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Ost und West · 1901-12-01 · Heft 12 (Dezember 1901) · p. Seite 945 - 946

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 12 (Dezember 1901)
Article
Hebräisch nach der Berlitz-Methode
Date
1901-12-01
Page
Seite 945 - 946 (sequence 3)
Language
German
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945 Dr. E. Simonson: Hebräisch nach der Berlitz-Methode. 946 Im Grunde ist die hier geschilderte Unbrauchbarkeit der alten Schulmethode immer mehr oder minder bewusst anerkannt worden, und man nahm die auffällige Thatsache, dass begabte junge Leute nach 6—9jährigem Unterricht eine Sprache so wenig beherrschen gelernt hatten, als etwas Unabänderliches mit Resignation hin; wer eine Sprache wirklich erlernen wollte, der suchte sich, falls ein Aufenthalt im fremden Lande ihm nicht möglich war, wenigstens durch Konversation mit Eingeborenen desselben darin auszubilden. In den besseren grossstädtischen jüdischen Familien, welche Wert darauf legen, dass ihre Kinder fremde Sprachen beherrschen lernen, ist ja die Französin oder „die Miss" als Hausgenossin heutzutage beinahe schon zur selbstverständlichen Einrichtung geworden. Es liegt kein Grund vor, weshalb diese Methode, nach welcher man bei entsprechendem Eifer eine der modernen Sprachen in 6—12 Monaten sprechen und schreiben lernt, nicht auch zur Erlernung des Neuhebräischen sollte angewandt werden können. Ja in Russland wird das Hebräische sogar vielfach bereits auf ähnliche Weise gelehrt, und es giebt auch bereits sehr brauchbare Lehrbücher für diesen Zweck, so das in Berlin wohl bekannteste „Eden hajelodim" von Tawjew. Auch an Lehrkräften sollte es in Berlin nicht fehlen. Der hier bestehende hebräische Konversationsklub „Sapha B'rurah" könnte zweifellos unter seinen ca. 60 Mitgliedern geeignete Lehrer finden, und es wäre kein Hindernis, wenn der Lehrer Russe wäre, da ja hervorragende Kenntnis der deutschen Sprache bei dieser Methode nicht erforderlich ist. Die Lehrer der Berlitz-Schulen sind sogar meist junge Ausländer, welche in ihrer Muttersprache unterrichten, ohne ihrerseits die Landessprache zu kennen. Genau betrachtet, ist übrigens die alte erfolgreiche jüdische Methode des „Lernens", durch welche das ganze Schrifttum mit allen Wortbildungen und charakteristischen Spracheigentümlichkeiten dem Gedächtnis einverleibt wird, in ihrem Wesen durchaus nicht sehr von der Berlitz-Methode verschieden, und es ist vielleicht mehr als ein Zufall, dass Professor Berlitz, der jetzt in Amerika lebt, ein russischer Jude ist. Wer die Sprache später noch grammatisch studieren will, dem bleibt dies natürlich unbenommen, und er wird die abstrakten Regeln ohne die sonstigen Schwierigkeiten spielend erfassen, weil er dabei das materielle Substrat stets vor Augen hat und daher nicht gezwungen ist, seine Zeit mit den abstraktesten und umständlichsten Denkoperationen zu verbrauchen. In Berlin giebt es seit einigen Jahren hebräische Sprachkurse für Erwachsene, deren Erfolg bisher nicht gerade überwältigend gewesen ist und es nach dem oben Gesagten nicht sein konnte. Die Kosten der Kurse würden nicht grösser sein, wenn man einen Versuch in der besprochenen Richtung zu machen sich entschliessen wollte. Eugene Delacroix. Jüdische Hochzeit in Marokko.

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