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Ost und West · 1901-12-01 · Heft 12 (Dezember 1901) · p. Seite 929 - 930

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 12 (Dezember 1901)
Article
Das Chanukka-Fest
Date
1901-12-01
Page
Seite 929 - 930 (sequence 4)
Language
German
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929 Dr. S. Bentfeld: Das Chanukka-Fest. 930 buchstaben des Satzes sein: „Nes gadol haja schäm'' (damals gab es ein grosses Wunder). Genug, man stellte dies Bleihäuschen auf die Spitze und nahm die Stange zwischen die Finger und drehte. Das Häuschen drehte sich einigemal, nachdem es losgelassen worden war, und fiel dann um; es kam nun darauf an, auf welchen Buchstaben es gefallen war. Man sieht, es handelte sich um eine Art Würfelspiel, dem die Jungen fröhnten. * * * Das Chanukkafest war im wahren Sinne des Wortes ein Lichtfest für die Juden in früheren Zeiten. Wer nicht selbst in seiner Jugendzeit das Fest in einem frommen jüdischen Haus gefeiert, kann sich die festliche Stimmung am Chanukka kaum vorstellen. Man bedenke, die jüdischen Feiertage legen sonst so viele Beschränkungen auf, die am Chanukka wegfielen. An keinem „gebotenen" Feiertage konnte man sich früher so gut „amüsieren". Diese Art von Chanukkafeier ist freilich geschwunden, aber erfreulicherweise nimmt dieses Fest in der modernen- Judenheit immer mehr einen ernsten, nationalen Charakter an; es kommt somit zu seinem Rechte. Das Chanukkafest wird hoffentlich bald das sein, was es von jeher hätte sein sollen: ein Tag der glorreichen Erinnerung und des hoffnungsreichen Ausblickes in die Zukunft. Man klagt heutzutage so viel über den Rückgang des Judentums, und doch ist die Chanukkafeier erst in den letzten fünfzehn Jahren „ein Tag der Freude", ein wahres Fest in Israel geworden. Das darf uns als ein Beweis dafür gelten, dass das Judentum noch immer lebenskräftig ist und bleiben wird. Mag manches fallen, das wir als unwesentlich, als die Schale betrachten dürfen, das Judentum als religiös-sittlicher und nationaler Kern wird erhalten bleiben. Es hat die Hellenisirungswut mit allen ihren Schrecken überlebt und wird auch die Nivellierungswut unseres blasirten Zeitalters überleben. In diesem Sinne feiern wir jetzt Chanukka — dieses Licht erhellt die ganze Judenheit in der Diaspora! StiyowsH. Taschlech.

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