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Ost und West · 1901-12-01 · Heft 12 (Dezember 1901) · p. Seite 903 - 904

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 12 (Dezember 1901)
Article
Die Bedeutung des makkabäischen Freiheitskampfes
Date
1901-12-01
Page
Seite 903 - 904 (sequence 2)
Language
German
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903 Mathias Acher: Die Bedeutung des Makkabäischen Freiheitskampfes. 904 dadurch nur der geniale furor der gottesstreiterischen Propheten gesteigert. Im Reiche Juda, wo sich die Monarchie von vornherein mit der neuen Lehre abfinden und mit den dort weniger stürmischen, aber ebenso entschiedenen und zu h öh er en G esichtspunkten emp orgesti egenen Propheten sich vertragen muss, — erscheint das Volk selbst immer mehr und mehr von dem Geiste sittlicher Lebensregelung ergriffen. Zuletzt stirbt der israelitische Staat an den unausgesetzten inneren Kämpfen zwischen den beiden Seelen im Volke, die sich im Königtum und Prophetentum verkörpern, und der judäische daran, dass das Verständnis für die Machtinteressen der Nation von der Wucht der grossen Gottesfrage erdrückt worden war. Aber auch nach diesem ergreifenden Staatentod bleibt noch ein Rest des naiv nach leiblicher und weltlicher Geltung ringenden Elementes in der jüdischen Seele zurück. Dies offenbart sich darin, dass 40 000 Personen von der Erlaubnis des Cyrus Gebrauch machen, ins Heimatland zurückkehren und den Grund zu einem neuen Gemeinwesen legen. Dieses steht nun freilich ganz im Zeichen der Lebenszügelung und Lebensausmessung. Die Verwaltung ist jetzt ganz in den Händen jener, welche wollen, dass das Leben nicht über strenge Schranken schreite, dass niemand zu viel lebe. Nur sind das jetzt nicht mehr Menschenveredler, sondern Menschendriller, nicht mehr schöpferische Himmelsstürmer, sondern fleissige Popularisier er, nicht mehr revolutionäre Geister, sondern tüchtige Köpfe, — mit einem Worte: nicht mehr die Propheten, sondern die Rabbiner. In ihre Gesetzgebungsarbeit vertieft, lassen sie Jahrhunderte vergehen, ohne an erhebliche politische Vorsorgemaassnahmen zu denken. Sie züchten vielmehr, von den besten Absichten beseelt, ein wünsch- und wehrloses Volk heran, das, wenn nicht alles trügt, eine Beute des erstbesten Eroberers werden muss. Da geschieht aber das Unerwartete. Der lang bezähmte Drang nach freier Weltlichkeit erwacht in einer Stärke, die man kaum mehr für möglich gehalten hätte. In zwei mächtigen Stürmen tobt er sich aus. Der eine erhebt sich in den Herzen der Mächtigen und Reichen, sowie sie die hellenische Herrlichkeit kennen lernen und mit der heimischen ewigen Regentagsstimmung vergleichen. Eine wilde Wut gegen das eigene Volkstum, das ihnen die kostbarsten Güter des Lebens, nein, das Leben selbst, vorenthält, überkommt sie. Nieder mit allem Jüdischen! — schreien sie -und rufen den äusseren Feind ins Land, der ihnen beim Vernichtungswerke helfen soll. Angesichts dieser Gefahr aber erhebt sich der zweite Sturm. Fern von der Hauptstadt, in einem Landstädtchen, wohin weder die hellenische Unbändigkeit noch die rabbinische Gebundenheit gedrungen ist, aus dem Kreise einer altväterischen Priesterfamilie ertönen plötzlich Weckrufe ganz anderer Art: Heraus aus den Lehrsälen! Auf zu den Waffen! Machet euch frei und unabhängig! Lebt! . . . So schallt es bald durch das ganze jüdische Land. Die jüdischen Waffen siegen — über den äusseren Feind und die Verräter. Verräter! — Ein hartes unerbittliches Wort, das wohl auf viele passen mag, die in der hellenistischen Bewegung standen, doch auf alle gewiss nicht. Der Mehrzahl nach waren es Leute, deren Makkabäertrieb sich infolge eines ungünstigen Milieus zum Hellenismus verirrte. Das begreifen, heisst ihnen verzeihen. Allerdings fällt dann auch das alte Märchen, dass der Makkabäer Kampf und Sieg einen Kampf und Sieg der geistlichen, sittengesetzlichen, sogenannt jüdischen Lebensauffassung bedeutet. Gerade das Gegenteil ist richtig. Die makkabäische Erhebung ist ein Spätlingstriumph des in der jüdischen Volksseele niedergehaltenen Freiheitsdranges. Das zeigt schon ein Blick auf Juda Makkabi selbst, diesen Kriegshelden mit der einfältigen Kinderseele; das geht aus jedem Worte seiner heiter-frommen und lebenatmenden Reden hervor; das folgt aus seiner viel angefeindeten Verfügung, die das religiöse Verbot der Verteidigung mit den Waffen am Sabbat aufhob; darauf deutet die Nachricht hin — mag sie auch bloss Sage sein —, dass er ein Bündnis mit Rom gesucht habe. Der überzeugendste Beweis aber ist das Ergebnis der Bewegung: Juda Makkabi erkämpft die Unabhängigkeit, seine Brüder sichern sie, deren Nachkommen setzen sich die Königskrone aufs Haupt. Ein neues jüdisches Reich entsteht, ein Reich von dieser Welt — in dem es ordnende Kräfte giebt und schäumende Thatenlust und flammenden Ehrgeiz. Dass das Reich keinen langen Bestand hatte, kann unser Urteil nicht ändern. Der makkabäische oder hasmonäische Königsgedanke war gewiss nicht weniger stark als der davidische. Aber er konnte aus diesem mageren Rest

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