Mannheim
Compact Memory

Freie zionistische Blätter · 1921-04-01 · 2 (4.1921) · p. Seite 45

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freie zionistische Blätter
Volume
1 (1921)
Issue
2 (4.1921)
Date
1921-04-01
Page
Seite 45 (sequence 47)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2583479-2583480-2583482--149-2583643
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Interterritoriale Regelu n g •miiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiu Schaftsformen ansieht. Der Begriff Staat hat sich ins Gedächtnis und Bewusstsein des Menschen so tief eingegraben, daß der Mensch sich selbst als ein Objekt dieses Staates fühlt und gar nicht daran denkt, den allen Anforderungen der Zeit nicht mehr genügenden Staatsapparat durch eine bessere Sozietätsform zu ersetzen oder zu ergänzen. Die Gewöhnung an den Staat als eine unantastbare Sozietätsform hatte zum Teil ihren Grund darin, daß der Staat bei seiner Entstehung eine nationale Einheit bildete und deshalb im Hirne des Menschen die Identität von Territorium und Nation haften blieb. Ein anderer Grund ist der, daß die beherrschten Massen infolge ihrer Knechtung zu keinem klaren nationalen Bewußtsein gelangen konnten. Der Staat war zudem ein geschlossenes Wirtschaftsgebiet und der Mensch in diesem Gebiet eine Wirtschaftseinheit. Deshalb war die alleinige, ungeteilte Souveränität des Staates über den Menschen auch berechtigt und zweckmässig. Heute aber ist der Mensch ein Doppelwesen; eine Wirtschaftseinheit und injüdischen Volkes, deren Verwirklichung erst eine spätere Zukunft bringen kann. Für den Augenblick gesehen, ist der Vorschlag also, wie die „Realpolitiker" zu sagen pflegen, „utopisch". Aber uns scheint, für eine ideengetragene Politik ist die Utopie unentbehrlich und fruchtbar. Nichts ist so kläglich und steril wie die Nichtsais — Realpolitik. Wir hingegen rechnen es uns als Verdienst an. der jüdischen Oeffentlichkeit politische Projekte zu unterbreiten, die, rein realpolitisch gesehen, von der Krähwinkelperspektive des Moments, utopisch erscheinen mögen, sofern sie nur in ihrem Kern fruchtbare Elemente enthalten. Dies gilt von der Kritik, die von verschiedenen Seiten an dem Aufsatz des ersten Heftes: „Ein jüdischer Städtebund im Osten" geübt ward; dies gilt auch von der Kritik, die vermutlich an dem vorliegenden Aufsatz geübt werden wird. Die Redaktion. 45

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.