Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1901)
- Article
- Der jüdische Geist
- Date
- 1901-12-01
- Page
- Seite 947 - 948 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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947 948 DER JUEDISCHE GEIST. Eine völkerpsychologische Studie von Maurice Muret, Paris 1901. Dieses neue Buch ist eine litterarische Erscheinung, welche sich den wertvollen Schriften Renan's, A. Leroy- Beaulieu's u. a. anreiht und naturgemäss in besonderer "Weise die jüdische Welt interessieren wird. Muret ist homo novus. er erkennt selber an, dass ihm die Autorität eines grossen Namens fehlt, hat aber durch seine Objektivität, Klarheit der Darstellung und sein wissenschaftliches System die Sympathie seiner Leser zu gewinnen verstanden. L'esprit Juif ist das erste Glied einer Trilogie von „religiöser Psychologie im XIX. Jahrhundert". Der „protestantische" und „der katholische Geist" werden bald darauf folgen. Muret ist ein Schüler Taine's. Gestützt auf die Theorie der Rassen, untersucht er den jüdischen Geist, so wie Taine den englischen in seiner Litterature Anglaise. Muret stellt sich die Frage: — Giebt es einen jüdischen Geist? Und antwortet: — Ja! Er sucht diesen jüdischen Geist in den Werken der hervorragendsten Juden unserer Zeit. Und als solche nimmt er Spinoza, Heine, Lord Beaconsfield, Karl Marx, Georg Brandes und Max Nord au. Ueber die Zusammensetzung wird man ja wohl anderer Ansicht sein können: Einige werden sich vielleicht daran stossen, dass Disraeli und Heine ausserhalb der jüdischen Gemeinschaft standen, wer aber Zufälligkeiten und Aeusserlichkeiten keine höhere als die ihnen zukommende Beachtung schenkt, kann nicht im Zweifel darüber sein, dass die Zugehörig- Karl Marx. keit zur Welt des jüdischen Geistes nicht erlischt, weder durch denTaufakt, den einHeine selbst an sich vollziehen lässt, noch durch den Zufall der Geburt in einer übergetretenen Familie. Können wir doch — bei der wunderbaren Stärke des jüdischen Blutes, welches in keiner Mischung spurlos verschwindet — häufig genug jüdische Züge in Typus und Geist bei Individuen wahrnehmen, deren sonst arische Familie vor Generationen durch eine Mischehe einen jüdischen Einschlag bekommen hat; Aber auch nach einer anderen Richtung ist Mürels Zusammenstellung mindestens nicht die einzig richtige. Die Frage nach den sechs bedeutend- Benjamin Disraeli.