Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1915-1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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— i9 — um in einem anderen Bilde zu reden, aus dem Parallelogramm der Kräfte die richtige Diagonale zu ziehen, das ist die künstlerische Aufgabe des Schulleiters. Schulleiter und Lehrer sind auf Gedeih und Verderb auf einander angewiesen. Auf gegenseitigem Vertrauen beruht der gedeihliche Fortschritt der Schularbeit. Ich habe zu Ihnen das Vertrauen, daß Sie Ihr Amt nach streng sachlichen Grundsätzen führen, daß Sie nur das Beste des Ganzen wollen, und daß Sie jedem Einzelnen soweit entgegenkommen, als es sich mit dem Gesamtinteresse verträgt. Ich darf auch von uns die Versicherung aussprechen, daß wir jederzeit Ihnen treu helfend und mitarbeitend zur Seite stehen. Wir wissen, daß die Schule keine Maschinerie ist, in welcher jedes Rad nur zwangsläufig seine Bewegung ausführt. Wir fühlen uns als Glieder eines lebendigen Organismus, in dem jeder aus freier Hingabe, aus Liebe zur Sache seine beste Kraft einsetzt. So, von gegenseitigem Vertrauen erfüllt, wollen wir Schulter an Schulter in unserem heiligen Berufe weiter arbeiten. Wenn dann noch Gottes Segen unserer Hände Werk begleitet, dann wird, um mit dem Propheten wort der Haftorah des nächsten Sabbat zu sprechen, unserer Schule „die Sonne nicht untergehen", dann werden wir unsere hehre Aufgabe meistern können zum Besten der uns anvertrauten Kinder schar, zum Wohle unserer Gemeinde,, der gegenüber wir eine hohe Verantwortung tragen als Hüter ihrer Zukunft, zum Heile des Staates, der heute mehr als je aller Kräfte zum Wiederaufbau bedarf, zum Segen des Judentums, dem wir als führende jüdische Schule im deutschen Vaterlande verpflichtet sind, auf pädagogischem Gebiete Weg bereitende Pioniere zu sein. REDE gehalten bei der Amtseinführung am 14. September 1924 von Studiendirektor Dr. ELIAS FINK. Hochverehrte Herren von der Verwaltung unserer Gemeinde! Sehr verehrte Damen und Herren unserer Lehrerschaft! Liebe Schüler und Schülerinnen! Die offizielle Einführung des vierten Leiters dieser Unterrichtsanstalten in sein Amt vollzieht sich mit Recht und in Uebereinstimmung mit seinem eigenen Wunsche in nicht ganz so feierlicher Weise wie die seines leider allzufrüh verschiedenen Vorgängers, denn er tritt ja nicht als Neuling hier ein. Schon in frühen Knabenjahren habe ich wie Ihr, meine lieben Kinder, hier auf der Schulbank gesessen. Und dem Lehrerkollegium bin ich ebensowenig ein Fremder, habe ich doch seit beinahe vier Jahrzehnten an seinen zwar mühsamen und entsagungsreichen, aber doch jugendlich frisch erhaltenden Arbeiten redlichen Anteil nehmen dürfen. Endlich kennt auch die verehrliche Gemeindeverwaltung meine bisherige Wirksamkeit aus eigener unmittelbarer Anschauung. Es handelt sich also heute nicht darum, einen neuen Direktor mit dem ihm bisher fremden Kreise seiner künftigen Mitt