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Ost und West · 1902-02-01 · Heft 2 (Februar 1902) · p. Seite 123 - 124

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 2 (Februar 1902)
Article
Der neue Messias
Date
1902-02-01
Page
Seite 123 - 124 (sequence 4)
Language
German
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123 Der neue Messias. 124 Ein Blitzen ging am Himmel von Stern zu Stern. Der Nachtwind rauschte empor. Ein Seufzen ging durch die helle Nacht, ein Seufzen, das ein Jubeln war. Und da schlug eine Lerche auf, jauchzend wie ein Triumphlied stieg ihr Gesang und ein glühendes Rot färbte den Himmel . . . * * * Täglich wuchs der Anhang des neuen Messias. Die Kunde seiner Sendung drang hoffnungbringend in alle Fernen und die Zahl der Gläubigen wurde immer gewaltiger. Sie kamen herbei, ihn zu sehen, seinen Segen zu erflehen, ihn zu bitten, dass er sie aufnehme in seine Gefolgschaft. Es war ein Heer, mit dem er von Kairo aufbrach, um nach Smyrna zurückzukehren. Einem Siegeszuge glich die Fahrt. Ein Taumel hatte die Menschen erfasst, sie glaubten, in Sabatai Zewi nicht bloss einen Gesandten Gottes zu sehen, sie glaubten, er habe wie Moses auf dem Sinai gestanden und aus dem Munde des' Herrn die Offenbarung empfangen. Nun näherte er sich Smyrna. Da lag die Stadt vor ihm in der Tiefe der Bucht, dort grüsste das schneeige Haupt des Tmolus, da blaute das Meer. Und den Weg von der Stadt herauf kam ein Zug mit Palmenzweigen und Blumen, mit Cymbeln und Tuben und Flöten. Und die Rabbinen, die Zewi einst verflucht, schritten voran und neigten sich zuerst vor ihm in Staub der Strasse. Und wie Sabatai Zewi dastand auf dem die Landschaft beherrschenden Felsen, im weissen, wehenden Talar, und wie das Sonnengold über seine Locken flutete und er die Hand ausstreckte über das Volk und über Meer und Stadt, da mochte wohl jeglicher an seine göttliche Sendung glauben. Und er sprach: „Ihr kommt mir entgegen mit Blumen und Musik. Ich aber bringe euch keinen Zweig des Friedens, ich aber bringe euch ein Schwert. Nicht mit euch zu singen und zu beten, hat mich der Herr gesandt, sondern mit euch zu streiten und zu siegen. Denn unser Herr Zebaoth ist ein gewaltiger Gott und wo sein Schlachtwagen braust, da ist der Sieg. Wenn ihr aber sagt, er ist ein Gott des Zornes und in seinem Zorne hat er euch verlassen und euren Feinden Macht gegeben über euch, so sprecht ihr Lästerung. Es ist ein Gott der Liebe und er schlägt seine Kinder, wie der Vater die Kinder schlägt aus Liebe. Wo Liebe, da ist Treue. Unser Herr ist ein Gott der Treue und er belohnt diejenigen, die ihm die Treue halten. Wer seinem Weib die Treue bricht, der ist verflucht — wer die Treue bricht an Israel, der ist verflucht. Verflucht ist, der nicht Treue hält dem Herrn! Nun seht, unser Gott hat ein Wunder geschehen lassen durch den Mund seiner Magd, er hat mir die Liebe meines Weibes gegeben, auf dass ich an seine Liebe glaube. In der Treue meines Weibes hat er mir ein Pfand, gegeben für sein treues Gedenken an Israel. Und hier stehe ich und sage euch, denen ich Führer sein will zum Lichte, zur Freiheit: Ich will euer Erlöser sein und euer Retter, ich will gross machen das Haus Abrahams, dass es herrsche über die Welt und stolz blicke von Sonnenaufgang zum Sonnenniedergang — wenn ihr mir Treue halten wrollt, wie mein Weib mir Treue halten wird. Gott hat in meine Brust die Kraft gelegt, euch zu rufen und die Stärke in meine Hand, euch zu erheben." Dann sagte er: „Die Rechte des Herrn ist hoch, die Rechte des Herrn bringt Sieg!" Und neben ihm hinschreitend, griff Esther in die Saiten der Harfe. Lautjubelte das Volk und warf die Blumen auf den Weg und pries den Herrn. — Da ging Sabatai Zewi an der Klippe vorüber, wo er gestanden und Gott ihn erleuchtet. Und siehe, der Pfirsichbaum, der damals geblüht, er trug nun Früchte und schwer bogen seine Zweige sich zur Erde. * * * Ein Frühlingshauch zog durch die dumpfen. Strassen der Ghettos im Abendlande, wohin die Kunde von des Messias Ankunft drang. An den eisernen Thoren wurde gerüttelt, mit starkem Hoffen blickte man auf den Gesandten des Herrn. Von überall kamen Jünglinge und Männer, sein Heer zu bilden, denn mit Heeresmacht wollte Sabatai Zewi die gestürzte Burg Zion wieder aufrichten. Wie eine Verzückung ergriff es die Juden, man sang Jubellieder, die Nacht vergehe, der Tag sei gekommen. Als die Zahl derer, die sich um den Messias versammelten, immer grösser und grösser wurde, setzte Sabatai den Simeon ben Eskafa ein, Ordnung zu halten in den Scharen, sie einzuteilen nach Abteilungen und Gliedern. Simeon ben Eskafa aber war der Sohn eines jener Rabbinen, die Sabatai einst verflucht. Er hasste den Mann, der so gross o-e worden war in Israel, er beo o 7 neidete ihn — aber nicht um seine Macht, sondern um sein blondes Weib. Er ging zu Esther und sprach übles, mit ihr. Und Esther lieh dem

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