Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1915-1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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— 11 — Daß aus dem Restbestand der für die Tafel aufgebrachten Mittel Schulbücher ange-" schafft wurden, die gegen mäßige Leihgebühr unseren Schülern überlassen werden, ist bereits an anderer Stelle erwähnt. Am 6. Februar 1919 brachte Herr Direktor Dr. Lange in einer Sitzung des Schulrats den ersten Gedanken des Ausbaues unserer Realschule zu einer Vollanstalt zum Ausdruck. Er wurde zwar beifällig aufgenommen, später (Herbst 1920) fand sich auch ein Mäcen, der ihm erhebliche Summen zu widmen bereit war, allein die Durchführung stieß doch schon bei dem ersten Versuch zu Ostern 1922 auf so viele Hindernisse, daß der Plan noch während des Sommers aufgegeben wurde. Die Schüler der so für einige Monate gebildeten Obersekunda fanden ohne Schwierigkeiten Aufnahme in hiesigen Oberrealschulen, blieben jedoch vereinigt in einem jüdischen Ergänzungsunterricht, den die Schule für solche Schüler eingerichtet hat. Die dem Lyzeum angegliederte Frauenschule mußte im Herbste 1920 wegen zu kleiner Zahl der Teilnehmerinnen aufgelöst werden. Aus gleicher Ursache konnte seit Beginn des Schuljahres 1915/16 auch die an der Realschule bestehende Fortbildungsklasse nicht weitergeführt werden, bedauerliche Mißerfolge, die lediglich den Nachwehen des Kriegszustandes zuzurechnen sind.*) Tief schmerzliche Wunden hat der unbarmherzige. Tod unserer Schulgemeinde während der Berichtszeit beigebracht. Von den zahlreichen Kriegsteilnehmern aus dem großen Kreise unserer ehemaligen Schüler waren schon im ersten Kriegsjahre 22 ehemalige Zöglinge der Anstalt im Kampfe gefallen, unter ihnen auch der junge Leutnant Adolf Caro (am 22. Juni 1915), das einzige Kind unseres Amtsgenossen Caro. Sein Andenken wird durch eine seinen Namen tragende Stiftung von Herrn und Frau Julius Werner in der Schule geehrt. Mitten im Schulleben entriß uns der unerbittliche Tod viev hoffnungsvolle Kinder: Irma Goldschmidt am 9. März 1918, Moses Jesaias Cohn am 22. Oktober 1918, Ida Mandel am 5. August 1922 und Heinz Falk am 24. Novomber 1922. Auch den Heimgang von drei Mitgliedern des Schulrats haben wir zu beklagen: Im Herbste des Jahres 1917 starb Herr Lazarus Klau und im Jahre 1921 die Herren Max Altheimer und Geheimrat Dr. Rosenbaum, drei wackere Männer, die in selbstloser Hingebung an die hohen Ideale, denen unsere Schulen zu dienen haben, ihnen durch klugen Rat ausgezeichnete Dienste geleistet haben. Ganz besonders wehmutsvoll gedenken wir hier auch des Hinscheidens einer seltenen Frau, der Baronin Mathilde von Rothschild (2. März 1923). Diese edle Dame hat in ihrem langen, gottgesegneten Leben unserer Schule ein warmes, lebhaftes Interesse entgegengebracht. Zeuge dessen ist unter vielen anderen Beweisen von Zuneigung das stattliche Gebäude am Tiergarten, das sie im Verein mit ihrem frommen Gatten, Baron Wilhelm Karl von Rothschild, unseren Schulen in hochherziger. Freigebigkeit im Jahre 1881 errichtet hat. Sie hat sich damit in unserer Schulgemeinde ein monumentum aere perennius errichtet, und ihr klangvoller Name wird ihr rühmliches Andenken kommenden Geschlechtern als das „eines wackern Weibes", einer im vollkommensten Sinne des Wortes bewährten b"n ntp« überliefern zu unvergänglicher Ehrung und dauernder Verherrlichung. Wie sie auf den Höhen des gesellschaftlichen Lebens dem *) Seit zwei Jahren wird den Schülerinnen der ersten Klasse des Lyzeums nach Beendigung der Schule Gelegenheit geboten, in einem Fortbildungskursus die Kenntnisse auf Verschiedenen Gebieten zu erweitern und zu vertiefen und sie mit der jüdischen Lebensanschauung inniger zu durchdringen.