Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1901)
- Article
- Exotische Juden
- Date
- 1901-12-01
- Page
- Seite 933 - 934 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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933 934 1$ *W\ r■ - ■ %~ - - x; v-'-;'. xr^s ^%^r feV-TM -V •^^•^' y —"'" EXOTISCHE JUDEN. Wie vielverzweigt unser jüdischer Stamm ist und "wie verschiedenartige Früchte er hervorbringt — davon wollen diese Zeilen ein ungefähres Bild geben. Aber nicht von der Vielartigkeit allein, sondern auch davon, welch edler Früchte der alte Stamm fähig ist, wo er guten Boden, Licht und Wasser findet, und wie grausam es deshalb wäre, wenn weitaus der grösste Teil des Volkes, wie es jetzt fast den Anschein hat, elend verkümmern und zu Grunde gehen müsste. So wie eine Zusammenstellung einzelner jüdischer Namen ein Idealbild von der geistigen Qualität der Juden geben kann, wie kein anderes Volk sich dessen auch nur annähernd rühmen kann, ähnlich so lassen sich ganze jüdische Volksklassen nennen, die — entgegen den allgemeiner bekannten Typen — einen Menschenschlag aufweisen, der sich den prächtigsten Gestalten irgend welches ob seiner Körperschönheit gerühmten Volkes würdig an die Seite stellen lässt. Der Schreiber dieser Zeilen denkt da naturgemäss in erster Linie an die Judentypen, die er selbst gesehen hat, vor allem an die Juden von Rhodos, Gestalten und Köpfe, die auf den ersten Blick uns fast an homerische Helden gemahnen. Diese Leute — im ganzen 1500 Seelen — sind die Bootsleute der alten Stadt Rhodos, ohne deren kräftigen Arm kein Besucher der Insel vom Schiffe ans Land kommt.*) *) Interessant ist, dass in der Stadt Rhodos, d. h. innerhalb der Mauern, nur J- Portaeis. die Türken und die Juden wohnen dürfen. Jüdin aus Tetuan. Juden von stattlicher Erscheinung finden sich auch sehr zahlreich unter unseren Stammesgenossen im Londoner West-End, die sich auffallend von den später eingewanderten Bewohnern des East-End unterscheiden und sich in ihrem Habitus dem der obersten englischen Bevölkerungsschichten nähern. Eine ähnliche Erscheinung — die Metamorphose vom gebeugten Ahasver zum kraftstrotzenden, hochgewachsenen Mann — hat sich innerhalb der letzten zwei bis drei Generationen auch in Nord-Amerika vollzogen, und besonders auffällig ist schon der Unterschied in Haltung und auch Gesichtsausdruck zwischen den russischen Einwanderern der letzten Generation und ihren bereits in Amerika geborenen oder doch aufgezogenen Kindern. Zum engeren Thema dieses Aufsatzes — den exotischen Juden — möge ein T}^pus hinüberführen, den ich in New York sah : der eines schwarzen Juden aus einer der ägyptischen Oasen. Es war ein „Sofer." ein Schreiber, der vorzüglich die hebräische Quadratschrift meisterte, auch gut hebräisch sprach. Man kann sich denken, dass er nicht wenig von den Juden angestaunt wurde, mit denen er zusammenkam, und die nicht die mindeste Ahnung von der Existenz „schwarzer Juden" hatten. Schwarze Juden giebt es aber nicht nur in den ägyptischen Oasen, Die viel zahlreicheren Christen müssen alltäglich bei Sonnenuntergang, wenn die Thore geschlossen werden, die innere Stadt verlassen.