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Ost und West · 1901-12-01 · Heft 12 (Dezember 1901) · p. Seite 965 - 966

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 12 (Dezember 1901)
Article
Revue der Presse
Date
1901-12-01
Page
Seite 965 - 966 (sequence 2)
Language
German
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965 Revue der Presse. 966 x die kleinen Leute beglücken wohl die Juden, bestellen, handeln, beschimpfen und bezahlen — nicht." In derselben Nummer, der genannten Zeitschrift finden wir auch eine Betrachtung über die verzweifelte Lage der rumänischen Juden, der wir folgende treffende Bemerkung entnehmen: „In China, wo die Boxer nichts anderes thateu, als was die Rumänen in Europa ungestraft thun, hat man freilich eine militärische Exekution eintreten lassen. Die gegen die Juden in Rumänien verübten Grausamkeiten sind aber nocji viel ruchloser als die der Boxer. In China wurden nur durch eine revolutionäre Bewegung, die sich als eine, vereinzelte und auch gar nicht über das ganze Reich verbreitete Erscheinung erwies, empörende Gewalttätigkeiten verübt, au denen die Regierung allerdings mitschuldig war, ohne dass jedoch ein systematisches, ganz China umfassendes Vorgehen hätte konstatiert werden können. In Rumänien hingegen ist die Judenverfolgung direkt von der Regierung ausgegangen, wird systematisch betrieben, ist durch Gesetz und Praxis konstatiert, steht seit 30 Jahren im ganzen Lande zum Trotz aller eingegangenen Verpflichtungen in Blüte — und dennoch wehrt Europa das Unrecht nicht ab. obwohl es über genug friedliche Mittel verfügt, um die rumänischen Politiker zur Anerkennung des Rechtes zu zwingen." Aucii Ungarn fängt an, gegen die rumänischen Juden mobil zu machen. In den Ungarischen Blättern'ist folgendes darüber zu lesen: „Das Ministerium des Innern hat, nachdem die Erfahrunggemacht wurde, dass die aus Rumänien auswandernden Juden die Grenzen des Landes massenhaft überschreiten, und da die Niederlassung vollständig mittelloser Individuen im Lande, sowohl vom staatspolizeilichen als wirtschaftlichen Gesichtspunkte gefährlich erscheint, eine Verfügung getroffen, wonach die Niederlassung respektive der längere Aufenthalt solcher rumänischer Auswanderer verhütet werden soll. Zu diesem Behufe wurde ein Ministerialbeamter nach der Grenze entsendet, um an Ort und Stelle Studien zu machen. Ferner wurde konstatiert, dass die Auswanderer mit ungenügenden Reisemitteln versehen sind und deshalb von fremden Staaten abgeschoben werden, woraus für die ungarische Staatskasse unmotivierte Mehrausgaben entstehen. Dies veranlasste die Regierung, durch das Ministerium des Aeussern mit den interessierten Staaten Verhandlungen einzuleiten zwecks Feststellung der Bedingungen, unter welchen die rumänischen Juden ohne Hindernis das Gebiet der betreffenden Staaten passieren dürfen. Auf Grund des Ergebnisses dieser Verhandlungen verordnete der Minister des Innern, dass bloss diejenigen rumänischen Auswanderer über die Grenze gelassen werden und das Land passieren dürfen, welche £ur Deckung ihrer Reisekosten — wenn sie das zehnte Lehensjahr überschritten haben — wenigstens 400 Kronen, wenn sie im Alter von zwei bis zehn Jahren stehen, 200 Kronen mitführen oder über eine von irgend einem Transportunternehmen ausgestellte Fahrkarte verfügen, welche auch für ihre gesamten Verpflegungs-, eventuell Heil- und Begräbniskosten Garantie bietet. Gelegentlich des herannahenden fünften Zionisten-Kongresses bringen die meisten grösseren jüdischen Zeitungen sowie auch ein guter Teil der nichtjüdischen Presse, Betrachtungen über den Zionismus von verschiedenen Gesichtspunkten. Wir registrieren hier im Auszuge einige dieser Stimmen, die besonders beachtenswert sind. Im „Reform Advocate" (Chicago) äussert der bekannte Rabbiner Emil G. Hirsch seine Ansichten über die Existenzberechtigung der zionistischen Bewegung. Er räumt ein, dass die Frage, wie den unterdrückten Juden der alten Welt eine . friedliche Heimat geschaffen werden könne, auf die Aufmerksamkeit speziell auch der amerikanischen Juden Anspruch hat, zumal da die Aufnahmefähigkeit Nordamerikas für jüdische Einwanderer keineswegs so unerschöpflich ist, wie man mancher Orten anzunehmen scheint. Ja sogar das Argument verdiene die ernsteste Beachtung, dass die Juden in einem Gemeinwesen, in welchem sie die Majorität und dadurch die Entscheidung über die Einrichtungen des öffentlichen Lebens hätten, Sabbat und Festtage halten könnten, ohne die furchtbaren Opfer, die sie in nichtjüdischen Ländern sich aufzuerlegen haben. Was ihn zu seiher Gegnerschaft gegen die zionistische Bewegung veranlasst hat, ist ausschliesslich sein Eindruck, dass diese Bewegung keine praktischen und durchführbaren Gesichtspunkte aufgestellt habe. Er sagt daher: „Wenn die Zionisten uns jetzt zeigen werden, dass sie sich „nicht mit dem Theoretisieren genug sein lassen, sondern, „dass ihr Programm ausführbar sei — in wie kleinem „Massstabe auch immer —, so wird alle unsere theoretische Opposition verschwinden, und wir werden von „Herzen gern mit LIand anlegen. Angesichts der unerträglichen Lage der Juden in so vielen Ländern, welche „selbst bei uns in New York und Chicago geradezu unhaltbare Zustände zur Folge gehabt hat, können nur Narren „sich weiter mit fruchtlosen Diskussionen über Prinzipien „begnügen. Prinzipien, die als solche noch so unannehmbar sind, können durch praktische Methoden zu „Resultaten führen, die jeden Gegner entwaffnen und „bekehren müssen. Mögen die Zionisten ihrerseits aufhören zu theoretisieren, ausschliesslich Propaganda zu „machen und Streitigkeiten auszufechten; — und mögen sie „statt dessen suchen, ihr feierliches Versprechen einzulösen „und den Opfern der Unmenschlichkeit und des Vorurteiles „die zugesicherte Hilfe zu bringen." Einer Besprechung dieser Ausführungen fügt „Jewish Comment" (Baltimore) hinzu: Was zur Stunde erforderlich ist, wäre ein klar sehender, konstruktiver Geist, welcher den enormen religiösen, intellektuellen und nationalen Aufschwung, den der Zionismus bewirkt hat, zu leiten und zweckdienlich nutzbar zu machen verstünde! — Das Blatt ist der Ansicht, dass der Standpunkt des Dr. Emil G. Hirsch zweifellos durchdringen werde. * * * Im Dezemberhefte von Leslie's Populär Monthly (New York) finden wir einen Artikel von Israel Zangwill über die Wiedergeburt Palästinas. Derselbe enthält neben einer ganzen Reihe praktischer Vorschläge eine treffliche Analyse und Charakteristik der Strömungen und Unter-

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