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Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main · 1926-01-01 · 1926 · page 29

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Journal
Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
Volume
1926
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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IRI
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27 sie in allen Tiefen aui sich wirken zu lassen und sie zu bezwingen, das ist nicht nur als Recht uns verliehen, sondern ist uns als Pflicht, als Aufgabe gesetzt. Und Voraussetzung hierfür ist eine Vertiefung Eures Wissens: nur des Wissens Blüte ist das Leben. Es ist eine wunderbare und tiefe Wahrheit der Goitessprache, daß das Wort )TP den höchsten Ausdruck des Wissens und gleichzeitig den tiefsten Ausdruck der Liebe bedeutet. Ich kann Euch nur empfehlen, mit möglichster Intensität Eure Wissensgrundlage auf profanem Gebiet auszubauen und WDOT 'HO'?*- ihre Lehren möglichst tief auf Euch wirken zu lassen und insbesondere, wenn wir schon bei dem Begriff >~P bleiben wollen, *n njn :'n ntfT JT£W "O in die wunderbare und erhabene Erkenntniswelt des jüdischen Wissens möglichst tief einzudringen, die ja viele Jahrtausende der Natur und der Geschichte in sich vereint. Und hierfür wird Euch gerne jede gewünschte Möglichkeit geboten, in der rQv«7\ in Schümm und besonders in der liebenden Sorge jedes einzelnen Eurer bisherigen Lehrer; IZltfn ~> ">D, denn dann erst seid Ihr ganze Menschen. Nur wer dieses reiche Wissen Jahre hindurch auf Gemüt und Gefühl hat wirken lassen und die jetzt gelegten Keime der Saat im eigenen Innern hat aufgehen lassen, der erst hat als jüdischer Mensch das Recht zu sagen, daß er eine Welt- und Lebensanschauung besitzt. Denn nichts Abstoßenderes kann ich mir denken, als wenn, wie es leider in der jetzigen Zeit des Mangels an Autoritätsgefühl so oft sich ereignet, schon 15-, 16- oder 20 jährige Menschen es sich anmaßen, von eigener Welt- und Lebensanschauung zu reden, oder gar noch materiellen Erfolg als Legitimationskarte für geistige Willkür zu gebrauchen. Eine relativ große Lebenserfahrung gibt mir das Recht, Euch am stärksten zu warnen vor diesem Parvenütum in geistiger, in ideeller Beziehung. Und denket: das Zurück ist schwer, der Eigenstolz verbietet meist die Selbsterkenntnis. Ein kluges Wort eines alten deutschen Klassikers sagt: Lebe, wie Du, wenn Du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben. Nur wer sein Wissen dauernd zu vertiefen sucht und in jüdischem Sinn DJ? nyTl das Wissen auf Herz und Gemüt wirken läßt, der verliert nie das Gefühl der Autorität, der Ehrfurcht vor der Tradition. Nicht glauben, daß man sich aus jedem neu eindringenden Gedanken ein neues geistiges Haus bauen muß, sondern das vorhandene Gerippe ausbauen, jeden neuen Gedanken, jedes neue Ereignis in das vorhandene Gerippe einzimmern nnd ihm einen festen Platz geben. Nicht daß das Judentum Angst haben müßte vor neuen Gedankengebäuden: der Sinai steht fest und hat seine Fähigkeit erwiesen, allen geistigen und materiellen Stürmen Trotz zu bieten. pN 10^1 D*ü& In erster Reihe den ideellen Lebensweg sich hinaufpflanzen: das bedeutet aber auch der Begründung des materiellen Weges die nötige innere Sicherheit schaffen. Wo der Wille ist, ist der Weg. Mit eisernem Willen diesen Lebensweg zu betreten, das, scheint mir, ist die Pflicht eines jeden von Euch in dieser Neila-Scheidestunde aus diesen heiligen Hallen. Nie ist der Lebensweg leicht gewesen, aber einem wirklich Wollenden liegt dieser Weg KV1 DOTD nicht einmal D"6 "D^O sondern mtPy^ T^N nn|? Euch ist die Oeffnung des VVeges, wenn I h r nur pflichtgemäß daran arbeitet, in diesen Räumen gegeben worden. Ihr braucht nur den "j^DH "pi zu gehen und nicht nach links und nicht nach rechts zu sehen, diesen geraden Weg als den "jten "pH zu betrachten, als den einzig geraden zu beirachten. Ich hatte nie Verständnis für diejenigen, die sagten 2£* TJTT ÜSP >pb 1j? IS? "IS, die den uns gegebenen Weg als eine Summe von Opfern und Verzichten betrachten. Ich habe noch nie in ■einer der niXÖ ein Opfer oder einen Verzicht gesehen, sondern umgekehrt: ich habe es stets als ein Glück betrachtet, daß uns Grenzen gesetzt sind, damit die Freiheit nicht zu Willkür werden kann; denn innerhalb des Kanals, der uns als Lebensweg gesetzt ist, sind weiteste Grenzen der menschlichen Betätigung. ■

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