Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1901)
- Article
- Ein jüdischer Kunstverlag
- Date
- 1901-12-01
- Page
- Seite 955 - 956 (sequence 1)
- Language
- German
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9F>5 956 AUS OST Jüdischer Kunst-Verlag. — Lesser Ury, — Bar-Hebraeus. — Jüdische . Abgeordnete in Ungarn. — Ein jüdischer Kunstverlag. Die nebenstehende Abbildung ist das Signet eines neuen, einzig in seiner Art dastehenden Unternehmens, das sich die Realisierung eines der vornehmsten Programmpunkte von ..Ost und West" zur Aufgabe gesetzt hat: die Förderung des Kunstsinns in der jüdischen Masse. Alle die Bestrebungen, welche auf eine Neubelebung jüdischer Kunst hinzielen, müssen zunächst auf die grosse Menge des jüdischen Publikums zu wirken suchen, um so die Unterlage, den Grund und Boden zu schaffen, auf welchem die alten Keime aufs neue "Wurzel schlagen, emporblühen, sich entfalten und reichen Schatten spenden sollen. Die jüdische Kunst, deren Förderung ein. junges Judentum heute anstrebt, hat Anfänge gehabt, die soweit in der Zeiten Ferne zurückliegen, dass nur die allerwenigsten Künstler unseres so vielbegabten Stammes die Fähigkeit sich bewahrt haben, an diese alten Anfänge anzuknüpfen und so eine aus unserer Zeichnung von E. M. Lilien. Geschichte und Ueberlielerung organisch hervorwachsende Kunst vor uns entstehen zu lassen. Zu dem kommt noch, dass die Unkenntnis des jüdischen Publikums zu einer Gleichgültigkeit in Sachen der jüdischen Kunst geführt hat, welche auch die wenigen Künstler entmutigt oder zu andersgearteter Bethätigung zwingt, die fähig wären, am Ausbau unserer neuen Kunst zu helfen. Zum Glück aber ist in den allerletzten Jahren — fast konnten wir „Monaten" sagen — Dank der neuerwachten jüdischen Kulturbewegung, ein kleiner Stamm echt jüdischer Künstler aus der grossen Zahl von Künstlern jüdischer Abstammung hervorgetreten, welcher schon jetzt so klarbewusst gutjüdische künstlerische Werte schafft, dass wir an die weitere Entwickelung dieses Zweiges nationaler Eigen- JND WEST. Die Makkabäer-Ausgabe der „Welt".—Palästina-Zeitschrift. — Preisausschreiben von „Ost und West". art mit Zuversicht glauben dürfen. Wir sehen es klar aus diesen neuen Anfängen; das Feuer der jüdischen - Kunst war nicht erloschen —: es glomm durch alle diese Jahrhunderte unter der Asche fort und wird sich einem Phönix gleich zum neuen Tag. zu neuer Schönheit erheben.-- Der neue Kunstverlag arbeitet nach zwei Hauptrichtungen: er bildet eine Centralstelle, an der alles gesammelt wird, was an Reproduktionen von Kunstwerken jüdischen Interesses existiert und bisher nur mit grösster Mühe und höchst unvollständig von überall her zusammengetragen werden konnte, und er befasst sich des weiteren mit der Reproduktion solcher biblische und modern-jüdische Motive behandelnder Kunstwerke, welche bisher überhaupt nicht im Handel zu beschaffen waren. Der neue Verlag macht es sich zur Aufgabe, sowohl ältere und bekannte Werke, wie auch die neuesten speziell jüdischer Künstler dem jüdischen Publikum in Reproduktionsarten zugänglich zu machen, die sowohl dem Geldbeutel der Aermsten wie dem verwöhnten Geschmacke der Wohlhabendsten Rechnungträgen. Wir werden noch Gelegenheit nehmen,, auf dieses neue und gross angelegte Unternehmen zurückzukommen. Der in wenigen Tagen erscheinende Katalog enthält eine Auswahl von etwa 500 der besten Kunstwerke jüdischen Interesses. * * Lesser Ury. — Im Salon Schulte wurden vor kurzem eine Anzahl älterer und neuerer Schöpfungen Lesser Ury's, unseres geschätzten Mitarbeiters, ausgestellt. Ueber das Schaffen und Wirken dieses hervorragenden, einsam ringenden Künstlers, von dem wir auch in diesem Hefte eines seiner neueren Werke (aus dem Triptychon „Der Mensch") veröffentlichen, haben wir bereits in dieser Zeitschrift (Heft 2) ausführlich berichtet. Zur Ergänzung lassen wir hier noch eine kleine Besprechung der erwähnten Ausstellung folgen, die einer der besten Kenner der Ury'schen Eigenart, Herr J. Norden, in der „Gegenwart" (No. 48, 30. Nov.) veröffentlicht hat: „Im Oberlichtsaal hat Lesser Ury das Wort. Er hat sich doch entschlossen, seinen „Jeremias" auszustellen. Das reifste und das technisch fertigste Werk unter seinen grossen Gemälden von tief philosophischem Gehalt. Grandios in der Auffassung und monumental in der Ausführung. Nichts als nächtlicher Himmel über nächtlicher Wüste, und aus dem Erdboden aufwachsend und mit ihm verwachsen die seltsam zackige Silhouette des Menschen, in. der einsamen Grösse der Natur einen Halt findend für das niederdrückende Bewusstsein der Verderbnis ringsum, der. er entflohen ist. Ein hohes Lied auf Einsamkeit des Grossen. Ein