Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 2 (1902)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1902)
- Article
- Der neue Messias
- Date
- 1902-02-01
- Page
- Seite 127 - 128 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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127 Der neue Messias. 128 Messias? Ich bin der letzte der Menschen, denn ich bin betrogen von meinem Weibe, verlassen von meinem Gott. Den, der die Treue hält, wolltest du erhöhen. Ich glaubte, die Treue sei von dieser Welt. Auf sie wollte ich mein Reich erbauen und deine Herrlichkeit. Der die Treue finden wird — der wird dein Messias sein. Ich bin es nicht! Mein Schwert ist zerbrochen, von meinem Haupte ist deine Hand gewichen — verflucht bin ich wie Israel!" — Da strauchelte sein Fuss. Vor ihm lag der Pfirsich- - bäum, vom Blitz zerschmettert, vom Sturm entwurzelt. Und hier, wo er einstmals geweint vor Gott, fiel er nieder. Aber er fand keine Thräne. — Wer riet seinen Namen? „Esther! Warum ist dein Haar so goldig, dein Mund so rot? Warum schreit mein Herz nach dir, die du die Schlange bist aus dem Abgrunde? Mein Herz schreit nach dem Tode und du bist der Tod — so schön, so süss! Nicht ich bin der Messias, der Erlöser — du bist es, zu dem ich schreite mit offenen Armen, du, der einzig Treue, du. der Tod!" Esther trat vor ihm zurück — an den Rand - der Klippe. Aber er erreichte sie, umschlang sie mit seinen Armen — und beide stürzten zusammen in die Tiefe. Eine Welle trug sie hinaus ins mächtige Meer .... Mit Erlaubnis des Verfassers. Aus dem Buche: „Der Golem" von Rudolf Lothar. (Verlag von Georg Heinrich Meyer, Berlin 1900.) REMBRANDT. Die Judenbraut.