Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 158)
- Language
- German
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45 Formenreichtum der Pflanzenwelt durch die Verschiedenartigkeit des in den Samen und Sporen vorhandenen Zellinhaltes bedingt ist. Das Protoplasma ist die Quelle alles Lebens, aus ihm entspringen alle Veränderungen. Die gröberen Verhältnisse dieser Eiweissmasse sind der mikroskopischen und chemischen Untersuchung zugänglich, ihr eigentliches Wesen, ihre genaue Zusammensetzung und Struktur und die in ihr verlaufenden chemischen Vorgänge werden wohl zum grossen Teil der Erkenntnis stets verschlossen bleiben. Der exakten Forschung sind überall Grenzen gezogen; niemand kann diese überschreiten. „In das Innere der Natur dringt kein erschaffener Geist", aber trotzdem sind wir berechtigt, das Ganze in vollendeter Harmonie zu denken und das Unerforschliclie in seiner Vollkommenheit und Unendlichkeit ehrfurchtsvoll zu bewundern. Jeder, der die Pflanzen mit Aufmerksamkeit betrachtet, erkennt, dass ihnen ein eigenartiges Sein zu Grunde liegt, dass das geordnete, harmonische Zusammenwirken der Energieen in der lebenden Zelle und im ganzen Organismus zu einem bestimmten Zweck von einem Prinzip abhängen muss, das den gegebenen Kräften gleichsam die Wege weist, die zum Ziele führen. Wir erkennen die Dinge nicht, wie sie an sich sind, sondern wie sie uns erscheinen. Auch die Pflanzenwelt ist für uns nur Erscheinung, ihr An-sich bleibt uns undurchdringlich. Der sinnlich wahrnehmbaren Erscheinung der Pflanzenwelt entspricht aber eine Innenseite, ein Innenleben, das ihre eigentliche Wirklichkeit darstellt, und welches man sich für die einzelne Pflanze als bestimmten Entwicklungstrieb, als ihre Idee vorstellen mag. Dadurch wird die Pflanzenwelt, durch die uns so reiche Gaben gespendet werden, unserm Gemüte besonders nahe gerückt. Sind die Pflanzen nicht Organismen, die zwar durch ihr sprossendes Grün und die Fülle der schönen Formen und Farben uns ergötzen, aber ihrer inneren Natur nach uns fremd und seelenlos bleiben, sondern beseelt und zwar durch dieselbe Idee, die auch unser wirkliches Sein ausmacht, und insofern uns innerlich verwandt, so wird unser Interesse für sie wesentlich gesteigert. Vielleicht liegt in der dunklen Ahnung dieses Zusammenhanges mit der Grund der Anziehungskraft und des Reizes, den die Pflanzenwelt und insbesondere der Wald auf den Menschen ausübt. ^>w^