Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1901)
- Article
- Jüdische Thesen
- Date
- 1901-10-01
- Page
- Seite 761 - 762 (sequence 3)
- Language
- German
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761 Dr. Felsenthal: Jüdische Thesen. 762 und nationale Religionsgenossenschaften können und werden freundschaftlich und sich gegenseitig fördernd neben einander hergehen. .Indem die Rose selbst sich schmückt, schmückt sie auch den Garten." Und indem jede nationale Religion selbst immer wächst in Licht und Wahrheit und immer mehr fördersam einwirkt auf die betreffende Nation, trägt sie zur Schmückung der ganzen Menschheit bei. 13. Durch eine sogenannte Universalreligion ist die Menschheit immer der grossen Gefahr ausgesetzt, dass für sie Geistesketten geschmiedet und dadurch freies Denken und Streben und Sichentwickeln vielfach gehemmt werden könnte. Denn die Bekenner einer solchen Religion müssen doch jedenfalls irgend etwas Gemeinsames haben. Und was könnte dieses Gemeinsame sein? Was anders als eine verpflichtende Dogmatik? Aber wo es bindende Dogmen giebt, da giebt es auch Ketzer, und wo es Ketzer giebt, da giebt es auch Ketzergerichte, eventuell: Entsetzung von religiösen Lehrämtern Exkommunikationen u. s. w. Und der Boden ist dann dazu vorbereitet, dass aul ihm Intoleranz, Fanatismus und andere Giftblumenerblühenkönnen. 14. Der schliessliche Sieg des Judentums besteht nicht darin, dass alle Menschen Juden werden — das ist auch unmöglich, und in aller Ewigkeit wird die Menschheit in verschiedene Rassen und Stämme geteilt sein —. sondern darin, dass man die ewigen Wahrheiten des Theismus und die hohe sittliche Forderung der Heiligung des Lebens allgemein anerkennen wird, und dass man sie allgemein als ideale Mächte preisen wird, die alles Leben beherrschen müssen. W JUEDISCHE JUGEND - ZEITSCHRIFTEN. Als eine bemerkenswerte Eigentümlichkeit verdient es verzeichnet zu werden, dass ein Volk, dessen vornehmste Aufgabe seit seinem Bestände es ist, seine Jugend volkstümlich zu erziehen, so wenig seine Aufmerksamkeit der Jugendliteratur und deren Bedeutung zuwendet. Für die acht Millionen Juden Europas bestehen im ganzen drei Jugendzeitschriften, von denen zwei erst das letzte Jahr ins Leben gerufen worden sind. Es gehört zu unserer Aufgabe, sie einer kurzen Besprechung zu unterziehen und die Aufmerksamkeit unseres Leserkreises auf sie zu lenken. Der Vorrang gehört unstreitig der prächtigen hebräischen Halbmonatsschrift „Olam- Katan", welche im Verlage „Tuschijah" in Warschau erscheint. Unsere besten hebräischen Schriftsteller beteiligen sich mit guten Beiträgen daran. Die Redaktion ist eine vorzügliche, die Sprache leicht fasslich und modern. Für jene Jugend, welche des Hebräischen mächtig ist, bietet sie eine wertvolle Quelle der Unterhaltung und Belehrung. Die reiche Illustration könnte mitunter besser durchgeführt sein. Es ist das einzige, was wir daran auszusetzen haben. Eine weitere Zeitschrift zur Belehrung und Unterhaltung der israelitischen Jugend ist der von Herrn E. Flanter in Berlin herausgegebene „Israelitische Jugendfreund". Dieses Blatt, das einzige dieser Art in Deutschland, erscheint seit 1895 (halbmonatlich), steht somit jetzt im siebenten Jahrgang. Der Zweck dieser Zeitschrift ist: unsere Kinder mit dem Wesen und den Lehren des Judentums bekannt zu machen und die Kenntnis der jüdischen Geschichte und Litteratur zu verbreiten. Wir halten das Blatt für das geeignetste Mittel zur Ergänzung und Unterstützung des Religionsunterrichtes. Diesen Zweck sucht das Blatt zu erreichen durch Gedichte (meistens religiösen Inhalts), durch Abhandlungen über jüdisch-religiöse Stoffe, Beschreibungen jüdischer Altertümer aller Art und durch Erzählungen aus jüdischer Geschichte und jüdischem Familienleben. Für die