Freie zionistische Blätter
- Journal
- Freie zionistische Blätter
- Volume
- 1 (1921)
- Issue
- 2 (4.1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- Seite 35 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2583479-2583480-2583482--139-2583633- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Deutsche Intellektuelle ■iiimiiiiimiimiiiiimiMiiitmiiimiiuiiiiiiiuiiiiiiiimiiimiiim weil die russischen Intellektuellen unter der Führung von Gorki, Ssollogub, Andrejew und anderen gegen ihn in einem Buche, das sie ehrt, protestierten, beweisend, daß noch immer in Ländern lebendiger Moralität der Schriftsteller das Gewissen und der gute Geist des Volkes ist, das sich adelt und schmückt, reinigt und erhöht, indem es ihn hervorbringt, walten läßt, ihm folgt. Als 1920 die deutsche Reaktion gipfelt, schreit selbstverständlich in dem besiegten Lande ein überaus gründlicher Antisemitismus laut auf: „Die Juden sind schuld an der Niederlage" — das hätte, von den Schuldträgern gerufen, noch nicht allzu gefährlich gelautet; es wäre in seiner „Haltet-den-Dieb"-Absurdität ersoffen; aber dazu noch schuld am Ausbruch des Krieges, an Deutschlands Aechtung durch die empörten Völker, am Friedensvertrag und selbstverständlich an der „Revolution" und ihren Folgen: der Wirtschafts-Erschöpfung eines ausgehungerten und ausgepumpten Volkes mit allen ihren Folgen — sähen wir nicht den allzu durchsichtigen Mechanismus des Systems arbeiten und seine hetzende Gefährlichkeit für jüdisches Leben — wir könnten lachen über diesen Grad von Ueberschätzung . . . Und wie fällt er aus, dieser Versuch' nach russischem Vorbild den Zorn des Volkes auf den Prügelknaben der Jahrhunderte zu lenken? Seine Urheber und Regisseure können viel Freude daran haben. Es gelang ihnen, das deutsche Kleinbürger- und Bürgertum gründlich zu vergiften, die Militärbehörden und ausführenden Organe (Offiziere selbstverständlich und die Mannschaften), die Kommunalbehörden in vielen Orten und eine ganze Einzelstaatsregierung intensiv antijüdisch zu färben: zum Teil, weil die deutschen Intellektuellen, das Gewissen der Nation, dazu schweigen. 3* 35