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Ost und West · 1901-09-01 · Heft 9 (September 1901) · p. Seite 711 - 712

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 9 (September 1901)
Article
Revue der Presse.
Date
1901-09-01
Page
Seite 711 - 712 (sequence 2)
Language
German
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711 Revue der Presse. 712 Da entschloss sich die Beerdigungs-Brüderscnaft, direkt an die Stadtverordneten zu appellieren, und dieser Appell kam in der gestrigen Sitzung des Stadtverordneten-Kollegiums zur Verhandlung. Der Referent brachte das Ansuchen der Brüderschaft zur Verlesung, das aus religiösen, historischen, künstlerischen und hygienischen Gründen — der alte Judenfriedhof bildet inmitten der Stadt einen grossen Garten — auf die möglichste Erhaltung des Friedhofs in seiner Gänze lautete, gab bekannt, welche Opfer die Brüderschaft dafür auf sich nehmen wolle, und fügte bei, dass der Stadtrat auf seinen ursprünglichen Beschlüssen beharre, umsomehr, als nach der genehmigten K egulierungslihie in der Nähe des Friedhofes vom Staate bereits mit dem Baue des neuen Gebäudes für das tschechische akademische Gymnasium begonnen worden sei. In die Debatte griff als erster Herr Dr. Jeräbek ein. Er führte aus, dass in Prag assaniert werde, wie nicht assaniert werden solle. Wenn an Stelle des Judenfriedhofes nur ein gewöhnlicher Garten stehen würde, müsste man aus hygienischen Gründen für die Erhaltung dieses Gartens eintreten. So aber handle es sich um mehr als einen Garten, um ein grosses, altes Denkmal eines Volkes. Die tschechische Toleranz habe, trotzdem die Juden gegen die Tschechen gewesen seien, dieses Denkmal stehen lassen, selbst ein Erzbischof, Chlumcansky, sei als Anwalt für diesen Friedhof aufgetreten. Erst dem 20. Jahrhundert sei es vorbehalten gewesen, mit seinen schönen „Assanierungsplänen" zu kommen. Das Gefühl für Schönheit, Geschichte und Hygiene verlange, dass der Friedhof unverändert bleibe. Darum beantrage Redaer, der Lageplan möge in diesem Sinne abgeändert werden. Bei der Abstimmung stimmten, wie schon erwähnt, nur sieben Stadtverordnete für den Antrag des Dr. Jerabek, worauf der Antrag des Stadtrates zum Beschlüsse erhoben wurde. „Die Deborah" (Cincinnati): Das englische Parlaments-Komitee, welches sich mit der Einwanderungsfrage zu. beschäftigen hat, wird nun doch Vorschläge zur Beschränkung der Einwanderung machen, publiziert aber ausdrücklich ein Dementi aller antisemitischen Absichten. Unsere Volkswirtschaft ist auf dem Prinzipe der Selbstsucht aufgebaut. Die Zeiten Cromwells und des Grossen Kurfürsten, da man es sich zur Ehre anrechnete, den Opfern religiöser Intoleranz eine Heimat zu bieten, sind vorüber. Das Ideal ist Narrheit. Niemand fragt danach, ob Talente, wie Zangwill, verkümmern, niemand kümmert sich darum, was aus den russischen und rumänischen Juden werden soll, die man aus ihrer Heimat durch systematischen Druck verjagt und auswärts nicht duldet...... In der „Zeit" (Wien) sagt Curt Wigand: „Man sagt, jedes Land hat die Juden, die es verdient. Dies bedarf eines Kommentars. Abgesehen von der anthropologischen Antipathie, handelt es sich darum, festzustellen, warum die Juden auf gewissen Gebieten ein unzweifelhaftes Uebergewicht über die Deutschen gewinnen konnten...... Wir haben es in erster Linie mit der schnelleren Auffassungsgabe, mit einer grösseren Beweglichkeit, einer überlegenen Schnelligkeit des Handelns, einer mehr auf das Zunäclistliegende, das Praktische gerichteten Intelligenz zu thun. Es springt dies sofort in die Augen, wenn man sieht, wie in Ländern, in denen diese Bedingungen von der arischen Bevölkerung selbst erfüllt werden, die Juden gar keine Rolle spielen, d. h. dass man dort eine antisemitische Bewegung nicht kennt. Man kann mit Sicherheit verfolgen, wie die Juden dort das grösste wirtschaftliche Uebergewicht erlangen, wo die ihnen eigentümlichen Qualitäten im grössten Gegensatze stehen zu den Eigenschaften der Arier, unter denen sie leben. ^^^^ß^^i^^0^^^ß^^^ti^^^ß^m^^h0^^ß^^^$i^f^^0t^^^^^^ß^^ Abonnementspreis für das Halbjahr in Deutschland und Oesterreich Mark 3,50, für das Ausland Mark 4,— für Russland ganzjährig 4 Rubel, halbjährlich 2 Rubel. Einzelhefte ä 35 Kop. ~~-.------Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes, durch alle Postämter des Deutschen —--—.--- —-~-*---Reiches unter No. 5785 a der Postzeitungsliste und durch die Expedition dieser Zeitschrift. -■-■»—"*------ Anzeigen $0 Pfg* die viergespaltene JXottpareilleaeile, grössere Anzeigen nach Tarif, bei Wiederholungen Rabatt. Stelen-Gesuche und 'Angebote zum halben Preise. Adresse für die gesamte Korrespondenz: S. CA L VA R Y Sc Co. (Inn. HUGO BLOCH) Verlagsbuchhandlung und Antiquariat, Berlin HW„ Heue Wilhelmstrasse 1. 1^mJ*+^*+^*^mf***^^+^*ti^*klr+*'^^*^^^ Von dein Artikel in Heft 7 von „Ost und West" „E. M. LILIEN" ist ein erweiterter Separat=Abzug aut Kunstdruckpapier und in grösserem Format in 200 Exemplaren hergestellt worden, die zum Preise von ä 1 Mk. vom Verlage oder durch die Buchhandlungen zu beziehen sind. Verantwortlicher Redakteur: Leo Winz, Berlin W., Wilmersdorferstr. 117. — Verlag von S. Calvary & Co., Berlin NW. 7. Für den Anzeigenteil verantwortlich: Hugo Bloch, Berlin. — Druck von Pass & Garleb, Berlin W 35.

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