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Ost und West · 1902-01-01 · Heft 1 (Januar 1902) · p. Seite 37 - 38

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 1 (Januar 1902)
Article
Jüdische Spar- und Vorschusskassen
Date
1902-01-01
Page
Seite 37 - 38 (sequence 1)
Language
German
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37 38 JUEDISCHE SPAR- UND VORSCHUSSKASSEN. I. Die Präger Vorschusskasse, von Filipp Lebenhart. Als in den ersten Märztagen des Jahres 1900 einige Männer ihr Scherflein zur Errichtung eines jüdischen Geldinstitutes beitrugen, waren es 100 Kronen. Und nun hat das Institut vom 1. Januar 1901 bis 31. Oktober 717 708 Kronen 58 Heller an Juden verborgt. Wie das zu stände kam, soll hier geschildert werden. Im Februar des obigen Jahres warf ein Mitglied des Ausschusses des zionistischen Vereines in Prag die Idee auf, und sofort wurde zu ihrer Verwirklichung geschritten. Im Februar und März wurden die nötigen. Vorarbeiten ' fertiggestellt und am 1. April fand die Gründungs- Versammlung, aus 11 Mitgliedern bestehend, bei einem landesfürstlichen Notar statt. Einige Tage später wurde die Gesellschaft von der Behörde bestätigt. Und nun schritt man zur Anwerbung von Mitgliedern, die Anteile von je 20 Kronen zu übernehmen hätten. Die elf Männer leisteten, was in ihren Kräften stand, einer, den der Tod unbarmherzig aus unserer Mitte gerissen, hat sich besonders und mit Erfolg bemüht, die Zahl der Mitglieder zu vergrössern. Das Institut sollte nicht früher zu arbeiten beginnen, bis tausend Anteile an den Mann gebracht wären. Am 1. Juni war das der Fall und es wurden in Prag, Heinrichsg. No. 9, die Schalter eines ausschliesslich jüdischen Geldinstitutes geöffnet. Allein nach einer kaum 30tägigen Thätigkeit waren die Barmittel erschöpft. Da hiess es, Geld beschaffen, und es sei hier lobend hervorgehoben, dass es die Filiale der österreichischen Länderbank war, welche infolge der persönlichen Intervention des Vorstandes dem jungen Institute den ersten Kredit und zwar in Höhe von 20 000 Kronen einräumte. Andere Geldinstitute folgten im Laufe der Zeit dem Beispiel der Länderbank und die „Vorschusskasse" hatte genügende Mittel, um den an sie gestellten Anforderungen voll zu entsprechen.*) Am 25. März d. J. fand die erste Generalversammlung statt. Der Ausschuss legte die Bilanz vor und sie bot ein ungewöhnlich günstiges Bild. Die Anteile wurden mit 4Y2 % verzinst, sämtliche Einrichtungen wurden in vollem Umfange bestritten, und es verblieb noch ein'Reingewinn von 1160 Kronen. Der Bankenkrach in Deutschland zog auch hier seine verhängnisvollen Kreise, die auch das Institut zu fühlen bekam. Allein seine Einrichtungen erwiesen sich so vorteilhaft, dass keinerlei nachteilige Folgen eintraten. Heute steht die Vorschusskasse nach nur anderthalbjährigem Bestehen geachtet und fest da. Es wird gewiss nicht überflüssig sein, wenn hier einiges über das Interne gesagt wird. Vor allem muss hier angeführt werden, dass der ganze Ausschuss, mit einer einzigen Ausnahme, aus sogenannten „kleinen Leuten" besteht. Darlehen werden in zweierlei Form gewährt. 1. Personalkredite, welche gegen einen Solawechsel dargeliehen werden. Diese müssen in viermonatlichen, je 10 % betragenden Raten beglichen werden, so dass das Darlehen nach 40 Monaten getilgt ist. 2. Eskomptekredit, der so wie in allen .Geldinstituten gehandhabt wird. Die Mitgliederzahl betrug Ende Oktober 505, die ein Kapital von 48400 Kronen als Betriebskapital eingezahlt hatten. Sie garantieren ferner für denselben Betrag, d. h. jeder Anteil beträgt 20 Kronen und verpflichtet den Inhaber zu einer im gegebenen Falle zu leistenden Zahlung von weiteren 20 Kronen als Garantie. Es ist also eine Art Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Um den Kreditgebern Sicherheit zu bieten, wurde statutarisch festgestellt, dass ein Ausschussmitglied bei einem Kreditwerber als Bürge nicht figurieren darf, und in der Hausordnung wurde der Grundsatz aufgestellt, dass den Ausschussmitgliedern kein Kredit gewährt werden darf. Solcher Art wurde allen eventuellenVerdächtigungen die Spitze abgebrochen. Ferner enthält die Hausordnung als ersten Punkt, dass ein Nichtjude nicht Mitglied werden darf. Es wurde dieser Passus in den Satzungen nicht aufgenommen, weil sie behördlich nicht genehmigt worden wären. Ferner leistet nach einem Turnus jedes Ausschussmitglied im Bureau den Dienst, selbstverständlich unbesoldet. Zweimal per Woche finden Censursitzungen statt, dagegen Verwaltungssitzungen je nach Bedarf. Es wurde auch eine Zins-Sparabteilung eingerichtet. Der Kassenbote holt täglich bei den Teilnehmern die Einlagen, (von zwei Kronen aufwärts) ab. Auf diese Art fliessen dem Institute täglich 1500—2000 Kronen Einlagen zu, die mit 3 % verzinst und zum Zinstermin ohne Kündigung fällig werden. Das Institut versuchte auch mit dem „Carmel" in kommissionsweise Verbindung zu treten. Es kam aber bloss zu einem einzigen Geschäfte, weil jene Gesellschalt in unkaufmännischen Händen zu ruhen scheint. An dem Erträgnisse partizipiert „Der Jüd. Volksverein in Prag'* mit 20 %> welche er zu Wohlfahrtszwecken zu verwenden hat. Einer Eigentümlichkeit mag hier gedacht werden. Die „Grossen" in Israel haben das Institut anfänglich belächelt, hernach bespöttelt; nun aber beginnen sie ihm Aufmerksamkeit zu schenken, ja sogar es zu achten, allein ferne bleiben sie ihm noch immer. Einer Beherrschung des Institutes

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