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Ost und West · 1901-11-01 · Heft 11 (November 1901) · p. Seite 819 - 820

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 11 (November 1901)
Article
Eine völkerpsychologische Betrachtun des Judentums
Date
1901-11-01
Page
Seite 819 - 820 (sequence 10)
Language
German
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819 Bernhard Münz: Eine völkerspychologische Betrachtung des Judentums. 820 Zerstückelung des Grundbesitzes konnte im Hinblicke auf das Vorrecht des Erstgeborenen, der zwei Teile bekam, im Hinblicke auf die vielen öden Landstrecken, die erst allmählich bebaut wurden, und die Verordnung, dass Erbtöchter ihren Landbesitz Männern aus anderen Stämmen zubringen konnten, nicht so sehr um sich greifen. Es waltete daher keine gefährliche Kluft zwischen Besitzern und Besitzlosen. Die bürgerliche Gleichheit wurde erhalten oder bei Unterbrechungen wieder hergestellt. Der Ackerbau ward gefördert, weil das Volk von anderen Erwerbszweigen abgeschnitten war und die allzu grossen Landstrecken in die Hand vieler thätiger Bürger kamen; der Staat hatte die Sicherheit seines Bestandes, weil die Krisen des Handels ihn nicht erschütterten und er den Schwankungen anderer Erwerbszweige nicht ausgesetzt war; das Recht und die persönliche Freiheit wurden erhalten, weil es keine Bevormundung seitens der Reicheren gab. Und nun zu dem letzten, tiefgreifenden Unterschiede! "Während bei den anderen Völkern erst der Staat gegründet wird und hernach die Gesetze für ihn geschaffen werden, geschah bei den Israeliten das Gegenteil. Erst erhielten sie das Gesetz und nachher den Staat, der nach der festgesetzten Vorschrift regiert werden sollte. So präsentiert sich uns Israel als Prometheus im wahren Sinne des Wortes und als ältester Apostel des Gedankens der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit der Menschen. ß w$ v^»$w3;/^4S ^üi^^t^^; 1. Durch langer Zeiten Ferne Mit schwerem Sklaventritt, Voll Mut im Licht der Sterne, Ein Volk von Männern schritt. :,: Es wahrte stets die Flamme — Trotz allem Schimpf und Spott Der Liehe zu seinem Stamme, Der Liehe zu seinem Gott. Durch langer Zeiten ferne ♦ ♦ ♦ ♦ (Bundeslied des Theologischen Vereins in Wien.) Eigene Weise. 3 Doch nicht mehr leise klagend, Wie Fasttags Schmerzgetön*, Nicht zitternd und nicht zagend, Wie scheuer Sklaven Fleh'n, Nein! Stolz aus stolzem Herzen Und frei aus freier Brust, Lasst singen uns unsVe Schmerzen, Lasst juheln uns uns're Lust. 2. Was uns're Ahnen schützten Mit immer treuer Hand, Wenn Römerschwerter blitzten, Bei Spanien's Marterbrand, Das hüten auch wir Späten, Wir Enkel bis zum Grab: Den Glauben an uns, den steten, Der Hoffen und Kraft uns gab. :,: Wir jubeln, hoffen, streben Der gold'nen Sonne zu, Die uns zu neuem Leben Erweckt. O Wonne Du, :,: Judäa, wenn uns linder Dein Palmenhauch umspiel*, Wir kommen, wir Deine Kinder, Die Ritter vom Davidschild. : 5. Wir schaffen treu am Werke Und singen auf der Wacht Das Lied von uns'rer Stärke, Das Lied von uns'rer Macht. Baut an der Ruhmeshalle Zipns mit Herz und Seel', Kommt, helfet uns, Brüder alle, Ihr Söhne von Israel! :,: A. Schwarz. Aus dem soeben erschienenen Vereinsliederbucli für „Jung-Jud a". (Im Auftrage des jüdischen Turnvereins „Bar Kochba", Berlin, herausgegeben von Max Zirker.)

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