Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 170)
- Language
- German
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12 Bei Weber87) finden wir folgende Schilderung: „Die Flucht der Frans zosen bot den traurigsten Anblick : zuchtlose, wirre Heerestrümmer, tiefste Erschöpfung und Not der Soldaten, finstere, verzweifelte Stimmung, massenhafte Desertion, namentlich unter den letzten rheinbündischen Truppen." „Oudinot",so erzählt Stiegler38) „essayait constamment de faire marcher les trainards, les affamgs, les d6sarm£s qui repondaient aux reproches de leurs officiers: Nous aimons mieux nous laisser prendre, nous n'avons pas de pain, les Cosaques nous en donneront. De durs exemples ne leur servaient pas de lecon. — Fermant la marche, il trouvait les villages encombre's de malades, de blessös, de mourants; chambres, ecuries et granges la regorgeaient. II 6tait force de coucher la nuit hors des maisons au milieu des Cosaques toujours plus pressants, que l'on avait sur le dos, et qui huriaient sinistrement dans les tenebres: „Paris, Paris!" Ebenso schlimm wie beim Nachtrab sah es auch bei der Vorhut aus, namentlich wenn man dazu die Scharen der zur Schlacht ungeeignet gewordenen Soldaten rechnen will, die Napoleon schon vor der Schlacht bei Leipzig vorausgesandt hatte, um nicht durch sie mehr gehindert als gefördert zu werden. Schwarzenberg schreibt noch am 1. November an seine Gemahlin aus Fulda:39) „Die Strasse ist grässlich anzuschauen, man kann auf 50 Schritte ein totes Pferd rechnen, auf 100 Schritte mehrere Leichen; alle Häuser sind voll von Toten und Verwundeten; nie habe ich einen so scheusslichen Anblick erlebt, die Menschen sterben alle aus Hunger und Erschöpfung". Freilich der Sieg bei Hanau zeigt, wie Koeder nachweist, dass nicht das ganze Heer in diesem Zustande der Auflösung sich befand, sondern namentlich jene 20000„entscharten" Truppen. Alle Kämpfe, die mit diesen stattfanden, fielen auch ungünstig für die Franzosen aus, und von den 11000 Gefangenen, die Wrede vom 29.—31. gemacht hat, wird wohl der grösste Teil aus diesen „Entscharten" bestanden haben. Aber selbst der gewaltigen Persönlichkeit des französischen Feldherrn war es wohl bloss im Hinweis auf die drohende Gefahr gelungen, das Heer zu festigen, gleich nach der Schlacht löste sich die Ordnung wieder auf. — 37) Weber „Weltgeschichte" Leipzig 1888 Bd. 14. S. 477. 38) Stiegler „Le marechal Oudinot" Paris pg. 280. 39) Thielen „Erinnerungen" 154. Y