Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 2 (1902)
- Issue
- Heft 3 (März 1902)
- Article
- Eine Heerschau
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 167 - 168 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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167 Eine Heerschau. 168 Es ist nicht unsere Absicht, mit dieser Kritik den Wert des prächtigen Unternehmens herab zu setzen. Wir sind auch keineswegs des Glaubens, dass irgend welche Absicht in dieser Auswahl gesucht werden könne. Wir bedauern es vielmehr aufs Lebhafteste, dass die überreizte jüdische Empfindlichkeit nur allzuleicht durch solche und ähnliche Dinge wachgerufen wird Wir haben nur eine schöne Gelegenheit benutzen, wollen, um an diese europäische Heerschau eine jüdische Heerschau zu knüpfen, die uns aufs Neue zeigt, wie das alte Wort vom auserwählten Volke durch aller Zeiten Wechsel wahr bleibt. Und noch Eines darf wohl in diesem Zusammenhange gesagt werden: Das eben zu Ende gegangene Jahrhundert ist nicht eine Blütezeit des Judenthums gewesen, von wie vielen es auch dafür gehalten werden .möge. — In den Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, und vieler Orten bis in seine Mitte und auch noch darüber hinaus, reichte — für die Judenheit wenigstens — das Ghetto oder eine andere Art von Mittelalter. — Auch in sonst hochcivilisierten Ländern. Und gegen das Ende des Jahrhunderts setzten Assimilation und Antisemitismus ein, — Faktoren, die jedenfalls nicht geeignet waren, eine ungestörte Entfaltung des jüdischen Geistes zu fördern. Das zwanzigste Jahrhundert beginnt, wie es scheint, unter günstigeren Auspizien. Das Judenthum erwacht wie aus schweren Träumen, es besinnt sich auf sich selbst, und schon beginnt es neue, eigene Talente hervorzubringen, ganze Menschen, jüdische Juden.-- Wer diese merkwürdige Umwandlung aufmerksamen Auges beobachtet, für den wird die Behauptung nichts befremdliches haben, dass wir einer Zeit entgegengehen, in der es auch für den Juden eine Lust sein wird zu leben, und dass die folgenden Generationen der Menschheit zu ihren geistigen Führern — aller Voraussicht nach — eine noch grössere Anzahl von Männern und Frauen des Volkes zählen werden, von denen in der Jahrtausende alten Schritt geschrieben steht: „Mein Geist, der in Dir ist, und meine Worte, die ich in Deinen Mund gelegt, sollen von Dir nicht weichen, noch von Deinen Kindern und Kindeskindern — spricht der Herr — von nun an bis in Ewigkeit." B......d. Salome. ^ocbanan, ich Uebe dich, Meine Seele tragt nach dir Verlangen, S dun er z en br in gen der Scbmerzerlöser, Ofodbanan, tcb Uebe dich, Oef in der Seele lebt wir ein Sehnen, Steh'! tcb bin schon und jung ♦ ♦ ♦ 90 jung! deber die Seele gehen nur Cräume, Hbnen lassen sie mich: was ist* Vor mir wettet steh blühend das Leben» Steh! tcb btn schön und jung ♦ ♦ . so jung! Vor nur seh' tcb ein Leben voll freude, Hber tcb lechze nach Leid und Schmerz* Schmerz, dich grüss' Ich! dich will ich küssen! Schlürfen will meine Seele am Leid, ^oebanan dich liebt meine Seele, ^oebanan, dein Leben will ich* Kümmert es mich, wenn die Menschen mir fluchen! 6ott will ich seh'n, verbluten in dir, Meine Seele kratnpft sich und weinet, Meine Seele jauchzet vor Schmerz* ^oebanan, ich liebe dich, Meine Seele trägt nach dir Verlangen, Scbmerzenbrtngender Scbmerzerlöser, locbanan, ich liebe dich ♦ ♦ ♦ ♦ Wien. Ignatz Kobn*