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Freie zionistische Blätter · 1921-07-01 · 3 (7.1921) · p. Seite 92

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freie zionistische Blätter
Volume
1 (1921)
Issue
3 (7.1921)
Date
1921-07-01
Page
Seite 92 (sequence 94)
Language
German
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Bücher schau katastrophaler als je zuvor, und es ist nicht verwunderlich, daß wir in unsrer Sehnsucht und Qual, in dem endlosen Durste nach dem langen Passionswege auch an einer Pfütze niederknien, um daraus zu trinken. Aber verraten wir uns darob nicht. Gestehen wir uns doch ein: Das ist es nicht! Das, worum wir seit Jahrtausenden unsern Gott inbrünstig beschwören, kann uns nicht aus unreinen Händen Erfüllung werden. Durch diese Erfüllung" werden wir nur mit hineingerissen in d-en Fluß der trüb schäumenden Lüge, der in das Meer der dunklen Mächte und schwarzen Abgründe mündet. Die Erreichung Palästinas aber ist für uns eine Gewissens angelegenheit, wie jede grosse Wahrheit und Wirklichkeit; sie ist die Verheißung, aus unserem Ethos geboren und von ihm getragen, und es geht nicht an, ihre Erfüllung von der Bank einer diplomatischen Aktiengesellschaft zu erwarten, die nach einer Dividendenmoral lebt und schiebt und mit Menschenvolk wie mit Valuta spekuliert. Lauter und voll Licht und Milde, wie die Verheißung selbst, müssen wir unser Erbe zurückbekommen, und nur in diesem Zeichen wird das Land uns Heimat und Befreiung werden. Folglich: Unser Schicksal ist unlösbar verankert in der Neuorientierung des W eltgewissens, in der sittlichen Umwälzung und Erleuchtung der Allgemeinheit. Der Neubau der innern Gesamtstruktur, die Umkehr von Herrschsucht zur Selbstgestaltung, vom Fassadenprunk zum Innenbau, vom diplomatischen Schein zur allmenschlichen Wirklichkeit — die Erlösung der Menschheit aus ihrer leidvollen Vergewaltigung und Finsternis wird auch uns Erlösung sein. Unser Weg mündet in die große Straße, auf der Mensch zu Mensch und Volk zu Volk wandern wird. Jeder andere Weg ist ein Irrweg, der aus dem Chaos kommt und wieder dahin führt. M i s r a c h i 92

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