Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2580773-2580846--1861-2582707- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 10 — und kein vernünftiger Lehrer plagt die Schüler mit seltenen Ausnahmen. Die Leyguesche* Beform, Plattners Grammatik, Diehl: Französische Schulgrammatik und moderner Schul«- gebrauch, H. Schmidt: Schulgrammatik und Schriftsteller, und ähnliche Schriften weisen ihn geradezu auf eine vereinfachte Behandlung der Syntax, sollen seine Emanzipation vom Ploetz bewirken. * Infolge einer solchen Auffassung des Extemporale giebt es auch keine häuslichen Vorbereitungen für diese Arbeiten mehr. Wir wollen wissen, was die Schüler in der Stunde lerneny was sie vom Unterrichte mitnehmen, nicht, was ihnen zu Hause eingetrichtert wird. Wir wünschen, hierdurch auch die häuslichen Arbeiten einzuschränken, der Belastung, über die man so sehr klagt, Herr zu werden. Aber, man sollte es kaum glauben, manche Kreise im Publikum sind mit dieser Maßregel garnicht einverstanden, und ich habe nicht selten aus den Worten dieser und jener Mutter einen gewissen Vorwurf herausgehört, daß die Kinder keine Gelegenheit hätten, sich für die schriftlichen Arbeiten genügend vorzubereiten. Das Extemporale gilt eben noch immer als das Arcanum; von ihm allein hänge das Wohl und Wehe des Schülers ab, nur nach seinem Ausfall regele sich die Versetzung. Nichts falscher; weit mehr als früher kommt das Mündliche in Betracht, die Auffassungskraft des Schülers,, seine ganze Persönlichkeit. Möchten doch Eitern — und diejenigen Personen, die die Kinder daheim eindrillen, endlich einmal begreifen, daß ein verändertes oder nicht verändertes participe passe*, ein de oder ä vor dem Infinitiv, ja sogar ein falsch angewandter Indikativ oder Konjunctiv den Knaben nicht ein volles Jahr zurückzuhalten vermögen. Von viel größerer Bedeutung als das Extemporale, die Übersetzung aus der Muttersprache in die fremde Sprache, ist das Diktat. Es giebt uns nicht weniger als jenes einen Maßstab zur Beurteilung der grammatischen Kenntnisse und zeigt uns insbesondere, ob der Schüler fähig ist, den fremden Text aufzufassen. Gehen diese Diktate allmählich vom Leichteren zum Schwereren, vom Bekannten oder Verwandten zum Unbekannten über, dann gewöhnen sie das Ohr an den fremden Laut und befähigen die Schüler, Gehörtes zu verstehen, und bekanntlich ist dies im ersten Stadium der Spracherlernung wichtiger als das Sprechen, comprendre ist die erste, savoir die zweite Stufe. Was hier über die Behandlung der Grammatik ausgeführt ist, bezieht sich natürlich nur auf die sechsklassigen Healanstalten, d. h. die Mittelstufe, nicht auf die Oberstufe der Vollanstalten, wo die Übersetzung aus dem Deutschen ganz in Wegfall kommen muß und kann, denn die Grammatik ist abgeschlossen. Entsprechend der größeren Bewertung des Diktats ist die intensivere Behandlung der Lektüre. Im fünften und sechsten Jahre lesen wir Schriftsteller, einheitliche Texte; Chrestomathien wären auch zu empfehlen. Wenn Professor Dr. Emil Stern (Neue Freie Presse, 11 Juli 1908) den Stab über solche Sammlungen bricht, so schießt er über das Ziel,, ich kann ihm höchstens für die obersten Klassen beipflichten. Die nach der oben skizzierten Weise vorgebildeten Schüler sind imstande, in den Text einzudringen. Der Lehrer bespricht ihn zuerst, hebt die neuen Wörter hervor, liest ihn selbst und läßt ihn dann lesen. Einzelne Fragen daraus, kurze Inhaltsangaben, in der fremden Sprache natürlich, überzeugen den- Lehrer, daß die Klasse die Materie beherrscht. Freilich vermeide man auch hier nicht, ja noch weniger, die Übersetzung eines Wortes ins Deutsche und übersetze sogar gelegentlich einen ganzen Satz, wenn es nötig ist. Das richtet geringeren Schaden an, als wenn Unklarheit und Ungründlichkeit einreißen. Nur kein Fanatiker der Methode! Daher bin ich für