seinen Freund Samuel Zies in Warschau und knüpfte neue Bekanntschaften an. Nach seiner Rückkehr gab er sich in der Hauptstadt ausser seinen anstrengenden Studien neuen Arbeiten für seinen Wohlthäter hin. Sein schwacher Körper konnte dem nicht Trotz bieten und eine schleichende Krankheit, die ihn nicht mehr ganz verliess, hielt ihn den Winter gefangen und gab ihn erst im Frühling wieder etwas frei. Görden beehrte ihn in dieser Zeit mit seinen Werken, die er gierig in sich aufnahm. Eine fernere Heimreise — nochmals ein längerer Aufenthalt in Petersburg — darauf fesselte ihn die Krankheit dauernd an seinen Heimatsort. Auch während dieser traurigen Zeit liess sein Wohlthäter nicht von ihm. Er sandte ihn 1886 im Sommer nach dem Bade Slanita — aber das Ende liess sich nicht aufhalten. Er starb am Ausgang des Sabbats am Laubhüttenfeste 1887, am selben Feste, das er einst so herrlich besungen hatte. War Moses Mendelssohn der Sohn des Thoraschreibers, so er der der des Mazebotverfertigers — in beiden hatte die hebräische Kunstschrift den Schönheitssinn geweckt; Beide weihten sie sich nach dem Durchgange durchs Lehrhaus der Kunst und dem Wissen. Wie Göthe erfasste Manne als Dichter unmittelbar den Augenblick, erkannte er nichts Hässliches und Unerfreuliches in der Natur an, aber statt der kalten Schönheit der Göthe'schen Muse ist seine Dichtung das Kind der glühenden Psalmendichter und Propheten. Mögen diese Zeilen den Frühverstorbenen der Vergessenheit entreissen. '^^hÄO'» LITTERARISCHES. Aus einem Referat über Jüdische Kunst, welches Martin Buber auf dem letzten Baseler Congresse gehalten hat, bringen wir den folgenden Auszug zur Kenntnis unserer Leser: ... Erst in unseren Tagen ist die bildende Kunst in unserem Volke in ungeahnter Pracht aufgeblüht. Es ist mir an dieser Stelle nicht möglich, den historischen Ursachen dieses wunderbaren Aufschwunges nachzugehen. Ich kann nur sagen wie es war. Unser Blut, das so lange im besten Falle lebensfeindliche Gelehrte hervorbrachte, begann Künstler zu erzeugen. Und diese Künstler wandten sich, einer nach dem andern, wie im Gefühle dieses Wunders, dem Mysterium ihre Blutes, dem Schicksale ihres Volkes zu. Aber nicht bloss äusserlich, nicht bloss in Stoffen und Motiven sprach aus ihren Schöpfungen die Seele unseres Stammes. Tief in Anschauung und Form dieser Werke war die jüdische Eigenart eingesenkt. Auch dies kann ich hier nicht näher ausführen. Aber sehen Sie sich nur die paar Blätter an, die wir auf diesem Kongresse als ein kleines Zeichen unserer grossen Kunst zusammengebracht haben. Betrachten Sie darauf die eigentümliche Verteilung von Licht und Schatten, das Spiel der Luft um die Körper, die Einbettung der Einzelwesen in die umgebende Natur, die weite flächenhafte Auffassung, die seltsam verinnerlichte Bewegung. Ueberali werden Sie Elemente jüdischer Anschauung und Gestaltung erkennen. Von unseren Künstlern möchte ich an erster Stelle den grossen Altmeister Jozef Israels nennen, den Europa kennt. Unter seinen genialen Radierungen finden sich auch mehrere Darstellungen jüdischer Stoffe, von denen wohl die bedeutendsten „David und Saulu und „Der Sohn eines alten Volkes" sind. Aber nicht nur in diesen, sondern in seinem ganzen Schaffen, in seiner ganzen Wesensart ist etwas tief Jüdisches. Er fühlt sich mit aller Kraft seiner Seele dem alten Stamme zugehörig. Bei ihm ist das ruhige sich stetig fortentwickelnde Schaffen so selbstverständlich, wie bei einem Talmudjuden das ruhige, versunkene Lernen. Er hat dies auch in Worten oft betont; so in seinem Buche „Spanien*4, wo er seine Begegnung mit spanischen Juden, die düstere Glut ihrer Gestalten, die arme, trauervolle Stimmung ihrer Umgebung, und das starke sehnsüchtige, wie bluterfüllte Tönen der gegenseitigen hebräischen Begrüssung in warmer, seelenvoller Weise schildert. („Garn ani jehudi meerez hollande" ruft er ihnen zu.) So vor kurzem zu einigen Zionisten, denen er seines Herzens innige Sympathien für unsere Bewegung, für unser Ideal kundgab. Und mögen die jüdischen Gestalten, die er geschaffen hat, noch so ruhig dasitzen oder dastehen; in der Mattigkeit ihrer Linien ist Geheimnis,

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