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Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main · 1909-01-01 · 1909 · page 10

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— 11 — die mittleren Klassen gegen die Reformausgaben, weil ich mich des Gefühls nicht erwehren kann, daß sie zu schwer sind, und außerdem sind sie nicht alle konsequent. (In den lesenswerten Aufsätzen von Büttner im letzten Jahrgang der Neueren Sprachen findet man Ausführliches über sie). Aber man gehe eben in der Übertragung nicht zu weit und betrachte nicht das schöne Deutsch als das Hauptziel, sondern denke daran, daß es nur den Gedanken klarstellen soll. In den letzten Jahren hat sich das Interesse gerade dieser Frage der Lektüre zugewandt und schöne Früchte gezeitigt.' Der Kanonausschuß des Vereins für neuere Philologie hat sich der schweren Aufgabe unterzogen, geeignete Lektüre zu suchen und zu empfehlen. Freilich ist das Programm nicht so fest wie in den klassischen Sprachen. Cornelius Nepos, Caesar, Livius, Cicero, Tacitus, Ovid, Virgil, Horaz einer-, Xenophon, Thukydides, Demosthenes, Homer, Sophocles andererseits werden stets auf allen Gymnasien in denselben Klassen gelesen. So hat man sich den Kanon in den neueren Sprachen nicht zu denken. Hier ist dem Lehrer Freiheit gelassen. Das klassische siebzehnte und auch das achtzehnte Jahrhundert fürs Französische, Shakspere fürs Englische werden wohl noch immer berücksichtigt, aber weit mehr greift man zu Thiers, Lanfrey, zu den modernen Dramatikern und zu der großen schönen Fülle beschreibender und erzählender Literatur. Da das Englische und Französische lebende Sprachen sind, die sich ständig weiterentwickeln, darf die Lektüre nicht in enge, feste Grenzen eingeschlossen werden, und eine feste Norm wäre hier von o-rößtem Übel. Was ich über die neue Unterrichtsweise gesagt habe, möchte ich in die Worte zusammenfassen: Radikale, streng durchgeführte Reform auf der Unterstufe, dann eine gediegene Unterweisung in der Grammatik und Einführung in das Geistesuml Kulturleben der Franzosen und Engländer an der Hand der Lektüre, bei der aber die weitere Pflege der fremden Sprache nicht aus dem Auge verloren werden darf, ja erst recht gepflegt werden kann. Die Skizze, die ich zu entwerfen gesucht habe, soll den Weg, den wir beschreiten, nur ungefähr angeben. Der Individualität des Lehrers bleibt ein weiter Spielraum, Jeder, der sehen will und sehen kann, wird die Wahrnehmung machen, daß der neue Weg leichter und besser zum Ziele, das uns gesteckt ist, führt, und keiner, der ihn versucht hat, wird wieder zur alten Methode greifen wollen. Die neue stellt wohl an das Denkvermögen der Schüler höhere Anforderungen, ist aber kurzweiliger und interessanter als die alte und verlegt den Schwerpunkt der Arbeit in die Schule und nicht ins Haus. Und erscheint der Unterricht in der ersten Zeit gleichsam als eine Spielerei, so soll das kein Nachteil, vielmehr ein Vorteil sein, und man möge sich darüber freuen, wenn das Endziel nicht aus dem Auge verloren wird. Den Ernst des Lebens lernen unsere kleinen Sextaner und Quintaner noch ' früh genug kennen. Der Unterricht ist auch eine Kunst, und auf sie ist das Wort des Dichters ebenfalls anwendbar: Heiter ist die Kunst.

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