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Ost und West · 1902-02-01 · Heft 2 (Februar 1902) · p. Seite 107 - 108

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 2 (Februar 1902)
Article
Die jüdische Nationalbibliothek
Date
1902-02-01
Page
Seite 107 - 108 (sequence 4)
Language
German
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107 Nathanja Sahuwi: Die jüdische Nationalbibliothek. 108 Q-länzen. Eine Nahrung für den Geist soll das o o Volkshaus bergen, ein Heilmittel für die Seele. Und schon bewährt sich die segnende Kraft des Buches. In der verkümmerten und zerklüfteten Judenheit Jerusalems steht die Bibliothek als ein Fanal der Einheit und Ruhe. Ein geistiges Centrum ist geschaffen, wo der Geist der Vergangenheit die Juden der Zukunft erzeugen soll und wird. Dem ganzen Volk aber soll die Mitarbeit an der Bibliothek ein freudiges Bekennen der Zusammengehörigkeit sein, ein reiner Ausdruck neuerwachten Nationalsinnes und Stammesstolzes. So sollte denn jeder es als seine Ehrenpflicht betrachten, an der Fundierung des Heimes und an der Ausgestaltung der Bibliothek mitzuwirken. Wenn es auch bei uns kein Staatsgesetz giebt, dass die Ablieferung eines Belagexemplares jedes erscheinenden Werkes fordert, ungeschriebenes Gesetz sollte es jedem jüdischen Schriftsteller sein. Als die Oppenheimersche Bibliothek ausgeboten wurde, war die Zeit nicht gereift für den reinen Gedanken einer jüdischen Volksbücherei. A^ergebens hatte Michaelis auf den jüdischen „Patriotismus" gerechnet. Aber er ist erst jetzt erwacht. Die Liebe zu unserem Volkstum und zur alten Heimat hat wieder Wurzel geschlagen in die Herzen der Juden. Möge die neuerstehende Bibliothek das erste Wahrzeichen unserer Einheit sein, ein Zeugnis unserer gemeinsamen Geistesarbeit in den Jahrtausenden und ein Palladium gemeinsamer Hoffnung in die Zukunft. „fröre Israel", Harte Tage, Weh und Plage Ueberdauern ohne Fehl, Schwertgegürtet rüstig bauen, Auf sich selbst und Gott vertrauen Das ist Pflicht für Israel. Ob die Rotten unser spotten — Unverrückbar bleibt das Recht. Unter unsres Gottes Schutze, Einer ganzen Welt zum Trutze, Dauert Israels Geschlecht. Ohne Zagen, männlich tragen Missgunst wir und Missgeschick; Greifen nach der höchsten Krone, Wenden zu des Vaters Throne Treu vertrauend unsern Blick. Wer da wanket, wer nur schwanket, Weiche aus dem Kriegsgezelt, Dass er teil an uns nicht habe, Nicht im Leben, nicht im Grabe, Hier nicht, noch in jener Welt! Unverderblich und unsterblich Uns Gott Zebaoth erschuf. Ueber Land und Meer erklinget, An des Himmels Pforten dringet Dröhnend der Bekenntnisruf. Uns begeisternd, uns bemeisternd, Führt er uns in Kampf und Streit, Füllt uns mit der Väter Tugend, Weihet unsre tapfre Jugend Ewiger Gerechtigkeit. Vater droben, wir geloben Treue ohne Wank und Fehl; Deine Söhne, deine Knechte, Hebend die bewehrte Rechte, Rufen: Höre Israel! M. A. Klausner.

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