Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1915-1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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— 15 — Infolge Uebernahme der Geschäfte eines Schulleiters mußte der Unterzeichnete auf einen großen Teil seiner unterrichtlichen Tätigkeit verzichten. Glücklicherweise fanden wir eine wertvolle Kraft für mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht in Herrn Studienreferendar Arthur Spier. Dieser übernahm eine Anzahl der vom Unterzeichneten abgegebenen Unterrichtsstunden und blieb nach erfolgreich abgelegter pädagogischer Prüfung als Studienassesssor an der Anstalt, wo er nunmehr voll beschäftigt wird. Mit dem Beginne des Schuljahres 1924/25 erkrankte Herr Sludienrat Dr. Schüler so heftig, daß er während des ganzen Sommerhalbjahres den Unterricht aussetzen mußte. Zum Wintersemester konnte er die Arbeit wieder aufnehmen. Dagegen trat Herr StudienratDr.Bondi um die gleiche Zeit in den endgültigen Ruhestand. Lehrerschaft und Zöglinge sahen diesen bewährten Lehrer mit nicht geringerem Bedauern aus dem Dienste scheiden als das Patronat. Da er eine offizielle Abschiedsfeier nicht wünschte, benützte der Unterzeichnete den Schluß des Sommersemesters, um ihm vor versammelter Schulgemeinde mit ehrenden Worten die ungeteilte Anerkennung für die ersprießlichen Dienste zu zollen, die er in langjähriger, pflichtgetreuer Arbeit der Schule geleistet hat. Seitens des Schurrats wurde in einer kunstvoll ausgestatteten Dankadresse dem Gefeierten mit rühmenden Worten zum Ausdruck gebracht, wie er aufgrund von tiefem Wissen auf so , manchem Gebiete der antiken und modernen Geistespflege es verstanden hat, Generationen von Schülern und Schülerinnen mit ungeheuchelier Begeisterung für die in der Schule gepflegten Ideale zu erfüllen und sie durch ein inniges Band geistiger Zusammengehörigkeit so an sich zu fesseln, daß sie noch weit über die eigentliche Schulzeit hinaus gerne zu seinen Füßen verharren. Auch den bewährten Lehrer für Stenographie, Herrn Dr. Gantter, der ebenfalls aus Altersrücksichten nach fast vierzigjähriger Tätigkeit an der Schule aus ihrem Dienste schied, widmete er den wohlverdienten Dank; in gleicher Weise auch den Damen, Frl. Kratzenberger und Frl. Stuhrmann, die auf ein volles Vierteljahrhundert emsiger Schularbeit zurückblicken. Herr Sfudienassessor Fucks, der für Herrn Studienrat Dr. Schüler den ganzen Sommer hindurch unterrichtet hat, erfuhr bei seinem Scheiden von der Anstalt ebenfalls den gebührenden Dank. An die Stelle des Herrn Studienrat Dr. Bondi trat für den Unterricht im Hebräischen zum Beginn des Wintersemesters 1924/25 Herr Saul Münk aus Berlin ein- Mit ganz besonders warmem Danke verzeichnen wir auch im laufenden Schuljahre zwei Besuche des Dezernenten unserer Schule im ProvinzialschulkoIIegium zu Cassel, des Herrn Geh. Regierungs- und Oberschulrats Dr. Gerstenberg (am4.Juni 1924und 30. November 1924), weil wir in ihnen den erfreulichen Ausdruck lebhafter Anteilnahme an der Entwicklung der Anstalt erblicken. Daß ein so ausgedehnter Schulorganismus — gegenwärtig umfaßt er 340 Knaben und 315 Mädchen und beherbergt außerdem 83 KindQX, die dem ersten Jahrgange der Grundschule der israelitischen Volksschule angehören — dessen Kostenaufwand jedoch nur zu einem geringen Teile durch das Schulgeld gedeckt wird, nun schon mehr als 70 Jahre fortbesteht und weiter sichtlich gedeiht, verdankt er nächst Gott der nimmerwankenden Treue und der beispiellosen Hingebung an die in ihm zu pflegenden Ideale, mit denen sein genialer Begründer, Samson Raphael Hirsch S'^r, den fortgesetzt wachsenden Kreis seiner Anhänger zu erfüllen verstanden hat. Durchglüht von flammender Begeisterung für das alte' gesetzestreue Judentum, wissen sie den mannigfachen Schwierigkeiten zu begegnen, die dem ungestörten Betriebe eines so weit ausgebauten Schulwesens