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Ost und West · 1901-11-01 · Heft 11 (November 1901) · p. Seite 845 - 846

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 11 (November 1901)
Article
Stiftshütte, Tempel- und Synagogenbauten
Date
1901-11-01
Page
Seite 845 - 846 (sequence 8)
Language
German
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845 Professor Dr. D. Joseph: Stiftshütte, Tempel- und Synagogenbauten. 846 Fig. 39. Synagoge zu Frankfurt a. M. Inneres. Sie stammt vom Jahre 1712 und wurde von Kemmeter 1714 vollendet. Diese Synagoge ist aber nicht die älteste, denn wir hören von einer in dem Besitz des Hofjuden Liebmann befindlichen gottesdienstlichen Stätte, die 1684 erwähnt wird, einer zweiten von 1692 im Hause von Riess, einer dritten von 1696 im Hause des Schutzjuden Wulf Salomon, einer vierten von 1697 im Hause von David Riess.45) Der Bau der grossen Synagoge von 1712 sollte den Streitigkeiten zwischen den Besitzern der kleinen Synagogen ein Ende bereiten. Das einfache Aeussere mit den Ortsteinen an den Ecken ist auf dem Stiche von Calau erkennbar (Fig. 40), das Innere war bis auf einige Ausstattungsgegenstände, wie der Stich von A. M. Werner darthut, gleichfalls von puritanischer Einfachheit (Fig. 41). Das reichste Schmuckstück war der Oraun hakaudesch mit seiner zweistöckigen Säulenarchitektur, in welche sichNischen, Vasen, Kartuschen und vergoldetes Schnitzwerk einschmiegten. Reste dieses Oraun sind teils in einem 1881 erfolgten Erweiterungsbau wieder verwendet worden, teils befinden sie sich im Kgl. Kunstgewerbe-Museum in Berlin. Ein zweiter Umbau von 1891 veränderte das Gebäude derartig, dass nicht wesentlich mehr als die kahlen Mauern des alten Baus erhalten geblieben sind. Das 17. Jahrhundert ist, nach den noch vorhandenen Denkmälern zu urteilen, als Glanzzeit des polnischen Synagogenbaues anzusehen, um dessen Erforschung sich der Krakauer Akademiker Mathias Bersohn in Warschau besonders verdient gemacht hat. Binjamin Segel hat darüber in „Ost und West" (Heft 4) berichtet, weshalb ich mich im wesentlichen auf die nackte Wiedergabe der dort genannten Synagogenstädte beschränken kann. Die polnische Synagoge in Krakau existierte bereits 1407, ist aber nach der Ansicht Segel's noch etwas älter. Jünger ist die Vorstadtsynagoge in Lemberg und die alte Synagoge in Posen. In Polen giebt es auch eine Menge alter Holzsynagogen, wie in Wijsokie Mazowieckie, Nasielko, Ostropol, Jablonow, Zabludow, die um die Mitte des 17. Jahrhunderts bereits vorhanden gewesen ist, Pogrebyszcze (Fig, 42), deren Entstehen sogar in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurückgeführt wird. Bei weitem jünger ist die Synagoge von Lutomiersk die der Regierungszeit Stanislawi August, also der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, angehört. Als Architekt wird der Jude 45) Borr mann, R., Die^Bau- und Kimstdenkmäler von Berlin. Berlin, 1893. S. 257. Fig\ 40. Alte Synagoge in Berlin.

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