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Ost und West · 1902-02-01 · Heft 2 (Februar 1902) · p. Seite 83 - 84

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 2 (Februar 1902)
Article
Die Entwickelung der nationalen Idee unter den Juden
Date
1902-02-01
Page
Seite 83 - 84 (sequence 6)
Language
German
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83 Elim -Henry d'Avigdor: Die EntWickelung der nationalen Idee unter den Juden. 84 Fremde betrachtet werden, denen die Bürgerrechte verkürzt oder verweigert werden dürfen, so lange ist es nur natürlich, dass wir ein eigenes Land suchen müssen, dass unsere Heimat sein soll und wto wir nicht nur auf Grund der Duldung leben dürfen. Diejenigen Juden, die in England, Frankreich oder Deutschland ein glückliches und freies Dasein führen, haben keine Veranlassung, eine neue Heimat zu suchen; — sie, die sich jeder Achtung erfreuen und die in vielen Fällen einflussreiche Bürger civilisierter Länder sind, wird auch nicht der enthusiastischste Nationaljude zur Auswanderung nach Palästina oder Argentinien veranlassen wollen. Wo aber finden die vertriebenen Juden Ost-Europas ein Land und eine Heimat? Die nationale Idee ist ebenso dienlich und notwendig für den Erfolg künftiger Kolonien in Argentinien als sie es für die in Syrien ist. Sie ist viel zu alt und viel zu sehr ein Teil des jüdischen Charakters, als dass es möglich sein sollte, sie zu zerstören, selbst wenn ihre Zerstörung nicht — wie wir glauben gezeigt zu haben — gleichzeitig die Zerstörung der jüdischen Religion wäre. Unsere Führer sollten alles, was in ihrer Macht steht, thun, um diese nationale Idee zu pflegen und sie in praktischer, rationeller und vor allen Dingen natürlicher Richtung zu entwickeln; — das Bestreben, sie zu ersticken, hiesse das Unmögliche versuchen und wird in nichts anderem enden können, als gerade in dem Unglück, welches man zu vermeiden bestrebt ist. Ein wilder Strom von undisziplinierten Zehntausenden würde die Folge sein; sie würden von Fanatikern nach einem Lande geführt werden, welches wohl fähig wäre, eine allmähliche Einwanderung ausgewählter und wohlorganisierter Kolonisten aufzunehmen, wo aber Tausende von irregeführten Enthusiasten, um die sich die Führer im Westen nicht kümmern würden, elend zu Grunde gehen oder von der Wohlthätigkeit leben müssten und dadurch allen Juden in allen Ländern den ausserordentlichsten Schaden zufügen würden. Schatten* 6s lag in mir wie Blütbenduft Von morgenjungen früblingsbeeten Und wollte aus tieffter Seelenkluft In Hndacbt mir auf die Lippen treten, leb dachte, es wurde ein Liedelein, 5CKe keines könnt ftiller und feiiger fein. 6s lag in mir wie der Lerchen Sang, Die Ucbtesfrob dem Schöpfer danken. Und wollte in fonnenfreudigem Drang 5CUe Blumen aus meiner Seele ranken« leb dachte, es würde ein Liedelein, 3Hie keines könnt ftiller und feiiger fein. JNun weifs ich nicht, wie es kam und ward, Dafs alles fo anders getroffen: ♦ ♦ ♦ Gin armes Lied von febeuer Hrt, Gequält von Sehnen und Boffen ♦ . ♦ Und dachte, es müfste ein Liedeben fein, die keines könnt ftiller und feiiger fein. Berlin. Theodor Zlocisti. <a^i^2>

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