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Ost und West · 1902-02-01 · Heft 2 (Februar 1902) · p. Seite 119 - 120

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 2 (Februar 1902)
Article
Der neue Messias
Date
1902-02-01
Page
Seite 119 - 120 (sequence 2)
Language
German
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119 Dexneue Messias. 120 ihm und zerbrachen die Schale, darinnen ihnen Wein kredenzt war. Denn das ist ein alter Verlobungsbrauch bei den Juden. Sabatai sprach zu ihnen: „Kehret heim und saget der Königlichen, dass ich ihrer harre. Ich will gross und mächtig machen das Haus Abrahams, dass es herrsche über die Welt. Mir hat der Herr die Kraft gegeben und er wird mir auch die Macht verleihen. Damit ich aber nicht zweifle, noch verzage, dass mein Blick klar bleibe und lauter mein Herz, sendet er mir Hadassa!" Die Boten kehrten nach Hause und Sabatai ging in die Wüste und kasteite sich und betete. Denn er fühlte, dass er ein schwacher Mensch sei, der Grosses unternommen. Er betete, dass der Herr seinen Arm stärke und sein Schwert schärfe. Das Blitzen seines Schwertes werde hinleuchten über alle Länder und das Zeichen sein der Errettung. ,,Denn das Zeichen, das du mir gabst, o Herr, war dein flammendes Schwert, das mich erleuchtete!1* An einem Frühlingsmorgen fuhr Sabatai Zewi auf blumengeschmücktem Schiffe seiner Braut entgegen. Sie kam, geleitet von ihren Brüdern, auf dem Schiffe ihres Oheims, der ein mächtiger Kaufherr war in Amsterdam. Und als Morgengabe brachte sie ein Fläschchen köstlichen Oeles, um den Gesandten des Herrn zu salben. Als Esther den Schleier zurückschlug und Sabatai seine Braut erblickte, da war sein Auge geblendet von ihrer Schönheit. So blühte sie wie der junge Tag, der nun für Israel heranbrechen sollte. Sie wollte das Knie vor ihm beugen, er aber hob sie auf und küsste sie. Da riefen alle: „Lobsinget dem Herrn, denn er hat sich herrlich bewiesen; solches sei kund in allen Landen. Jauchze und rühme, du Einwohnerin zu Zion, denn der Heilige Israels ist gross bei dir!" Die Hochzeit ward gefeiert im Hause Rafael Chalebis. Und während die Gäste Loblieder sangen auf den Herrn und seinen Gesandten priesen, führte Sabatai sein junges Weib hinaus vor die Stadt. Dort zeigte er ihr die Wunderbauten der Pyramiden und sprach: „Siehe, unsere Väter standen in hartem Frondienst und diese Werke zeugen dafür. Das Volk der Juden hat sie gebaut im Dienste der Pharaonen. Auf des Herrn Befehl hat Moses unser Volk herausgeführt aus Aegypten, seine Fesseln zerbrochen — denn der Herr wollte ihm Gnade erweisen und es gross und mächtig machen über alle Völker der Erde. Seine Feinde, Ross und Wagen, hat er ins Meer gestürzt. Aber wieder sind wir geknechtet, Fronvögte sind über uns gesetzt und verlangen unser Blut, Doch die Stunde ist gekommen, wo der Herr wieder gnädig blickt auf Israel und seine Verheissung erfüllen will. Wie Mose, spreche ich; ,Der Herr ist meine Stärke und Lobgesang und ist mein Heil. Das ist mein Gott — ich will ihn preisen; er ist meines Vaters Gott, ich will ihn erheben!' Wie der Samum aus der Wüste will ich kommen und mit dem heissen Atem meines Mundes die Ketten schmelzen der Gedrückten; mein Schwert sei der Blitz und mein Wort der Donner, vor dem die Widersacher erbeben. Und auf jene Stufen, die unsere Väter gebaut, will ich steigen und Gott danken, dass er mich erwählt hat, Retter und Löser zu sein. Und fragst du mich auch, wer mir seine Botschaft gebracht, so frage ich dich, — wer sagt es dir zur Stunde, dass mein Herz dich liebt und mein Mund den deinen verlangt? Eine Lohe fährt aus meiner Brust auf meine Lippen — von wannen kommt sie? Deine Lippen sind wonnig und süss, o Hadassa, und sie trinken die Flamme. Wer hat die Fackel entzündet in unseren Herzen? Und wenn du es weisst, fragst du noch, wer mir Kunde gegeben von meiner Sendung?" Und Esther antwortete: „Ich bin ein schwaches Weib, o Herr, das Gott in einer Stunde zum Werkzeug seines Willens gemacht. Ich will dein treues Weib sein, Sabatai Zewi, dir dienen und gehorchen. Aber zürne mir nicht, wenn ich erbebe bei deinen Worten, denn du bist gross und herrlich und ich bin das Vögelein, das in der Krone der Ceder wohnt. Ich zittere im Sturm, der durch die Aeste braust —" Da neigte Sabatai ihr Haupt an seine Brust und strich ihr das blonde Haar aus der Stirne und küsste sie auf die geschlossenen Augen und sprach: „Mein Weib, das mir Gott geschickt, du darfst nicht schwanken. Du hast dein Nest aufgeschlagen in meinem Herzen, mein Singvögelein, dort fürchte keinen Sturm!" Sie gingen, den sternenäugigen Himmel über sich, den Nachtwind als Begleiter, Er rauschte und raunte um sie her. Er strich über ihre heissen Stirnen, er trug den Duft ihres Haares an seinen Mund. Und dann war es, als spräche er zu ihnen, lockend und leis. Durch einen Palmenhain gingen sie. Im Moos versank ihr Fuss. AVie eine weiche Decke lag das Moos über der Erde . . .

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