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Ost und West · 1901-12-01 · Heft 12 (Dezember 1901) · p. Seite 939 - 940

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 12 (Dezember 1901)
Article
Exotische Juden
Date
1901-12-01
Page
Seite 939 - 940 (sequence 4)
Language
German
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939 Exotische Juden. 940 Im Buche der Vernet-Lecomte. Jüdin aus Tanger. meistens sagt. Aber nicht nur die weite Strecke der ganzen Sahara, sondern auch einen Zeitraum von 3000 Jahren müssen wir überspringen, um uns beiden Cheber-Beduinen? zurecht zu finden. Richter, Kapitel IY, lesen wir von Deborah's Sieg, wie Sisera von Jaels Hand getötet ward. Jael aber, war das Weib des Keniten Cheber, des Zeltbewohners, eines Nachkommen Jethro's, des Priesters von Midian. Tn Midian, d. h. landeinwärts von der Roten-Meer-Küste Arabiens leben die Cheber-Beduinen noch heute, ein Volk, das niemals dauernd unterworfen werden konnte. Die Pilgerstrasse nach Mekka führt durch ihr Gebiet, und ein jährlicher Tribut wird ihnen dafür entrichtet, dass sie die Karawanen ungehindert passieren lassen. Syrische Pilger, die kurze Zeit bei ihnen gefangen gehalten worden, wissen zu erzählen, dass sie beim beten „Rollen" haben, „ganz ähnlich wie die Juden von Tiberias und Safed". — Bald wird die Mekka-Bahn das Hinterland von Midian durchschneiden, und mit der Herrlichkeit des Cheber-Stammes wird es dann ein Ende haben, wenn er nicht, was lreilich vorauszusehen, die Stätte' seiner Wirksamkeit weiter nach dem Innern verlegt. Es wäre gut, wenn baldigst von jüdischer Seite etwas gethan würde, um die Cheber-Juden (die übrigens zur Zeit von Mohammed's Anfängen, eine wichtige Rolle spielten und des öfteren im Koran erwähnt werden) noch in ihren jetzigen Verhältnissen zu studieren und ihnen kund zu geben, dass auch ausser ihnen noch Juden existieren. —--—-----— — — — Im grossen und ganzen entspricht die Reihe von Zweigen und Splittern des jüdischen Volkes einer ebenso langen Reihe von Einzelbeispielen des jüdischen Elends. Ausnahmen hiervon mögen wir in den zuletztgenanntenCheber-Stämmen Arabiens sehen, die ähnlich den anderen Beduinen ein freies und wildes Leben führen, den Friedhof der Juden von Coehin. Bene Israel in Bombay, die — mit den übrigen Bewohnern ihres Landes verglichen — auf einer ziemlich hohen Kulturstufe stehen, und deren hervorragender Wert als Bevölkerungselement von den anglo-indischen Kreisen in hohem Maasse anerkannt wird, und etwa den chinesischen Juden, denen esjedenfalls nicht schlechter zu gehen scheint als anderen Chinesen. Sehen wir aber von diesen wenigen Ausnahmen ab, so ist das Loos dieser versprengten Teile unseres Stammes kein besseres, in manchen Fällen sogar noch furchtbareres als das der osteuropäischen Juden, von deren trauriger Lage wir täglich neue Beispiele sehen. Was die Juden in Marokko und Persien, die Yemeniten und die Falaschas in den letzten Generationen gelitten haben, das wird wohl nie in annähernd vollständiger Weise zu unserer Kenntnis kommen; — erst jetzt, da immer weitere Gebiete dem Verkehr angeschlossen werden, beginnen wir davon zu erfahren, wenn irgendwo in diesen entfernten Ländern jüdisches Blut vergossen wird. Aber gleichzeitig mit dem Nachrichtendienst hat auch unsere Möglichkeit, hilfreich einzugreifen, sich räumlich ausgedehnt. Zu keiner früheren Zeit wären wir in der Lage gewesen, wie es jetzt öfters versucht wurde und schon manchmal geglückt ist, in diesen „wilden" Ländern jüdisches Leben und Eigentum zu schützen, oder, wo es für den Schutz zu spät war, die Bestrafung der Schuldigen herbeizuführen. Mögen die Kräfte, die heute am Werke sind, neue Einigungsbande um die überall verstreute Judenheit zu schlingen, immer grösseren Erfplg haben und das %Jturelle und politische Gewicht der Judenheit soweit 1 steigern/ bis nirr gends mehr der Jude als Jude zu leiden haben wird. Kulturelle Organisationen und ein zuverlässiges Asyl- Land, — darauf beruhen die Hoffnungen für die Zukunft des Judentums. Y.

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